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Hertha BSC: Jürgen Klinsmann tritt als Trainer zurück

Klinsmann-Aus: Hertha im "Chaos"

Lesedauer: 3 Minuten

Jürgen Klinsmann beendet nach nur zehn Wochen seine Trainertätigkeit bei Hertha BSC. Der Europameister von 1996 begründet seine Entscheidung mit fehlender Rückendeckung.

Hammer in Berlin: Jürgen Klinsmann beendet nach nur 76 Tagen seine Trainertätigkeit bei Hertha BSC. 

Nach "langer Überlegung" sei der 55-Jährige zu der Überzeugung gekommen, von seinem Amt beim Bundesligisten zurückzutreten. Dies verkündete er auf seinem Facebook-Account. 

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Völlig überraschend zieht sich Jürgen Klinsmann nach nur zehn Wochen als Cheftrainer von Hertha BSC zurück. Fortan will der 55-Jährige wieder seiner eigentlichen Verpflichtung nachgehen - der Arbeit als Aufsichtsratsmitglied im "neureichen" Klub © Getty Images
Der ehemalige Bundestrainer hatte die Hertha erst im November 2019 - ebenfalls überraschend - von Ante Covic übernommen, nachdem dieser der Aufgabe nicht gewachsen schien. Er sollte den Klub mit finanzieller Unterstützung in neue Sphären führen © Getty Images
Mit Klinsmann sollte es besser werden - und es wurde punktetechnisch durchaus besser. Seine Bilanz ist mit drei Siegen, drei Unentschieden und vier Niederlagen in zehn Spielen ziemlich ausgeglichen. Mit seiner Trainertätigkeit ist nun aber vorerst Schluss © Getty Images
Weltmeister-Stürmer, Sommermärchen-Bundestrainer, dafür beim FC Bayern in eher unliebsamer Erinnerung: SPORT1 zeigt die Karriere von Jürgen Klinsmann in Bildern © SPORT1-Montage: Getty Images/Imago
Nach einer Ausbildung im elterlichen Bäckereibetrieb beginnt "Klinsi" seine Karriere als Profi bei den Stuttgarter Kickers. Dann wechselt er zum VfB, wo er sich als Torjäger hervortut. Sein Fallrückzieher gegen die Bayern wird 1987 zum Tor des Jahres gewählt © imago
Viva Italia - Von 1989 bis 1992 spielt der gelernte Bäcker bei Inter Mailand... © Getty Images
...und gewinnt 1991 zusammen mit Andreas Brehme den UEFA-Cup gegen den AS Rom © Getty Images
Vom AS Monaco wechselt Klinsi 1994 zu Tottenham Hotspur und wird 1995 Englands Fußballer des Jahres © Getty Images
1995 kommt er dann zu den Bayern... © Getty Images
...und holt 1996 durch ein 3:1 gegen Girondins Bordeaux den UEFA-Cup © Getty Images
Ein Jahr später wird er unter Giovanni Trapattoni Deutscher Meister © Getty Images
Unvergessen bleibt wohl seine Auswechslung 1997 im Spiel gegen den SC Freiburg... © imago
...und sein folgenreicher Tritt gegen eine Werbetonne - die heute als Museumsstück in der Erlebniswelt des FC Bayern zu besichtigen ist © imago
Über die Ähnlichkeit lässt sich streiten: Klinsmann im Nationaltrikot (über das sich ebenso streiten lässt), in dem er ebenfalls große Erfolge feierte © Getty Images
Er wurde 1990 in Italien Weltmeister... © Getty Images
...und 1996 in England als Kapitän Europameister. Und das, obwohl das Turnier nach einer Verletzung in der Vorrunde für ihn schon so gut wie beendet war © Getty Images
Der Kleine und der Große: Klinsmann trägt "Icke" Häßler © Getty Images
1999 ist dann Schluss: Klinsmann gibt sein Abschiedsspiel in Stuttgart... © Getty Images
...und verdrückt dabei so manche Träne © Getty Images
Der Grundstein für die Karriere nach der Karriere ist gelegt: Ausbilder Gero Bisanz verhilft Matthias Sammer und Jürgen Klinsmann zur Trainerlizenz © Getty Images
Nach der enttäuschenden EM 2004 übernimmt Klinsmann von Rudi Völler das Amt des Bundestrainers, soll das kriselnde deutsche Team fit machen für die Heim-WM 2006 © Getty Images
Klinsmanns selbstbewusste Zielsetzung: "Ich will Weltmeister werden" © Getty Images
