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München - Auch nach dem Abgang von Alexander Nübel dürfte Schalke 04 die Torwartposition beschäftigen. Markus Schubert ist beschädigt, zahlreiche Namen sind im Gespräch.

Alexander Nübel, Markus Schubert, Nübel, Schubert und wieder Nübel - das einzig Konstante im Schalker Tor ist in dieser Saison der Wandel.

Trainer David Wagner setzte bei der 0:1-Niederlage gegen Werder Bremen überraschend und wie von SPORT1 im Vorfeld exklusiv berichtet erneut auf einen Torwartwechsel, bis zum Saisonende soll der aus der Paderborner Jugend stammende Nübel (23) nun wieder das Tor hüten.

"Ich habe die große Hoffnung und wünsche mir, dass Alex da weitermacht, wo das Torhüterpaar im Februar aufgehört hat", erklärte Wagner vor der Partie. "In den letzten Spielen konnte Schubi (Schubert, Anm. d. Red.) der Mannschaft leider nicht die Sicherheit geben, die wir uns erhofft hatten. Das ist besonders für ihn eine schwere Situation."

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Der vor der Saison aus Dresden gekommene U21-Nationaltorwart konnte die Hoffnungen, die Wagner in den vorherigen Torwartwechsel setzte, nicht erfüllen. "Das sind Chancen, wo du da sein musst. Gerade als junger Spieler habe ich eigentlich die Möglichkeit, frei aufzuspielen", meinte Markus Babbel im CHECK24 Doppelpass.

Die Unruhe auf der Torwartposition ist ein Grund für die momentane Schalker Krise, sie wirkt sich aber auch direkt auf die kommende Saison aus.

Fährmann kehrt nach Schalke zurück

Dann wechselt Nübel bekanntlich ablösefrei zum FC Bayern und Schalke steht erneut vor einem Torwartproblem. Nach SPORT1-Informationen traut man dem 21 Jahre alten Schubert in der nächsten Saison noch nicht zu, nach seiner Degradierung wieder fest im Schalker Tor zu stehen. Der Youngster wurde vor der Saison nicht mit dem Gedanken aus Dresden geholt, sofort die Nummer eins zu werden, sondern um in Ruhe und im Schatten eines stabilen Stammkeepers zu wachsen.

"Das Torwartproblem ist vor vier Monaten aufgetreten. Jeder war verunsichert und das ist im Fußball mit die wichtigste Position. Jeder hat Fehler gemacht", erklärte Mario Basler im Doppelpass auf SPORT1. "Man hat sich keinen großen Gefallen getan, indem man ständig wechselt. In der neuen Saison wird man sich auf der Position umschauen müssen, man tut dem Jungen (Schubert) ja keinen Gefallen. Die Torhüter sind mehr oder weniger verbrannt."

Den Kaderplatz von Nübel nimmt im Sommer Ralf Fährmann ein, der in dieser Saison zunächst zu Norwich City und dann nach Norwegen (Brann Bergen) verliehen wurde. Der 31-Jährige trainiert seit April wieder bei den Königsblauen mit und hat das grundsätzliche Vertrauen der Schalker Verantwortlichen - nicht umsonst wurde sein Vertrag vor der Leihe nach Norwich bis 2023 verlängert.

Wagner lobte nach Fährmanns Trainingsrückkehr dessen menschliche Qualitäten, der Ex-Kapitän lebt Schalke wie kein Zweiter und ist in der Kabine total anerkannt.

Schalke hat Mark Flekken im Blick

Allerdings gibt es auch Zweifel an seiner Eignung als Nummer eins: In der vergangenen Saison wurde Fährmann von Nübel verdrängt, seit anderthalb Jahren hat er praktisch kein Spiel mehr gemacht (drei Einsätze für Norwich) und fehlte auch lange Zeit verletzt. Da Fährmann auf Schalke Topverdiener mit einem geschätzten Jahresgehalt von fünf Millionen Euro ist, wäre eine Rolle auf der Bank eigentlich nicht zu verantworten.

Schalke sucht deshalb eine potentielle Nummer 1 und hat dabei mehrere Torhüter im Blick.

