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Erling Haalands Wechsel zum BVB wertet die Bundesliga auf. Laut SPORT1-Chefkolumnist Tobias Holtkamp muss DFL-Chef Seifert dem BVB dafür dankbar sein.

Hallo Bundesliga-Freunde, 

der Super-Einstand von "Heiland" Haaland wurde ausgiebig beschrieben. Was mir etwas zu kurz kam, war der Dank an Borussia Dortmund, dafür, dass sie diesen auch für ihre Verhältnisse gewaltigen Transfer getätigt haben. Nicht zuletzt die Deutsche Fußball-Liga (DFL) mit ihrem Chef Christian Seifert muss dem BVB dankbar sein, für dessen großen Mut, der in der Bundesliga hoffentlich Nachahmer findet.

So abgedroschen solche Sätze klingen, so viel Wahres steckt oft auch dahinter: Wer nicht entschlossen genug ist, Risiken einzugehen - und Borussia Dortmund ist mit dem Invest in Erling Haaland ein großes Risiko gegangen - der wird auch nichts Außergewöhnliches erreichen in seiner Welt.

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Die Arbeit des BVB tut der Bundesliga gut 

Die Welt von Borussia Dortmund heißt Fußball. Doch sie gehört eben auch anderen, zum Teil noch Größeren und Stärkeren. Am 19-jährigen Norweger Haaland, der begehrtesten Aktie auf dem internationalen Transfermarkt, waren absolute Branchenführer wie Juventus Turin (Italien), Barcelona und Real (Spanien) oder eine Reihe englischer Vereine, allen voran Manchester United, interessiert. Auch der FC Bayern hatte sich nach den Konditionen für einen Haaland-Transfer erkundigt. Tabellenführer Leipzig wollte ihn unbedingt.

Der BVB stach sie alle aus. Weil sie Haaland und seinem Beraterteam aus Top-Vermittler Mino Raiola und Spielervater Alfie finanziell ein Wahnsinnsangebot machten, das selbst bei den Premier-League-Offerten mithalten konnte. Etwa 700.000 Euro Gehalt überweist der Verein nach SPORT1-Informationen dem Spieler pro Monat, der Vertrag läuft viereinhalb Jahre.

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Doch Dortmund hatte noch andere Trümpfe, die Haaland am Ende überzeugten: Die Verantwortlichen erklärten ihm, welche Hauptrolle er spielen und wie die taktische Anordnung auf ihn ausgerichtet werden soll. Und sie überzeugten ihn von der Bundesliga als ideale Vorbereitung auf den Schritt zu einem XXL-Klub. Die Namen Lewandowski, Aubameyang, Pulisic und Jaden Sancho fielen. Sie alle reiften in Dortmund zu internationalen Superstars.

Die Arbeit des BVB tut der Bundesliga wahnsinnig gut. Denn sie hat Strahlkraft. Zum einen hat Deutschlands wichtigste Spielklasse wieder einen Superstar, der das Interesse aller Fußball-Fans, eben auch international, auf sich zieht. Haalands herausragende Champions League-Leistungen im vergangenen Herbst, acht Tore in sechs Spielen für Salzburg, haben weltweit für Aufsehen gesorgt. Zum anderen hat sich der maximal Umschwärmte, nach intensiver Vorbereitung des BVB-Managements, eben auch bewusst für die Bundesliga entschieden.

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Man muss etwas wagen, um etwas zu gewinnen

Haaland wertet die Bundesliga in einer für die DFL extrem wichtigen Phase auf. In diesem Frühjahr werden die Übertragungsrechte für die Jahre 2021 bis 2025 verkauft. Jedes bekannte Gesicht ist willkommen, jeder neue Star macht die Liga bekannter und treibt den Preis. Und Haaland wird dem wichtigsten DFL-Produkt die nächsten zwei bis drei Jahre garantierte Aufmerksamkeit bringen, viel mehr als die Hakimis oder Upamecanos, die in Europa zwar genauso begehrt, aber eben keine Tor-Helden sind, deren Trikots sich fast von alleine verkaufen.

Auf dem DFL-Neujahrsempfang zuletzt in Offenbach unterstrich Seifert noch einmal die beachtliche Bedeutung der bevorstehenden Rechtevergabe - gerade für die Vereine. "Die Weichen für die Zukunft" werden gestellt in den nächsten Monaten, das begonnene Jahr sei "richtungsweisend". Der außergewöhnliche Dortmunder Winter-Transfer spielt ihm voll in die Karten.

Geht das gut mit Haaland, schlägt er so ein wie nach dem ersten Hattrick nicht mehr nur die Insider erwarten, profitieren alle. Und die Hoffnung, dass die risikobereite Entscheidung des BVB Signalwirkung auch auf andere Bundesliga-Vereine hätte, wäre größer denn je. Ist ja nicht ganz neu, gerät aber oft in Vergessenheit: Man muss schon etwas wagen, um am Ende auch zu gewinnen...

Tobias Holtkamp, der Autor dieses Textes, war in der Chefredaktion von Sport Bild und Chefredakteur von transfermarkt.de. Heute berät er Sportler und Marken in ihrer inhaltlichen und strategischen Ausrichtung. Für SPORT1 schreibt Holtkamp als Chef-Kolumnist die wöchentliche "Bundesliga-Kolumne".

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