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München und Bremen - Nicht nur die Lage von Werder Bremen ist besorgniserregend, auch Claudio Pizarros Verhalten wirft Fragen auf. Trainer Kohfeldt trifft eine erste Entscheidung.

"Ich bin ein Mensch, der viel lacht, und versucht, positive Energie reinzubringen." Mit diesen Worten charakterisierte sich Claudio Pizarro kürzlich selbst.

Von positiver Energie und guter Laune ist Pizarros Klub Werder Bremen derzeit meilenweit entfernt. Platz 17 in der Bundesliga, am vergangenen Wochenende die enttäuschende 0:2-Pleite im Heimspiel gegen Union Berlin. Und jetzt sorgt auch der eigentliche Stimmungsmacher für lange Gesichter.

Pizarro verärgert Werder mit Kabinengang

Als Schiedsrichter Daniel Schlager im Weserstadion abpfeift, ist die Stimmung bei den Bremern am Ende. Während sich die Mannschaft versammelt, um sich bei den Fans für die Unterstützung zu bedanken, ist Pizarro schon längst in der Kabine verschwunden. Sein Verhalten lässt sich nicht nur auf die sportliche Talfahrt von Werder zurückführen.

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Denn auch Pizarros persönliche Bilanz in dieser Saison ist ernüchternd. 21 Spielminuten sammelte der Peruaner in den vier Spielen der Rückrunde. Sowohl bei der 0:3-Niederlage gegen die TSG Hoffenheim als auch bei der Pleite gegen Union konnte der 41-Jährige nicht für Belebung sorgen. Unzufriedenheit macht sich breit.

Im SPORT1-Interview vor dem Sieg im DFB-Pokal-Achtelfinale gegen Borussia Dortmund (3:2) hatte sich Pizarro noch gewohnt gelassen auf die Frage gegeben, welche Rolle er im derzeitigen Weder-Kader einnehme: "Das Wichtigste spielt sich natürlich auf dem Platz ab, leider spiele ich derzeit nicht so oft."

Bier-Foto sorgte im Winter für Aufsehen

14 Bundesliga-Spiele absolvierte der Rekordstürmer, der bisher als einziger Bundesliga-Spieler in vier Jahrzehnten auflief, immer kam er dabei von der Bank und bringt es somit auf nur 199 Einsatzminuten. Besonders enttäuschend ist dabei der Fakt, dass Pizarro in keinem seiner Bundesliga-Einsätze in dieser Saison ein Tor erzielen konnte. Das sah in der letzten Spielzeit noch ganz anders aus.

In der angespannten Lage an der Weser kann er aber auch mit anderen Dingen punkten. "Ich war schon in diesen Situationen und weiß, wie schwierig das ist. Ich versuche zu übermitteln, dass wir die Ruhe bewahren, aber auch auf dem Platz alles geben müssen, sodass wir Punkte holen", sagt Pizarro. Da ihm die Chance genommen wird, aktiv dabei zu helfen, steigt auch das Frustrationspotenzial des Altmeisters.

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In der Winterpause sorgte Pizarro erstmals für Aufsehen. Aus dem Urlaub postete der Peruaner ein Foto, auf dem er genüsslich ein Bier verzehrte. Von Werder-Sportdirektor Frank Baumann hieß es dazu im Januar: "Eigentlich ist das keine große Geschichte und wäre auch kein Problem, wenn wir Achter wären." Doch momentan lautet der Tenor: So sieht Abstiegskampf nicht aus.

Keine Strafe für Pizarro

Schon damals entschied sich der Verein, das Thema herunterzukochen. Sportliche Entscheidungen sollten im Fokus stehen. Aber auch die Situation des Trainers in der "Causa Pizarro" ist verzwickt. Florian Kohfeldt setzte sich für die Vertragsverlängerung seiner Stürmer-Ikone ein. Nun muss er die fehlenden Einsätze moderieren.

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Nach dem vorzeitigen Kabinengang gegen Union stand im Umfeld der Bremer sogar kurzzeitig eine Nichtberücksichtigung von Pizarro für das kommende Spiel bei RB Leipzig (Bundesliga: RB Leipzig - Werder Bremen, Sa. ab 15.30 Uhr im LIVETICKER) im Raum. Derartige Konsequenzen schloss Kohfeldt jedoch aus.

"Ich habe hier nie bei einem Spieler das Gefühl, dass er sich nicht voll einbringt. Ich kann ausschließen, dass es aufgrund des Vorfalls eine Sanktion in Form von einer Nichtnominierung oder ähnlichem gibt", sagte der Werder-Coach. 

Die Verantwortlichen wollen sich offenbar lieber auf die prekäre Gesamtsituation des Vereins konzentrieren, statt einen Spieler zu bestrafen, der momentan rein sportlich ohnehin nur eine Nebenrolle spielt. Sanktionen gegen Pizarro hätten wohl nur noch mehr Unruhe in das Umfeld der Bremer gebracht.

Kohfeldt kann Pizarro-Frust verstehen

Dabei ist die Unzufriedenheit Pizarros ein Stück weit sogar nachzuvollziehen - auch für den Trainer. 

"Claudio würde nie etwas gegen die Mannschaft machen im Sinne von Egoismus", betonte Kohfeldt: "Ich kann mir das so erklären, dass da großer Frust war. Aber das werden wir mit ihm noch besprechen."

Neben den wenigen Einsatzzeiten schwingt bei der Personalie Pizarro nämlich auch mit, dass es das letzte Karrierejahr des aktuell 486-maligen Bundesliga-Spielers sein könnte.

Das Drehbuch dieser Abschiedstournee hatte nicht nur Pizarro selbst sich sicherlich anders vorgestellt.

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