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Wenn die Bundesliga nach Corona wieder loslegen darf, gelten andere Rahmenbedingungen. Das wird Folgen haben, meint SPORT1-Chefkolumnist Tobias Holtkamp.

Hallo Bundesliga-Freunde,

wie wird der Fußball, wenn es weitergeht? Ich glaube: total anders - in jeder Hinsicht. Die Bedeutung der Fans im Stadion zum Beispiel ist jetzt schon extrem gestiegen.

Die treuen Anhänger sollten nirgendwo mehr, weder in Meetings auf den Geschäftsstellen, noch in flüchtigen Spielergesprächen, als lästiges Übel belächelt werden.

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Im Gegenteil: Die Debatte über die Geisterspiele in allen Top-Ligen, die über Monate bevorstehen und keinen begeistern, hat gezeigt, wie wichtig die Zuschauer in den Arenen sind. Eben auch für das am Ende so gut vermarktbare Gesamtprodukt Fußball.

Die Demut darf groß ausfallen

Es gibt nicht mehr nur die 22 Hauptdarsteller auf dem Rasen, es gibt auch 20.000 oder 50.000 oder 80.000 drumherum, auf den Rängen - ohne die das alles keine Freude macht. Die Demut der Branche darf groß ausfallen und sollte von Dauer sein.

Doch auch sportlich wird sich, da würde ich mich festlegen, an den letzten neun Spieltagen der Bundesliga einiges ändern und neu sortieren. Die Begleiterscheinungen, und damit eben auch die Herausforderungen, werden bald andere sein.

Alle aktuellen Meldungen, Entwicklungen und Auswirkungen auf den Sport durch die Covid-19-Krise im Corona-Ticker!

Was kommt, ob mit regionalen Stützpunkt-Spielorten oder in stark komprimierter und turnierähnlicher Spielform, auf jeden Fall aber vor leeren Rängen, hat mit dem bisherigen Saisonverlauf oder eben dem, was Spieler und Verantwortliche kennen, im Grunde nichts mehr zu tun.

Wer schafft es, sich auch ohne das Adrenalin durch maximal aufgeladene Fankurven bis in die Haarspitzen zu motivieren? Wer kann Höchstleistung liefern, wenn sich das Drumherum selbst an den alles entscheidenden Spieltagen viel mehr nach Testspiel in der Vorbereitung anfühlt als nach Finale? Wenn jeder Betreuer-Ruf im Stadion laut zu hören ist?

Sind Teams ohne emotionale Zuschauerbindung im Vorteil?

Oder andersherum: Welcher Mannschaft hilft es vielleicht sogar, ihre taktischen Vorgaben in Ruhe abspielen zu können, ohne von großen Emotionen beeinträchtigt zu werden? Gut möglich, dass Teams einen Vorteil haben, deren Energie nicht so sehr auf die Unterstützung von den Rängen ausgelegt ist.

Es wird sehr spannend zu beobachten, was die neuen Bedingungen und Grundlagen mit den Mannschaften machen, mit ihrer Qualität.

Was noch dazu kommt, ist eine psychologische Komponente: Das Coronavirus wird, wenn der Ball wieder rollt, längst nicht besiegt sein. Es wird viele weitere Infizierte geben, auch im direkten Umfeld, dazu stressige Bilder in den Nachrichten.

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Die Verantwortlichen in den Vereinen werden erkennen müssen, wen die schwierige, weil eben auch ungewohnte Situation in welcher Form beeinträchtigt. Wer den Kopf frei genug hat, um konzentriert Fußball spielen zu können.

Man muss kein Hellseher sein, um zu erkennen: Mit dem, was bisher war, haben die noch ausstehenden 82 Bundesligaspiele dieser Saison nicht mehr viel gemein.

Tobias Holtkamp, der Autor dieses Textes, war in der Chefredaktion von Sport Bild und Chefredakteur von transfermarkt.de. Heute berät er Sportler und Marken in ihrer inhaltlichen und strategischen Ausrichtung. Für SPORT1 schreibt Holtkamp als Chef-Kolumnist die wöchentliche "Bundesliga-Kolumne".

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