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SPORT1 weiß: Bereits vor Wochen erkundigte sich S04 lose nach Mark Flekken. Der 26 Jahre alte Niederländer ist die Nummer zwei beim SC Freiburg, will unbedingt in diesem Sommer den nächsten Schritt machen und Stammspieler in der Bundesliga werden.

Steffen im Fokus - Omlin kein Thema

Dies könnte er auch im Breisgau schaffen, wo die Zukunft von Alexander Schwolow offen ist. Flekken (neun Einsätze 2019/20) wurde vor zwei Jahren als Schwolow-Erbe aus Duisburg verpflichtet, könnte aber bei einem guten Angebot gehen. Der bis 2022 gebundene Keeper wäre für drei bis vier Millionen Euro zu haben, aber wohl nur bei einem Schwolow-Verbleib verfügbar. Interessanter Fakt: Berater von Flekken ist Maikel Stevens, Sohn von Schalkes Jahrhunderttrainer Huub Stevens.

Ein weiterer Keeper, nach dem Schalke seine Fühler ausgestreckt hat, ist nach SPORT1-Informationen Zack Steffen. Der US-Amerikaner war vor seiner Verletzung in der Winterpause die Nummer 1 von Fortuna Düsseldorf und wird von der gleichen Beratergruppe wie Weston McKennie vertreten. Nach dem Ende seiner Leihe soll er die Rolle des Ersatztorwarts bei Stammverein Manchester City antreten, Pep Guardiola plant den 25-Jährigen als Nummer zwei hinter Éderson ein. Lockt ein Klub mit einem Stammplatz, wäre Steffen einem Wechsel aber nicht abgeneigt.

Kein Thema ist dagegen der vor einigen Wochen gehandelte Jonas Omlin (26) vom FC Basel, das Interesse am Schweizer ist auch wegen der hohen Ablöseforderung stark abgekühlt.

Wellenreuther wäre im Sommer frei

Auf dem Torhütermarkt, auf dem sich neben Schalke auch Hertha BSC, der FC Augsburg, Düsseldorf, Union Berlin und - bei Aufstieg - der VfB Stuttgart und der Hamburger SV befinden, gibt es noch einige andere interessante Namen.

So verlässt Rafal Gikiewicz Union ablösefrei, der 32-Jährige sucht eine neue Herausforderung. Definitiv kein Thema ist Loris Karius (FC Liverpool), der für Schalke aufgrund seiner Gehaltsvorstellungen finanziell nicht zu stemmen wäre. Julian Pollersbeck, am Sonntag überraschend wieder ins Hamburger Tor zurückgekehrt, würde den HSV gern verlassen, kostet jedoch eine Ablöse. Das Gleiche gilt für Gregor Kobel, der bei Leihklub Stuttgart eine gute Saison spielt und im Sommer wieder zur TSG Hoffenheim zurückkehrt.

Reizvoll wäre sicherlich eine Rückkehr von Timon Wellenreuther. Der 24-Jährige (zehn Spiele für Schalke 2015) spielt aktuell für Willem II in der niederländischen Eredivisie, verlässt den Klub aber im Sommer ablösefrei und gab die Bundesliga als "ernsthafte Option" an. Zwischen Wellenreuther, der Schalke 2017 verlassen hatte, und Schalke gab es allerdings nach SPORT1-Informationen bislang keinerlei Kontakt.

Timon Wellenreuther machte zehn Spiele für Schalke
Timon Wellenreuther machte zehn Spiele für Schalke © Getty Images

Luca Podlech als Mann der Zukunft

Auch in der vielgelobten Knappenschmiede gibt es ein Juwel, das in die Fußstapfen von Manuel Neuer und Nübel treten und eines Tages die Nummer 1 bei den Königsblauen werden könnte: Luca Podlech, 1,90 Meter großer Hüne und hochtalentiert - allerdings auch erst 15 Jahre alt und eher langfristig eine mögliche Lösung des Schalker Torwartproblems.

Für die kommende Saison ist Podlech natürlich kein Thema, die Torwartproblematik dürfte S04 vorerst weiter verfolgen.

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