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Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt war über 40 Jahre Mannschaftsarzt beim FC Bayern
Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt war über 40 Jahre Mannschaftsarzt beim FC Bayern © Getty Images
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München - Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt hört nach über 40 Jahren als Mannschaftsarzt des FC Bayern München auf. Er will sich auf seine Praxis konzentrieren.

Hammer beim FC Bayern München!

Der langjährige Mannschaftsarzt Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt hört als Mannschaftsarzt des Rekordmeisters zum 30. Juni 2020 auf. Das teilte der Verein mit.

Über 40 Jahre beim FC Bayern - mit Unterbrechungen

Mit kurzen Unterbrechungen unter den Cheftrainern Jürgen Klinsmann und Pep Guardiola war Müller-Wohlfahrt, kurz "Mull" genannt, über 40 Jahre beim FC Bayern tätig.

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Der Facharzt für Orthopädie und Sportmedizin begann in der Bundesliga bei Hertha BSC und wechselte 1977 zum FC Bayern.

Überwürfnisse mit Klinsmann und Guardiola

Im November 2008 hatte sich Müller-Wohlfahrt nach Differenzen mit dem damaligen Coach Jürgen Klinsmann freistellen lassen. Nach Klinsmanns Entlassung im darauffolgenden April kehrte der Kult-Doc wieder auf die Bayern-Bank zurück.

Sechs Jahre später kam es auch mit Bayern-Trainer Pep Guardiola zu einem Zerwürfnis gekommen. Im April 2015 erklärte das Team um Müller-Wohlfahrt die Zusammenarbeit mit dem deutschen Rekordmeister für beendet, unter anderem aufgrund eines beschädigten Vertrauensverhältnisses.

Mannschaftsarzt beim DFB-Team

Allerdings glätteten sich die Differenzen auch ein zweites Mal: Nach der Entlassung von Guardiola-Nachfolger Carlo Ancelotti kehrte er - zusammen mit Trainer Jupp Heynckes - im November 2017 zurück.

Neben den 40 Jahren beim FC Bayern war Müller-Wohlfahrt auch über 20 Jahre lang Mannschaftsarzt des DFB-Teams, legte dieses Amt aber bereits im Juli 2018 nieder.

Konzentration auf Privatpraxis

Müller-Wohlfahrt wolle sich nun mehr mehr auf seine Privatpraxis konzentrieren.

Er wird außerdem mit dem Universitätsklinikum Rechts der Isar in einem wissenschaftlichen Projekt unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. Rüdiger von Eisenhart-Rothe, Direktor der Klinik und Poliklinik für Orthopädie und Sportorthopädie zusammenarbeiten. Der Verein bedauert die Entscheidung.

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"Standard in der Sportmedizin gesetzt"

"Mull hat über Jahrzehnte beim FC Bayern hervorragende Arbeit geleistet und damit weltweit einen Standard in der Sportmedizin gesetzt. Alle unsere Erfolge in den vergangenen vierzig Jahren tragen selbstverständlich auch den Namen Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt. Der ganze Verein und Generationen von Spielern - von Franz Beckenbauer und Gerd Müller über Klaus Augenthaler und Bastian Schweinsteiger bis hin zu Thomas Müller und Robert Lewandowski - schulden Mull ihren größten Dank. Wir freuen uns, Mull auch in Zukunft als Freund in unserer Mitte zu begrüßen und wünschen ihm von ganzem Herzen alles Gute für seine Zukunft", hieß es in einem Statement des Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge.

Zusammenarbeit mit Becker und Bolt

Doch nicht nur im Fußballgeschäft hat sich Müller-Wohlfahrt einen Namen gemacht.

Zu seinen Patienten zählten unter anderem auch Sprint-Superstar Usain Bolt, den der Experte für Sportverletzungen vor dessen Teilnahme an den Olympischen Spielen 2012 in London und 2014 in Rio de Janeiro betreute. Die beiden Goldmedaillen über die 100 Meter widmete Bolt, der zu Untersuchungen regelmäßig nach München flog, dem Arzt seines Vertrauens.

Doch auch umgekehrte reiste Müller-Wohlfahrt zu seinen Patienten, wie etwa zu Deutschlands Tennis-Legende Boris Becker, der den Arzt einmal aus dem Karibik-Familienurlaub zu den US Open holte.

Zunächst kein Nachfolger

Einen Nachfolger bei den Bayern für den langjährigen Teamarzt gibt es noch nicht. Die Mannschaft wird zunächst von zwei Ärzten aus Müller-Wohlfahrts Team betreut.

"Wenn ich auf meine vierzig Jahre beim FC Bayern zurückblicke, bin ich glücklich und sehr zufrieden. Die Erlebnisse, die wir hier gemeinsam hatten, die Erfolge, die wir zusammen gefeiert haben und vor allem die Menschen, die ich in diesem Verein kennengelernt habe, haben mein Leben nachhaltig geprägt. Ich wünsche dem FC Bayern für die Zukunft alles erdenklich Gute", wurde der Mediziner auf der Vereinshomepage zitiert.

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