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München - Uli Hoeneß ist stolz auf die Leistungen des FC Bayern und wird beim Pokalfinale vor Ort sein. Lobende Worte findet er auch für Hasan Salihamidzic und den bevorstehenden Transfer von Leroy Sané.

Uli Hoeneß nimmt sich für das Interview mit SPORT1 Zeit, um über das bevorstehende Pokalfinale in Berlin zu sprechen. Zwischendurch ereilen ihn immer wieder Anrufe ehemaliger Weggefährten. Davon lässt er sich aber nie aus der Ruhe bringen.  

Der Ex-Präsident des FC Bayern bringt deutlich zum Ausdruck, dass er mit der sportlichen Entwicklung seiner Münchner überaus zufrieden ist. Auf die Entwicklung von Hasan Salihamidzic, der in diesem Monat in den Vorstand aufgerückt hat, ist er stolz.

Hoeneß macht klar, woran er seinen Schützling bemisst und spricht auch über den bevorstehenden Wechsel von Leroy Sané

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SPORT1: Herr Hoeneß, wie groß ist Ihre Vorfreude auf das Pokalfinale? 

Uli Hoeneß: Dass wir schon wieder im Pokalfinale stehen, ist eine tolle Sache. Das Double gewinnen zu können, ist immer etwas Besonderes. Es ist aber schade, dass man das Finale ohne Zuschauer bestreiten muss. Denn dieses Endspiel in Berlin ist zu einer Institution geworden, ähnlich wie Spiele im Wembley-Stadion. Man muss dieses Geister-Endspiel akzeptieren und fertig. 

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SPORT1: Wie werden Sie es verfolgen?  

Hoeneß: Ich werde im Stadion sein. 

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SPORT1: Welche Darbietung des FC Bayern wünschen Sie sich am Samstag? 

Hoeneß: Unsere Mannschaft hat bis zum letzten Bundesliga-Spiel beim VfL Wolfsburg bewiesen, dass sie die Spannung aufrechterhalten und unglaublich engagiert sowie mit viel Leidenschaft Fußball spielen kann. Deshalb gehe ich davon aus, dass das auch am Samstag gegen Bayer 04 Leverkusen der Fall sein wird. Es ist sehr wichtig, dass die Mannschaft die Favoritenrolle, die ihr von überall zugeschrieben wird, nicht beachtet, sondern konzentriert und konsequent vorgeht, wie in den vergangenen Wochen. Dann wird es für uns ein gutes Spiel werden. 

Hoeneß: Wir werden Chelsea schlagen

SPORT1: Wie fühlen sich Titel in Corona-Zeiten an? 

Hoeneß: Die Meisterschaft haben wir sehr konsequent und auf hohem Niveau zu Ende gespielt. Wir haben es hervorragend kompensiert, ohne Zuschauer zu spielen. Ich gehe davon aus, dass das auch am Wochenende im Pokalfinale der Fall sein wird. Natürlich werden Titel und Siege in der Öffentlichkeit aktuell etwas heruntergespielt. Aber vom sportlichen Wert her sind die Titel genauso wertvoll, wie in dem Fall, dass man sie mit Zuschauern holt. Die sportlichen Darbietungen seit dem Re-Start, auch in anderen Ländern, waren bisher hervorragend. 

SPORT1: Werfen Sie schon einen Blick in Richtung Champions League? 

Hoeneß: Wir haben nach dem Pokalfinale Zeit genug, um uns auf die Champions League vorzubereiten. Ich halte gar nichts davon, jetzt schon vom Double oder vom Triple zu reden. Was bei der Champions League herauskommt, werden wir sehen. Ich gehe davon aus, dass wir Chelsea schlagen und ins Viertelfinale kommen. Dann muss man abwarten. In unsicheren Zeiten wie diesen hilft es nichts, Prognosen zu machen. Man muss von Woche zu Woche schauen. 

SPORT1: Sind Sie stolz auf die fußballerische Entwicklung Ihrer Bayern unter der Regie von Hansi Flick? 

