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München - Timo Werner träumt öffentlich vom FC Liverpool. Ähnliche Aussagen tätigt er 2018 auch über den FC Bayern, ohne Erfolg. Erinnerungen werden wach.

Erst die Arbeit, danach die Träumerei.

So oder so ähnlich lassen sich die jüngsten Aussagen von Timo Werner zu seiner Zukunft deuten. Der Stürmer von RB Leipzig, der mit seinem Tor vom Elfmeterpunkt den 1:0-Sieg seines Teams im Achtelfinalhinspiel der Champions League bei den Tottenham Hotspur herausschoss, äußerte sich nach der Partie ungewohnt offen zu seinen Zukunftsgedanken.

"Die Gerüchte in letzter Zeit vernimmt man, aber in solchen Spielen vergisst man das schnell", erklärte Werner bei Sky und verwunderte mit folgender Ergänzung: "Danach kann man sich wieder damit beschäftigen."

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Der derzeit beste deutsche Stürmer denkt darüber nach, im Sommer den nächsten Schritt zu machen - den Wechsel zu einem Topklub. Heißester Kandidat soll nach Medienberichten der FC Liverpool sein, die Sport Bild berichtete von einem Interesse des Teams von Jürgen Klopp an dessen Landsmann.

Werner schwärmt: "Liverpool das beste Team der Welt"

Erst im vergangenen Sommer hatte Werner seinen Vertrag bei den Sachsen bis zum Jahr 2023 verlängert, dieser enthält nach SPORT1-Informationen allerdings eine Ausstiegsklausel in Höhe von 30 Millionen Euro plus Garantie über erfolgsabhängige Boni.

Diese könnten die Reds im Sommer ziehen, um den 23-Jährigen vergleichsweise preiswert auf die Insel zu locken. Und Werner selbst scheint nicht abgeneigt zu sein. "Liverpool ist im Moment das beste Team der Welt. Wenn man damit in Verbindung gebracht wird, macht mich das sehr stolz. Das ist toll, aber ich weiß, dass in Liverpool viele gute Spieler spielen und ich mich verbessern muss. Ich muss noch viel lernen, um auf dieses Level zu kommen und dort zu spielen", erklärte er dem norwegischen TV-Sender Viasport.

In den sozialen Netzwerken hatten viele Fans der Reds Werners Leistung gegen den Rivalen Tottenham gelobt. Darauf angesprochen erklärte er bei Sky: "Im Fußball geht es so schnell. Am Wochenende muss man es dann wieder zeigen, dass dann auch Liverpool-Fans schreiben: 'Super Spiel von mir.'"

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Auffällig an den Aussagen ist, dass Werner selbst mehrfach bewusst den Namen Liverpool in den Mund nahm. In der Vergangenheit vermied es der Leipzig-Stürmer, direkten Bezug auf Wechselgerüchte zu konkreten Vereinen zu nehmen - mit einer Ausnahme.

Parallelen zu Bayern-Aussagen

Im Dezember 2018 fiel Werner mit ähnlichen Aussagen auf. Nach der 0:1-Niederlage seines Teams in der Bundesliga beim FC Bayern München äußerte er sich bei Sky so: "Wenn man in Deutschland bei RB Leipzig spielt und in Deutschland bleiben will, dann gibt es nur einen Verein, zu dem man wechseln kann." Auf Nachfrage, ob dies die Bayern seien, ergänzte Werner: "Ja, das wäre eine Schlussfolgerung."

Zum Vergleich: Die Aussagen Werners zu einem Bayern-Wechsel waren schon ein Stück konkreter als seine Liverpool-Aussagen vom Mittwochabend. Dennoch gibt es Parallelen.

Denn im Dezember 2018 befand sich Werner in einer ähnlichen Situation wie jetzt. Mit zehn Treffern in 15 Bundesliga-Spielen spielte Werner bis zum Bayern-Spiel eine sehr gute Hinrunde. Nach diesen Aussagen fiel der DFB-Stürmer in ein Leistungsloch, erst im Schlussspurt der Saison fand er seine Treffsicherheit wieder. Zudem verlor er zwischenzeitlich seinen Stammplatz in der Nationalelf.

Der Leistungseinbruch dürfte auch ein Grund dafür gewesen sein, dass das Interesse des Rekordmeisters an Werner erkaltet ist. Die Bayern sahen von einer Verpflichtung im Sommer ab, wollten stattdessen lieber Leroy Sané verpflichten. Dieser Deal scheiterte aber aufgrund der schweren Knieverletzung des Flügelspielers von Manchester City.

Zudem erklärte Sportdirektor Hasan Salihamidzic vor wenigen Wochen, es habe Zweifel gegeben, ob Werner ins taktische System des Rekordmeisters passe.

Werner zuletzt mit Ladehemmung

Auch in dieser Saison startete Werner stark, legte vor allem zum Hinrundenende mächtig zu und steht nach 22 Spielen bei überragenden 20 Toren, nur Bayerns Robert Lewandowski hat noch drei Treffer mehr.

Aktuell hat seine Torgefahr allerdings etwas nachgelassen, sein Treffer gegen die Spurs war der erste nach vier torlosen Bundesliga-Spielen am Stück.

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Zuletzt knöpfte sich Leipzig-Trainer Julian Nagelsmann sein Team vor und hinterfragte die Einstellung seiner Profis. "Wir sind vielleicht kurz vor dem Gipfel. Und die Frage ist halt, die wir uns stellen müssen: Wollen wir ans Gipfelkreuz oder wollen wir da parken und ein bisschen was essen, ein bisschen was trinken und dann wieder runtergehen?", kritisierte er nach der 0:2-Niederlage bei Eintracht Frankfurt vor einigen Wochen bei Sky.

Hintergrund war unter anderem ein Friseur, den die RB-Profis vor dem Spiel ins Teamhotel hatten einfliegen lassen. Auch die Intensität im Training ließ zu wünschen übrig. Die Leipziger gingen mit vier Punkten Vorsprung auf die Bayern als Tabellenführer in die Winterpause, inzwischen ist der Rekordmeister einen Punkt voraus. Dazu folgte das Aus im DFB-Pokal, ebenfalls in Frankfurt.

Die Spieler der Sachsen waren in den vergangenen Wochen nicht hundertprozentig fokussiert. Auch Werner selbst ist mit den Gedanken nicht nur in Leipzig, das belegen seine Aussagen.

Zu verübeln ist es ihm kaum, schließlich steht für ihn die vielleicht wichtigste Entscheidung seiner Karriere an.

Dennoch sollte Werner bei aller Träumerei die Gegenwart nicht vergessen. Sonst droht ihm womöglich ein ähnliches Szenario wie im vergangenen Jahr.

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