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München - Alle Fakten sprechen gegen eine Überraschung des SC Paderborn in München. Doch als Teambuilding-Maßnahme sollte der SCP das Spiel nicht sehen. Gastkolumne von Daniel Herzog.

Erster gegen Letzter. Spitzenreiter gegen Schlusslicht. David gegen Goliath. Oder einfach: Bayern gegen Paderborn. Es ist klar, wer am Freitagabend in der Allianz Arena als Favorit ins Spiel gehen wird.

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97 Duelle zwischen Tabellenersten und -letzten gab es in der Bundesliga-Geschichte. Nur 15 davon konnte das jeweilige Team am Ende der Tabelle für sich entscheiden.

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Das letzte Mal, dass die Bayern als Tabellenführer gegen die Mannschaft mit der Roten Laterne verloren haben, datiert vom 15. März 2008. Ein 0:2 bei Energie Cottbus. Christian Lell war Rechtsverteidiger und Marcell Jansen wurde zur Pause für Philipp Lahm eingewechselt. Es ist also wirklich schon sehr lange her.

Aber nicht nur die Statistik dürfte den Ostwestfalen wenig Hoffnung machen, auch die aktuelle Form des Rekordmeisters ist angsteinflößend. In Köln fabrizierte der FCB-Express die schnellste 3:0-Auswärtsführung seiner Bundesliga-Historie, seit der Winterpause holten die Münchner 13 Punkte aus fünf Partien. Das 0:0 im Spitzenspiel gegen RB Leipzig war die einzige Partie, in der die Bayern nicht mindestens dreimal ins Schwarze getroffen haben.

Nach wie vor tanzen sie auf allen drei Hochzeiten und scheinen bestens gerüstet für die entscheidenden Wochen in Bundesliga, Champions League und DFB-Pokal.

Thomas Müller in Top-Form

Und dann wäre da ja auch noch Thomas Müller: Der Ur-Bayer blüht unter Hansi Flick wieder auf und hat den Spaß am Fußball zurückgewonnen, der unter Vorgänger Niko Kovac so häufig auf der Strecke geblieben war. Diese Spielfreude führt sogar so weit, dass Müller jetzt der erste Spieler seit detaillierter Datenerfassung ist, der schon am 22. Spieltag 14 Torvorlagen auf dem Konto hat. Dazu kommen noch fünf selbst erzielte Treffer.

Gar nicht so schlecht für einen, der "wenn Not am Mann sein sollte, sicher auch seine Minuten bekommen wird". Thomas Müller ist also wieder wichtig für die Bayern und steht sinnbildlich für all das Positive, was es derzeit über den Tabellenführer der Bundesliga zu berichten gibt.

Wie also soll das Schlusslicht der Liga da mithalten? Ganze 30 Punkte trennen Paderborn von den Münchnern, gerade mal neun Pünktchen hat der SCP in dieser Saison auf fremden Plätzen mitgenommen und insgesamt auch nur 27 Mal ein geschossenes Tor bejubeln dürfen. Da verwundert es nicht, dass seit der Winterpause in fünf Spielen bisher auch nur vier weitere Punkte auf das ohnehin schon dünne Konto des Aufsteigers gewandert sind.

Hoffnung gibt's vor dem Spiel in München (Bundesliga: FC Bayern - SC Paderborn ab 20.30 Uhr im LIVETICKER) nicht mal vom sonst eigentlich immer optimistischen Trainer Steffen Baumgart, der sich mit dem "blauen Auge" fast schon abgefunden zu haben scheint. Und dabei gibt es durchaus ein paar Punkte, die den Letzten aufhorchen lassen sollten - und die liefert ausgerechnet die scheinbare Übermacht aus dem Süden selbst.

Kann Paderborn Nachlässigkeit von Bayern bestrafen?

"Zum Zunge schnalzen" empfand Thomas Müller die erste Hälfte am vergangenen Sonntag gegen den 1. FC Köln. Die zweiten 45 Minuten lieferten beim Liga-Primus derweil eher Grund für die eine oder andere Sorgenfalte. Natürlich ist es "menschlich", einen Gang zurückzuschalten, wenn man ein Spiel dermaßen dominiert wie die Bayern in Köln.

Problematisch wird es allerdings, wenn der Gegner in den letzten 20 Minuten dann zu einer solchen Vielzahl an teils sehr guten Torchancen kommt, dass sich Manuel Neuer eher wie beim Torschusstraining fühlen muss. Diese Gefahr besteht natürlich auch gegen Paderborn, das zum Beispiel beim 3:3 in der Hinrunde in Dortmund gezeigt hat, dass es durchaus gefährlich vor dem Tor sein kann, wenn es dazu eingeladen wird. Vor allem die Geschwindigkeit von Spielern wie Streli Mamba oder Kai Pröger kann jedem Gegner Probleme bereiten.

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Die Probleme der Bayern in Köln kamen vor allem durch das Abwehr-Experiment mit Lucas Hernández und David Alaba in der Innenverteidigung zustande. Ein Test für das kommende Woche anstehende Champions-League-Achtelfinale gegen Chelsea, der ordentlich in die Hose gegangen ist.

Da am Freitag gegen Paderborn nun aber Jérôme Boateng sowie Benjamin Pavard mit der jeweils fünften Gelben Karte gesperrt sind, wird Hansi Flick seine Defensive erneut umbauen müssen und kann eben nicht seine Wunsch-Abwehr für die Königsklasse einspielen lassen. Diese leicht chaotischen Zustände in Bayerns Hintermannschaft sollte Paderborn ausnutzen, wenn es mit mehr als dem vorher angesprochenen blauen Auge aus München heimkehren möchte.

Zukunft von Flick offen

Apropos Hansi Flick: Der wartet weiter auf ein klares Bekenntnis seines aktuellen Arbeitgebers. Die Bayern wollen sich aber noch Zeit lassen mit einer Vertragsverlängerung. Wie aus dem FCB-Vorstand zu vernehmen ist, wollen sich die Verantwortlichen damit erst im Mai beschäftigen. Ein Zustand, der dem im November zum Chef beförderten Coach so gar nicht schmeckt und hinter den Kulissen für einiges an Unruhe sorgen dürfte.

Man sieht also: Auch wenn die klaren Fakten sowie die Tabellensituation eindeutig für den FC Bayern sprechen, gibt es dennoch Gründe, warum der SCP die Fahrt nach München nicht nur als Teambuilding-Maßnahme verstehen sollte.

Ja, es müsste schon sehr viel zusammenkommen, damit Paderborn im 98. Versuch das 16. Schlusslicht ist, das einen Spitzenreiter in die Knie zwingt. Aber unmöglich ist es nicht.

Am Freitag kommentiert Daniel Herzog das Bundesliga-Spiel zwischen dem FC Bayern und dem SC Paderborn live auf DAZN. Herzog ist eines der Gesichter bei DAZN, das mit dem Erwerb der Bundesliga-Live-Rechte von Eurosport aufhorchen ließ. Neben der Bundesliga überträgt DAZN unter anderem die Champions League.

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