Hoeneß: Man hofft ja immer, dass die Mannschaft so spielt, wie sie jetzt spielt. Wir hatten immer gute Einzelspieler, aber Hansi hat es prima geschafft, aus diesen Einzelspielern ein tolles Team zu formieren. Ich habe das Gefühl, dass die Spieler Spaß am Fußball und an ihrem Beruf haben. Sie zelebrieren das jedes Wochenende. Ich beobachte es sehr positiv, dass wir landauf und landab für unser attraktives Fußballspiel gelobt werden. 

"Freue mich, dass Jérôme hervorragend spielt"

SPORT1: Im Pokalfinale dürfte Jérôme Boateng wieder in der Startelf stehen. Im vergangenen Jahr haben Sie ihm noch einen Wechsel nahegelegt. Sind Sie über seine Leistungsexplosion erstaunt? 

Hoeneß: Ich möchte nicht über einzelne Spieler sprechen, das ist Sache der Vereinsführung und des Trainers. Ich freue mich sehr, dass die Mannschaft und natürlich auch Jérôme so hervorragend spielt. 

SPORT1: Wie bewerten Sie die Leistungen von Kai Havertz?  

Hoeneß: Kai Havertz ist ein hervorragender Fußballspieler, der in seinem jungen Alter schon außergewöhnliche Leistungen bietet. Leverkusen kann mit ihm an einem guten Tag fast jede Mannschaft schlagen. Deswegen muss unsere Mannschaft sehr vorsichtig sein und konzentriert zur Sache gehen.  

SPORT1: Ist er ein Spieler, den der FC Bayern verpflichten muss?  

Hoeneß: Kurz vor so einem Spiel möchte ich keine Personaldiskussion lostreten. Wenn ich diese Personalie thematisiere, haben wir die ganze Woche eine Diskussion, die ich nicht haben möchte. 

Hoeneß: "Habe Salihamidzic nie so kritisch gesehen"

SPORT1: Hasan Salihamidzic ist seit dem 1. Juli im Vorstand. Wie sehen Sie seine Entwicklung? 

Hoeneß: Hasan ist jetzt drei Jahre da und viele haben ihn sehr kritisch beäugt. Ich habe ihn nie so kritisch gesehen, ich habe ihm immer mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Er hat sich am Dienstag bei mir sehr für meine Unterstützung bedankt, denn nun beginnt ein neuer Abschnitt in seinem Leben. Für ihn ist es eine riesige Auszeichnung, Vorstand des FC Bayern zu werden. Er hat sich diesen Aufstieg vom Sportdirektor zum Vorstand richtig verdient, weil er hart dafür gearbeitet hat. Ich rechne es ihm hoch an, dass er sich nie von seinem Weg hat abbringen lassen, auch wenn es für ihn mal Rückschläge in der Öffentlichkeit gab.

Uli Hoeneß (r.) im Gespräch mit Hasan Salihamidzic
Uli Hoeneß (r.) im Gespräch mit Hasan Salihamidzic © Imago

SPORT1: Anhand welcher Kriterien bewerten Sie die Arbeit von Hasan Salihamidzic?  

Hoeneß: Ich möchte die Arbeit eines Sportdirektors nicht an ein, zwei Transfers bemessen, sondern am Gesamtpaket. Hasan hat es in Zusammenarbeit mit Jochen Sauer, Hermann Gerland und Hansi Flick hervorragend geschafft, dass unser Nachwuchsleistungszentrum, das fast 100 Millionen Euro verschlungen hat, funktioniert. Dass das Gebilde des FC Bayern konstruktiv weiterentwickelt wird, ist für mich viel wichtiger als ein Transfer, der klappt oder nicht. Viel wichtiger ist auch, dass unsere Nachwuchsmannschaft Tabellenführer in der dritten Liga ist und aus diesem Reservoir an Nachwuchsspielern schon der eine oder andere in der ersten Mannschaft reinschnuppert. Denn das ist das Kapital des Vereins. Es ist auch wichtig, dass wir einen Cheftrainer haben, der diese Leute auch aufstellt. 

SPORT1: Der bevorstehende Transfer von Leroy Sané dürfte Sie trotzdem freuen, oder? 

Hoeneß: Ich freue mich sehr, dass Leroy zum FC Bayern kommt. Dieser Transfer wird die Attraktivität dieser Mannschaft nochmal verstärken. Das haben die Verantwortlichen gut gemacht. 

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