Lesedauer: 5 Minuten
teilenE-MailKommentare

München - Hansi Flick eilt mit dem FC Bayern von Sieg zu Sieg. Der Cheftrainer des FC Bayern erarbeitet sich mit mühevoller Detailarbeit auch fernab des Spielgeschehens Respekt.

Vom "netten Hansi" wurde oft gesprochen, als der FC Bayern im vergangenen Sommer seine Verpflichtung als Assistent von Niko Kovac verkündet hatte. Dem ehemaligen Weltmeister-Assistent eilte schon immer der Ruf des respektvollen, sympathischen Mannes aus der zweiten Reihe voraus.

Schnell allerdings hat man auch in München gemerkt, dass Flick sehr wohl das Zeug für die erste Reihe besitzt, er jemand ist, der eine klare Meinung vertritt und zu dieser auch steht. Flick ist aber eben auch ein Trainer, der über den Tellerrand hinaus schaut. Er beherrscht den Mix aus respektvoller Führung und klaren Regeln.  

Deutlich wurde das einmal mehr am vergangenen Samstagabend. Der 5:0-Erfolg gegen Fortuna Düsseldorf war der 22. Sieg im 25. Pflichtspiel unter Flick (88 Prozent Siegquote). Unter seiner Regie erzielten die Bayern nun in 19 Bundesliga-Spielen 61 Tore, schossen im Schnitt also mehr als drei Treffer pro Spiel.  

Anzeige
Meistgelesene Artikel

Flick steht derzeit für Erfolg und Weiterentwicklung, er ist aber auch ein Kümmerer. 

Flick kümmert sich um verletztes Talent

Nach dem Abpfiff gegen die Fortuna begaben sich David Alaba und Alphonso Davies in Spielkleidung zu ihren Interviewpositionen. Als Flick auf dem Weg in die Katakomben war, sah er, dass seine beiden Spieler bei rund zwölf Grad auf einer Bande auf ihre Interviews warteten.

Prompt bat Flick einen Zeugwart darum, den beiden Spielern dicke Jacken zu besorgen. Der Zeugwart reagierte, deckte die Spieler mit warmen Decken ein und bekam vom Cheftrainer einen Klaps des Dankes auf den Rücken. Kurze Zeit später analysierte er mit Alaba das Spielgeschehen, lobte ihn unter vier Augen. Alaba lachte, wie auch Serge Gnabry.  

Auf dem Weg in die Kabine - Gnabry trug vorbildlich seinen Mundschutz - neckte er sich mit Flick und Co-Trainer Hermann Gerland. Gnabry schien Flick einen frechen Spruch entgegnet zu haben, woraufhin ihn Flick rennend verfolgte. Das klare Zeichen: Die Teamchemie stimmt.  

Ebenfalls bemerkenswert: Unter der Woche, nach dem Sieg gegen Dortmund, leistete er erste Hilfe bei Bayern-Talent Lars Lukas Mai, der sich im Training verletzt hatte und dessen Sprunggelenk von Flick höchstpersönlich gekühlt wurde.  

Flick zeigt sich auch als Teamplayer. Öffentlich würde er nie zugeben, dass er in der vergangenen Woche maßgeblich für den Hinweis verantwortlich war, dass Roman Bürki oft zu weit vor dem Tor steht, was Joshua Kimmich zu seinem Traumtor nutzte. Er lobt stets sein Trainerteam, sogar Teammanagerin Kathleen Krüger erwähnt er, um zu unterstreichen, wie erfolgreich seine Mannschaft die Corona-Pause bewältigt hat.

Zwei freie Tage nach Sieg gegen Düsseldorf

Nach dem Sieg gegen Düsseldorf rief er seine Mannschaft auf dem Platz zusammen, um sie für das 5:0 nach dem Dortmund-Sieg zu loben. Seine Rede begann er erst, als Gerland Teil des Kreises war, den Flick eigenmächtig hinzugewunken hatte. 

Flick kann aber auch mit harter Hand regieren. Vergangene Woche missfiel ihm die Qualität und Intensität eine Trainingsspiels. Daraufhin reagierte der 55-Jährige mit einem Trainingsabbruch und schickte seine Spieler in die Kabine. Nach zwei Topleistungen in der englischen Woche belohnte er sein Team nun mit zwei freien Tagen.

Erst am Dienstag wird wieder trainiert. Er selbst will vorbildlich zu Hause bleiben, "eventuell Fahrradfahren" und an den freien Tagen an der Säbener Straße sein, um Vorbereitungen für das kommende Liga-Spiel gegen Bayer Leverkusen am Samstag (Bundesliga: Bayer Leverkusen - FC Bayern am Sa. ab 15.30 Uhr im LIVETICKER) zu treffen.   

Perfektionismus und höchste Professionalität stehen für den Bayern-Trainer ebenfalls an höchster Stelle. Selbstredend ist er stolz auf die bisherigen Leistungen seiner Mannschaft. Darauf ausruhen tut er sich aber nicht.

Lob und Tadel

Nach Abpfiff sprach er davon, dass die Leistung seiner Mannen trotz des 5:0 noch immer "nicht perfekt" gewesen sei und man noch mehr Tore hätte erzielen können. Eine Botschaft, die bei den Spielern ankommt und zu Torhunger und Titelgier führt. Ebenso auffällig sind seine Loblieder auf einzelne Spieler.

In der vergangenen Woche, nach dem Sieg gegen Eintracht Frankfurt, gab es von ihm ein Extra-Lob für die Leistungen von Thomas Müller und David Alaba. Am Samstagabend hob er Leon Goretzka hervor. "Er hat hervorragend gespielt und war sehr präsent", sagte er über seinen Mittelfeldspieler. 

Höflich auch zu den Journalisten

Flick beherrscht auch das Spiel mit den Medien. Zwar hat er - außer den beiden 1:2-Pleiten gegen Leverkusen und Mönchengladbach am 13. und 14. Spieltag - noch keine Schwächephase moderieren müssen, aber Flick sorgt vor, indem er Medienvertretern mit Respekt und einem offenen Ohr gegenüber tritt.  

Als am Samstagabend einer der anwesenden Reporter seine Frage aufgrund technischer Probleme nicht stellen konnte und die Pressekonferenz wenig später für beendet erklärt wurde, ermöglichte Flick, der zuvor schon einen Interview-Marathon bewältigt hatte, dem Reporter erneut, seine Frage zu stellen. 

Es sind die Kleinigkeiten, mit denen Flick den Erfolg und den Zusammenhalt zum FC Bayern zurückgebracht hat. Nicht umsonst ist den Münchnern in dieser Saison sogar das Triple zuzutrauen.   

Nächste Artikel
previous article imagenext article image