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BVB-Boss Hans-Joachim Watzke würde in der Coronakrise auch dem Erzrivalen die Hand reichen. Er verteidigt seine Aussagen bei einem TV-Auftritt und übt Selbstkritik.

In schweren Zeiten können auch die ärgsten Rivalitäten ruhen.

In der vergangenen Woche wurde bekannt, dass der BVB im Verbund mit Bayern München, RB Leipzig und Bayer Leverkusen 20 Millionen Euro in einen Fond einzahlt, der von der Coronakrise ausgelöste Härtefälle in der 1. und 2. Bundesliga finanziell unterstützen soll.

Was aber, wenn der Erzrivale um Gelder aus dem Top bitten würde?

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"Wenn Schalke 04 - und ich glaube nicht, dass das am Ende nötig sein wird - als unser direkter Nachbar auf uns zukommen würde und um Hilfe bittet, dann werden wir immer Mittel und Wege finden, dies zu tun", sagte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke der Bild am Sonntag: "Umgekehrt das sicher genauso. Bei aller Rivalität: Wir sprechen hier über zwei echte Traditionsvereine, die die Liga bereichern."

Watzke verteidigt TV-Auftritt

Zuvor hatte der 60-Jährige seinen umstrittenen Auftritt in der ARD-Sportschau verteidigt, aber auch Selbstkritik geübt.

"Ich habe mir diese Sendung noch einmal genau angesehen und muss sagen, dass jeder Satz, den ich gesagt habe, inhaltlich korrekt war. Ich hätte es allerdings freundlicher und empathischer ausdrücken können. Mea culpa!", sagte der Dortmund-Boss.

Generell stehe er weiter zu dem Gesagten, betonte Watzke ("ich kann auch mal impulsiv werden") nun. Auch innerhalb der Liga habe er Zuspruch für seine Position erfahren. "Wir können nicht unter den Tisch fallen lassen, dass die Bundesliga-Vereine auch Wettbewerber sind und bleiben. Und trotzdem sind wir natürlich solidarisch, wenn jemand unverschuldet in eine Schieflage geraten ist", sagte er.

Watzke hatte sich gegen Solidarität ausgesprochen

Watzke hatte für seine Äußerungen am 15. März viel Kritik einstecken müssen. Angesichts der Aussetzung des Spielbetriebes aufgrund der Corona-Pandemie hatte er erklärt: "Am Ende können nicht die Klubs, die ein bisschen Polster angesetzt haben in den letzten Jahren, die Klubs, die das nicht getan haben, dafür auch noch belohnen."

Ex-Bayern-Präsident Uli Hoeneß hatte im CHECK24 Doppelpass auf SPORT1 am 15. März eine andere Position eingenommen und gesagt: "Der Fußball sollte sich nicht zu wichtig nehmen. Wir müssen Geduld haben. Die Politik macht einen wunderbaren Job. Wir müssen entschleunigen und auf Null fahren, bis die Zahlen runtergehen."

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Als Watzke auf Hoeneß' Äußerungen angesprochen wurde, antwortete er: "Wer voll im Geschäft steht, so wie Karl-Heinz Rummenigge oder ich, der hat natürlich eine andere Wahrnehmung".

Watzke: "Grundidee kam von Karl-Heinz Rummenigge"

Anschließend wurde der BVB-Boss gefragt, ob er sich etwas mehr Hoeneß-Empathie gewünscht hätte. Watzkes Antwort: "Uli Hoeneß hat in seinem Leben doch auch alle Aggregatzustände durchschritten – von ganz unempathisch bis sehr empathisch. Das sind halt diese Wechselwirkungen. Für mich ist entscheidend, dass ich innerhalb der Liga inhaltlich in ganz hohem Maße Zuspruch für meine Position erfahren haben."

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In der aktuellen Krise fühlt sich Watzke derweil in Ansätzen an das Jahr 2005 erinnert, als Borussia Dortmund finanziell vor dem K.o. stand.

"Das war damals auch eine extrem prekäre Situation, für den BVB sogar noch prekärer als heute. Aber 2005 waren ausschließlich wir betroffen. Jetzt leidet die gesamte Gesellschaft - das ist eine ganz andere Dimension. Zumal niemand weiß, wie sich die Corona-Krise in den nächsten Wochen entwickeln wird", sagte er.

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