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München - Der FC Bayern will erst nach der Saison über die Trainerfrage entscheiden. Das Vorgehen der Verantwortlichen birgt dabei sowohl Vorteile als auch Risiken.

Hansi Flicks Bilanz beim FC Bayern könnte kaum besser sein.

Zwölf Siege feierten die Bayern in 14 Spielen unter der Leitung des 54-Jährigen. Seit dem vergangenen Wochenende steht man erstmals seit dem 6. Spieltag wieder an der Tabellenspitze, in der Champions League erreichte der Rekordmeister ohne Punktverlust das Achtelfinale und auch im DFB-Pokal gaben sich die Münchner unter der Woche gegen die TSG Hoffenheim keine Blöße.

Doch obwohl es aus rein sportlicher Sicht bislang kaum etwas an der Leistung Flicks auszusetzen gibt, ist seine Zukunft als Bayern-Trainer weiter unklar. Im Gespräch mit SPORT1 erklärte Klub-Präsident Herbert Hainer erst kürzlich, dass der finale Entschluss in der Trainerfrage erst im Sommer und nicht schon im Frühjahr getroffen werde.

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"Wir werden jetzt die Saison abwarten, und uns dann mit Hansi Flick zusammensetzen und dann werden wir auch eine Entscheidung treffen", machte der 65-Jährige vor dem Bundesliga-Gipfel gegen RB Leipzig deutlich. Bundesliga: FC Bayern München - RB Leipzig, Sonntag ab 18.00 Uhr im SPORT1-Liveticker)

Flick will Bayern-Trainer bleiben

Was für die Entscheidung der Bayern-Verantwortlichen spricht, ist, dass man damit den Druck und die Spannung bei allen hochhält.

Flick selbst machte bislang keinen Hehl daraus, dass er gerne über den Sommer hinaus bleiben würde. "Ich bin zufrieden, wie es ist", erklärte er auf SPORT1-Nachfrage: "Ich mache mir keine Gedanken darüber, was nächstes Jahr passiert."

Auf Hainers Aussage angesprochen, antworte Flick: "Ich habe es nicht gelesen, aber ich freue mich, dass er mich positiv sieht. Alles andere ist jetzt hinten angestellt. Ich bin vollkommen unabhängig. Ich merke, dass mir es Gelassenheit gibt, dass ich Trainer von Bayern München bin."

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Er habe "ein Team um mich herum, in dem ich Vertrauen und Wertschätzung spüre."

Eine Rückkehr ins zweite Glied als Co-Trainer kann er sich hingegen nicht mehr vorstellen und schloss er auch unlängst bereits kategorisch aus.

Heißt für Flick: Der FC Bayern hält alle Zügel in der Hand, er selbst muss mit seiner Mannschaft in der Rückrunde weiter gut und überzeugend performen, will er seinen Traum vom Bayern-Trainer auch weiter leben. Und auch die Mannschaft bekommt das klare Signal: Wollen wir weiter mit Flick arbeiten, müssen wir liefern.

Bayern-Verantwortliche halten sich Optionen offen

Hinzu kommt, dass die Münchner sich mit ihrem Plan, erst nach der Saison über die Trainer-Frage zu entscheiden, alle Optionen offen halten.

Immer wieder machten in der jüngeren Vergangenheit Namen wie Thomas Tuchel oder Julian Nagelsmann an der Säbener Straße die Runde. Sollte einer der beiden bis zum Sommer auf den Markt kommen, könnten die Bayern zuschlagen.

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"Ich weiß, dass auf dem Markt viel los ist, das interessiert mich aber nicht", sagte Flick: "Mir macht es so viel Spaß, für den Verein und mit dieser tollen Truppe zu arbeiten."

Insbesondere Tuchel wird sich bei Paris Saint-Germain am Abschneiden in der Champions League messen lassen müssen. Ein frühes Ausscheiden im Achtelfinale gegen seinen Ex-Klub Borussia Dortmund dürfte für Präsident Nasser Al-Khelaifi bereits zu wenig sein, hinzu kommen immer wieder kleine Streitigkeiten mit den Superstars Neymar und Kylian Mbappé.

Offene Trainerposition könnte Neuzugänge abschrecken

Doch es gibt auch Aspekte, die gegen das Vorgehen der Bayern-Verantwortlichen sprechen. So lange nicht klar ist, wer in der neuen Saison auf der Trainerbank sitzt, könnte sich beispielsweise die Kaderplanung schwierig gestalten.

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Denn für viele Spieler spielt gerade die Besetzung des Trainers eine wichtige Rolle. In den Verhandlungen mit potenziellen Neuzugängen könnte diese Unklarheit folglich für Probleme sorgen.

Was will man potenziellen Neuzugängen wie den immer wieder gehandelten Leroy Sané oder Kai Havertz also sagen? Den Spielern würde schlichtweg die Gewissheit fehlen, ob der neue Trainer überhaupt mit ihnen plant, schließlich hat jeder Trainer sein eigenes, individuelles Anforderungsprofil an seine Profis.

Gefahr des Eindrucks einer 1B-Lösung

Je länger die Verantwortlichen des FC Bayern mit einer Entscheidung abwarten, umso mehr entsteht obendrein der Eindruck einer 1B-Lösung.

Wohin das führte, zeigte zuletzt der Fall von Niko Kovac. Bevor der inzwischen wieder entlassene 48-Jährige 2018 als Trainer des FC Bayer vorgestellt wurde, kursierten zuvor auch Gerüchte um Tuchel, Nagelsmann, Ralph Hasenhüttl oder Mauricio Pochettino.

So wurde Kovac von vielen von Anfang an als reine Notlösung betrachtet und kritisch beäugt. Der zwischenzeitlich bereits mehrfach angezählte Kroate war folglich zu keiner Zeit ein starker Trainer, selbst nach dem gewonnenen Double bekam er von Bayern-Seite kaum Zuspruch oder gar Rückendeckung. Nach zehn Spieltagen in dieser Saison war sein Aus in der bayrischen Landeshauptstadt schließlich endgültig besiegelt.

Im Gespräch mit SPORT1 machte Hainer Flick zuletzt aber durchaus Hoffnung auf eine Weiterbeschäftigung. "Ich finde, dass Hansi Flick wirklich eine hervorragende Arbeit macht. Es ist ja nicht nur, dass wir gewinnen, sondern auch die Art und Weise, wie wir gewinnen. Vieles ist Hansi Flick zuzuschreiben."

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