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München - Leipzig startete als Herbstmeister in die Rückrunde. Doch nach schwachen Spielen steht Leipzig vor dem Spitzenspiel bei den Bayern unter Druck. Das Tief hat Gründe.

Die Hinrunde schloss RB Leipzig noch als Tabellenführer ab. Doch nach mehreren schwachen Auftritten zuletzt kriselt es nun bei den Sachsen, die zu allem Überfluss auch noch am Sonntag bei Bayern München antreten. (Bundesliga: FC Bayern München - RB Leipzig, Sonntag ab 18.00 Uhr im SPORT1-Liveticker)

Was sind die Hauptgründe für die aktuelle sportliche Misere bei RB Leipzig?

Fehlen von Orban und Konaté schadet Leipzig

Zunächst ist da die Personalsituation: Leipzig fehlt seit geraumer Zeit das Innenverteidigerduo Willy Orban und Ibrahima Konaté. Und das wird sich auch so schnell nicht ändern, denn beide sind langfristig verletzt.

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Deshalb muss Cheftrainer Julian Nagelsmann regelmäßig auf eine Notlösung zurückgreifen, indem er Lukas Klostermann in die Innenverteidigung stellt. Der Abgang von Defensivallrounder Stefan Ilsanker hat ein zusätzliches Loch in den Kader gerissen.

Zum Ende der Hinrunde kam der Österreicher mehrmals in der Abwehr zum Einsatz.

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Demme-Abgang schmerzt

Einen eigentlich unumstrittenen Stammspieler verloren die Leipziger zudem beim Abgang von Diego Demme. Der 28-Jährige war ein wichtiger Anker im zentralen Mittelfeld.

Auch wenn seine spielerischen Mittel limitiert schienen, konnte er mit seiner Präsenz das Gegenpressing und die defensive Absicherung von Leipzig enorm stärken. Genau das fehlt momentan.

Defensive Anfälligkeit aus mehreren Gründen

Denn Leipzig zeigt sich vor allem in der Defensive immer wieder anfällig. Dafür gibt es mehrerlei Gründe: Zum einen laufen sie Gefahr, bei intensivem Pressing des Gegners Fehlpässe bereits in der eigenen Hälfte und damit Gegentore zu verursachen.

Borussia Mönchengladbach hat das zuletzt in der grandiosen ersten Halbzeit in Leipzig eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Die Fohlen liefen mit vier Spielern die Viererkette der Sachsen an, die dann mehrfach überhastet nach vorn spielte.

Im Mittelfeld schnappte die Pressingfalle zu und führte zur Gladbacher Balleroberung. Klostermanns Abspielfehler vorm 2:0 durch Jonas Hofmann war nur ein Beispiel von mehreren.

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Neue Abwehr-Strategie unter Nagelsmann

Zum anderen verteidigt Leipzig nicht immer intensiv genug im Mittelfeld. Unter Nagelsmann hat sich das Team gewandelt und sich nicht mehr dem aggressiven Pressing verschrieben.

Die Leipziger laufen nicht immer früh an, sondern versuchen stattdessen den Gegner durch gekonntes Verschieben davon abzuhalten, entscheidende Raumgewinne zu verbuchen. Ist aber die erste beziehungsweise zweite Verteidigungslinie der Leipziger überspielt, so fällt es ihnen sehr schwer noch in Zweikampfsituationen zu kommen.

Der erwähnte Demme war einer, der wie ein Kettenhund am gegnerischen Spielmacher hängen konnte. Anderen liegt diese Art der Verteidigung nicht so gut.

Nagelsmann muss Korrekturen vornehmen

Kritik an Cheftrainer Nagelsmann selbst blieb bisher aus. Seiner Mannschaft wird zuweilen eine mangelnde Einstellung vorgeworfen, während er selbst weiterhin einen hervorragenden Ruf genießt. Und dafür gibt es gewiss gute Gründe.

Nagelsmann ist allseits talentiert und gerade taktisch versiert. Allerdings liegt auch er nicht immer richtig und muss während der Partien oftmals Korrekturen vornehmen. Dieses Phänomen zieht sich schon die gesamte Saison hindurch.

Anders als einige seiner Trainerkollegen weiß er jedoch auf die meisten Probleme eine Antwort und kann taktisch umstellen. Im Gegensatz zu Gladbachs Marco Rose etwa wartet Nagelsmann aber oftmals die erste Halbzeit ab und passt taktisch und/oder personell erst während der Kabinenpause an. Eventuell wird er künftig noch schneller von der Seitenlinie aus eingreifen oder eingreifen müssen.

Werner und Co. variabel genug für viele Systeme

Zu Nagelsmanns Vorteil hat er gerade in Mittelfeld und Angriff derart viele taktisch variable Spieler, dass er sich nahezu jedes System zurechtzimmern kann.

Er hat unter anderem schnelle Angreifer wie Timo Werner und Dani Olmo, physische Stürmer wie Patrik Schick und Yussuf Poulsen und Offensivallrounder wie Marcel Sabitzer, Christopher Nkunku und Amadou Haidara.

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Nagelsmanns Vorstellungskraft dürften bei der Auswahl der Spielsysteme und Formationen keine Grenzen gesetzt sein. Deshalb ist der Leipziger Cheftrainer auch in den nächsten Wochen mehr denn je als Taktiker gefragt.

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