Zusammen mit seinem Co-Trainer Jogi Löw gibt er am 18. August 2004 in Wien sein Bundestrainer-Debüt gegen Österreich. Der Einstand glückt: Deutschland gewinnt 3:1 © Getty Images
Nach spektakulären Spielen beim Confed Cup 2005 setzt Klinsmanns Team 2006 einiges obendrauf: Im Berliner Olympiastadion schlägt Deutschland bei der Heim-WM Ecuador im letzten Vorrundenspiel mit 3:0 und macht den Gruppensieg perfekt © Getty Images
Die Euphoriewelle trägt Deutschland bis zu einem Viertelfinal-Sieg gegen Argentinien, ehe dann eine Runde später gegen Italien das Aus kommt © Getty Images
Nach der WM ist Schluss. Klinsmann, Held des "Sommermärchens", will seinen Vertrag beim DFB nicht verlängern. Allen Bitten zum Trotz © Getty Images
Anfang 2008 dann der Überraschungscoup: Der FC Bayern stellt Klinsmann als Nachfolger von Ottmar Hitzfeld vor © Getty Images
Klinsmann tritt im Sommer seinen Dienst an und hat große Pläne. Er will jeden Spieler, "jeden Tag besser" machen © Getty Images
Bei der Umsetzung hapert es aber: In der Liga läuft es über weite Strecken gar nicht rund. © Getty Images
Der Tiefpunkt: Ein Debakel im Champions-League-Viertelfinale gegen Barcelona. Mit 0:4 und 1:1 scheiden die Münchner sang- und klanglos aus © Getty Images
Auch in der Liga stolpert das Team weiter. Nach einem 0:1 gegen Schalke am 29. Spieltag muss Klinsmann gehen, weil Präsident Uli Hoeneß die Champions-League-Qualifikation in Gefahr sieht. Jupp Heynckes beerbt ihn © Getty Images
Biis heute legendär: Die sagenumwobenen Buddhas am Trainingsgelände! Mit denen hat Klinsmann nach eigener Aussage zwar nichts zu tun, dennoch werden sie zum Sinnbild des Scheiterns © Getty Images
Neuer Job in der Wahlheimat: Klinsmann wird 2011 zum Nationaltrainer in den USA © Getty Images
2013 gelingt ihm in dieser Rolle, was ihm mit dem DFB-Team und Bayern nicht gelingen sollte: ein Titel. Mit einem Finalsieg über Panama holen die USA den Gold Cup © Getty Images
Wiedersehen alter Weggefährten in Brasilien: Klinsmanns USA sind bei der WM 2014 Vorrundengegner der nun von Jogi Löw trainierten DFB-Mannschaft. Bei regnerischem Wetter siegt Deutschland 1:0, die USA scheiden dann im Achtelfinale gegen Belgien aus © Getty Images
2016 muss Klinsmann gehen, als ihm die Qualifikation für die WM 2018 entgleitet © Getty Images
Beschäftigungslos ist Klinsmann auch heute nicht: Seit 2001 ist er Vizepräsident der Agentur Soccer Solutions, war schon TV-Experte bei der "BBC" - und war als ebensolcher bislang auch bei "RTL" tätig © Getty Images
Anfang September 2019 teilte Klinsmann dem VfB Stuttgart eine Abfuhr, "in der jetzigen Führungs-Konstellation des Vereins für weitere Gespräche für das Amt des Vorstandsvorsitzenden und auch für ein anderes Amt beim VfB nicht zur Verfügung" zu stehen © Getty Images
Zur Überraschung vieler erhält Klinsmann Anfang November 2019 einen Posten bei Hertha BSC. Im Zuge eines erneuten Anteilserwerbs von Investor Lars Windhorst erhält der Ex-Bundestrainer einen Sitz im Aufsichtsrat der Berliner © Getty Images
Windhorst und Klinsmann sollen sich gut verstehen, zudem ist der ehemalige Stürmer Mitglied bei der Hertha. Klinsmanns Vater war großer Fan der Alten Dame. Eine weitere Verbindung: Klinsmanns Sohn Jonathan spielte von 2017 von 2019 für die Berliner © Imago
Am 27. November 2019 dann der Paukenschlag: Klinsmann übernimmt bis zum Saisonende den Trainerposten bei Hertha BSC und löst Ante Covic ab © Getty Images
Doch es soll nur ein kurzes Intermezzo sein. Mit großen Vorschusslorbeeren und beinahe übermütigen Visionen angetreten, zieht sich Klinsmann nun wieder in den Aufsichtsrat zurück. Grund für den Rückzug: fehlendes Vertrauen in seine Arbeit © Getty Images

