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Robert Kampka trainiert aktuell wie alle Bundesliga-Referees den Einsatz des Videobeweises vor dem Monitor
Robert Kampka trainiert aktuell wie alle Bundesliga-Referees den Einsatz des Videobeweises vor dem Monitor © Imago
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Mainz und München - Robert Kampka ist Bundesliga-Schiedsrichter und Truppenarzt bei der Bundeswehr. Bei SPORT1 spricht er über Corona und die Folgen für die Unparteiischen.

Nicht nur die Bundesligaprofis, auch die Schiedsrichter sehnen sich nach einer Rückkehr auf den Platz.

Dabei können wohl wenige so gut beurteilen wie Robert Kampka, wann eine Wiederaufnahme der Spiele in Zeiten der Coronakrise wirklich vertretbar wäre.

Der 38-Jährige, der seit 2016 in der Bundesliga pfeift, ist im Hauptberuf Truppenarzt bei der Bundeswehr und daher ständig mit der aktuellen Notlage konfrontiert.

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"Man muss mit Lockerungen der Maßnahmen vorsichtig sein, um nicht eine Rolle rückwärts zu machen", sagt Kampka im Gespräch mit SPORT1. "Man weiß noch wenig über dieses Virus." Kampka setzt daher darauf, dass die Deutsche Fußball Liga den Termin für den Re-Start in Abstimmung mit den Behörden mit Bedacht wählt.

Schiedsrichter im Training Einzelkämpfer

"Wenn die DFL sagt, wir starten wieder, dann sind wir natürlich dabei", sagt er. "Wenn es nicht verantwortbar wäre, dann würde nicht gespielt werden. Ich glaube schon, dass man sich darauf vernünftig verlassen kann, dass Maßnahmen ergriffen werden, um die Spieler nicht zu gefährden und das Risiko so gering wie möglich zu halten."

Wie den Spielern bleibt auch den Unparteiischen derzeit nur, sich auf den Tag X bestmöglich vorzubereiten.

"Wir haben einen Athletiktrainer, der uns weiterhin Trainingsempfehlungen schickt, zum Beispiel Stabilitäts- oder Koordinationsübungen. Im sportlichen Bereich sind wir eh Einzelkämpfer, das heißt, das Lauftraining findet eher alleine statt", erklärt Kampka.

"Darüber hinaus gibt es ein Videoportal, wo wir ständig mit Situationen gefüttert werden, die wir beurteilen müssen, damit wir bei den Regelauslegungen up to date bleiben und auch die technischen Voraussetzungen auf dem Schirm haben, wann der Videoassistent eingreifen soll und wann nicht."

Referenzszenen als Werkzeugkoffer

Zwar kann das die wirkliche Praxis nur schwerlich ersetzen. Aber es hilft, sein eigenes geistiges Setup aufzurüsten.

"Für jeden Schiedsrichter gibt es eine Art Referenzszene, die du im Kopf hast - zu verschiedenen Szenen: Was ist ein Handspiel, was ist keins, was ist gerade noch in Ordnung?", erläutert Kampka.

"Das ist der Werkzeugkoffer, den man dabei hat. Das läuft ganz, ganz schnell im Kopf ab. Wenn im Spiel die Szene X kommt, kann man sofort im Kopf vergleichen, in welche Sparte die Szene passt und ob sie strafbar ist oder nicht. Das Thema Referenzszenen ist ein ganz wichtiges in der Schiedsrichterei."

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In Sachen Rahmenbedingungen werden auch die Schiedsrichter vorerst auf Erfahrungswerte verzichten müssen. Die absehbaren Geisterspiele seien "Neuland für uns alle. Das kann man nicht trainieren", urteilt Kampka, der in der aktuellen Spielzeit sechs Bundesligaspiele leitete.

"Aber ich glaube, dass man da relativ schnell reinfinden wird. Das ist die Situation, die vorgegeben wird. Dementsprechend muss man sich schnellstmöglich mit dieser Situation auseinandersetzen."

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