Der Coach begründete seine Entscheidung mit fehlender Rückendeckung. "Als Cheftrainer benötige ich allerdings für diese Aufgabe, die noch nicht erledigt ist, auch das Vertrauen der handelnden Personen. Gerade im Abstiegskampf sind Einheit, Zusammenhalt und Konzentration auf das Wesentliche die wichtigsten Elemente. Sind die nicht garantiert, kann ich mein Potenzial als Trainer nicht ausschöpfen und kann meiner Verantwortung somit auch nicht gerecht werden", schrieb Klinsmann.

"Deshalb bin ich nach langer Überlegung zum Schluss gekommen, mein Amt als Cheftrainer der Hertha zur Verfügung zu stellen und mich wieder auf meine ursprüngliche langfristig angelegte Aufgabe als Aufsichtsratsmitglied zurückzuziehen."

Preetz: "Es gab keinerlei Anzeichen"

Der Verein wurde von Klinsmanns Entschluss offenbar kalt erwischt. "Wir sind von dieser Entwicklung am Morgen überrascht worden", sagte Sportgeschäftsführer Michael Preetz. "Insbesondere nach der vertrauensvollen Zusammenarbeit hinsichtlich der Personalentscheidungen in der für Hertha BSC intensiven Wintertransferperiode gab es dafür keinerlei Anzeichen. Über die weiteren Entwicklungen werden wir zu gegebener Zeit informieren."

Investor Lars Windhorst war von Klinsmann offenbar deutlich früher ins Bild gesetzt worden: "Ich habe gestern von der Entscheidung erfahren", zitierte die Bild Herthas Geldgeber. "Ich bedauere diesen Schritt von Jürgen Klinsmann sehr.“

Erst am Montag hatte sich der ehemalige Bundestrainer beim vom Club organisierten Facebook Livechat mit Berliner Fans noch entspannt gegeben.

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"Am Dienstag kommen die Jungs frisch zurück aufs Gelände, und dann legen wir den vollen Fokus auf den SC Paderborn", sagte Klinsmann da. "Die nächsten Spiele werden nicht einfach, aber wir sind insgesamt auf dem richtigen Weg und guter Dinge, dass wir noch mehr Punkte einfahren werden. Wir stehen sechs Zähler vor dem Relegationsplatz und wollen uns Woche für Woche mehr Luft nach unten verschaffen."

Das muss nun ohne den Welt- und Europameister in vorderster Linie geschehen. Am Dienstagvormittag leiteten Nouri und Markus Feldhoff gemeinsam mit Fitnesscoach Werner Leuthard das Training der Profis. Der Klub bestätigte in der Folge diese Interimslösung.

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Grujic und Co. waren überrascht

Der Rücktritt hat auch die Mannschaft unvorbereitet getroffen. "Wir waren alle verwundert", sagte Mittelfeldspieler Marko Grujic nach dem Training am Dienstag.

Nach zwei trainingsfreien Tagen waren die Spieler am Dienstagmorgen laut Grujic in den Besprechungsraum gebeten worden. Man sei davon ausgegangen, die Niederlage gegen den FSV Mainz 05 (1:3) zu analysieren. Stattdessen informierte Klinsmann das Team über den überraschenden Schritt. 

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"Er sagte, dass er nicht länger der Trainer sein wird", berichtete der Serbe. Zu den Hintergründen nahm Klinsmann demnach nicht Stellung: "Er sagte, dass es für ihn eine tolle Aufgabe war und dass er diese Entscheidung treffen musste." Außenstürmer Javairo Dilrosun erklärte der Bild, jetzt herrsche "Chaos im Klub".

Klinsmann mit mäßiger Bilanz

Klinsmann hatte das Amt erst Ende November von Ante Covic übernommen, nachdem dieser mit dem Klub in den Tabellenkeller gerutscht war. In neun Bundesliga-Spielen holte er zwölf Zähler. Im DFB-Pokal unterlagen die Berliner im Achtelfinale in der vergangenen Woche bei Schalke 04 mit 2:3 nach Verlängerung.