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Jérôme Boateng könnte Bayern verlassen und flirtet mit der Premier League. Manchester City, Chelsea oder sogar Liverpool? SPORT1 beleuchtet mögliche Ziele.

Verlässt Jérôme Boateng den FC Bayern und wechselt in die Premier League? Er wäre "definitiv bereit", auf die Insel zurückzukehren, verkündete der 31-Jährige bei CGTN Sports.

"Ich würde nicht nein sagen. Ich liebe es, die Premier League anzuschauen. Ich liebte es auch, dort zu spielen", erklärte der Weltmeister von 2014 weiter: "Es ist definitiv eine meiner Lieblingsligen."

Seine Zukunft in München ist nach wie vor ungeklärt, sein Vertrag läuft nur noch bis 2021, vergangenen Sommer platzte ein Wechsel zu Juventus erst kurz vor Abschluss.

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In England sollten für den Innenverteidiger realistisch gesehen vor allem die Big Six in Frage kommen - doch wer hat Bedarf, wo würde Boateng passen? SPORT1 beleuchtet mögliche Ziele.

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MANCHESTER CITY

2010 wechselte Boateng schon einmal zu den Skyblues - nach nur einer enttäuschenden Saison verließ der Manchester aber schon wieder und ging zu Bayern.

Der damals erst 22 Jahre alte und noch eher ungestüme Boateng pendelte zwischen Startelf und Bank, wegen Konkurrenten wie Vincent Kompany oder Kolo Touré musste er oft als Außenverteidiger spielen. Im April setzte dann eine Knöchelverletzung seiner Saison ein Ende.

Bei Bayern wurde er dann zum Triple-Sieger, Weltmeister - und spätestens unter Pep Guardiola zu einem der besten Innenverteidiger der Welt. Der Spanier kam 2013 und hob Boateng noch einmal auf ein ganz neues Level.

"Das hat mich schon beeindruckt: wie gut er vorbereitet war, als er hier ankam. Er wusste alles über mein Spiel", erzählte Boateng einmal der SZ.

Der Star-Trainer führte ihm "so eine Art Best of dumme Fouls" vor, trieb Boateng durch das Videostudium eigener, schlimmer Fehler genau diese aus und brachte ihn taktisch enorm weiter. Bei Goal schwärmte der Weltmeister später von Guardiola: "Er ist brillant, einer der Besten. Taktisch war er der Beste."

Auch Guardiola lobte Boateng in höchsten Tönen. "Ich habe ihm gesagt, dass er der beste Innenverteidiger der Welt sein kann. Er ist jung, schnell, super mit dem Ball, rechts wie links - er hat alles. Eine große Persönlichkeit, ein guter Typ. Er ist Weltmeister, hat in Brasilien überragend gespielt", schwärmte der Spanier 2014, nachdem Boateng in der Champions League ausgerechnet gegen Manchester City mit seinem Siegtor zum 1:0 in der 90. Minute zum Matchwinner geworden war.

Holt Förderer Guardiola seinen Musterschüler nun zurück zu ManCity? Klar ist, dass der englische Vizemeister gerade in der Zentrale Verstärkung sucht. Aymeric Laporte fiel mit Knieverletzung lange aus, die Geduld mit John Stones soll sich dem Ende neigen, Nicolas Otamendi und Youngster Eric Garcia sind wohl auch nicht die Lösung.

Darum war bereits David Alaba bei den Citizens im Gespräch, ebenso wie Kalidou Koulibaly von SSC Neapel. Bei beiden könnte sich ein Transfer aber eher schwierig gestalten, weil Koulibaly zuletzt erklärte, dass er sich in Neapel wohl fühlt und Alaba für Bayern vermeintlich weniger verzichtbar wäre als Boateng (beide Verträge laufen 2021 aus).

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MANCHESTER UNITED

Neben Paris Saint-Germain und Juve wird vor allem Manchester United immer wieder mit Boateng in Verbindung gebracht.

Die Red Devils haben sich unter Ole Gunnar Solskjaer wieder zum Topteam entwickelt und mit Platz 3 die Champions-League-Teilnahme erkämpft.

Doch wie ist die Perspektive bei United? Mit dem englischen Nationalspieler Harry Maguire (27), einst mit 87 Millionen Ablöse teuerster Verteidiger der Welt, und dem Schweden Victor Lindelöf (26) hat Solskjaer ein eingespieltes Innenverteidiger-Duo im besten Alter, das seinen Teil dazu beigetragen hat, dass 14 Spiele in Serie nicht verloren wurde.

United stellte hinter City und Liverpool zudem die drittbeste Abwehr der Liga, nach dem Restart ließ das Team nur sechs Gegentore in neun Spielen zu. An Maguire oder Lindelöf müsste Boateng dann vorbei - das hat Eric Bailly (kam 2016 für 38 Millionen von Villarreal) vergangene Saison kaum einmal geschafft.

Zum Knackpunkt könnte aber werden, ob United in diesem Sommer überhaupt das Geld hat, um Boateng für die Defensive zu holen, obwohl dort eher weniger Bedarf besteht. Mit Jadon Sancho vom BVB und Jack Grealish (Aston Villa) stehen zwei extrem teure Transfers auf der Wunschliste. Sancho darf Borussia Dortmund erst für eine Ablöse im dreistelligen Millionenbereich verlassen, für Grealish waren rund 90 Millionen im Gespräch.

FC CHELSEA

Bei den Londonern stehen Deutsche gerade extrem hoch im Kurs - warum also nicht auch noch Boateng zum FC Chelsea Deutschland?

Timo Werner (RB Leipzig) haben sich die Blues schon geschnappt, Shootingstar Kai Havertz von Bayer Leverkusen soll folgen, Antonio Rüdiger kam bereits 2017 für 35 Millionen von der Roma und ist in der Innenverteidigung gesetzt.

Daneben bot Chelsea zuletzt wahlweise den Franzosen Kurt Zouma (25) oder den Ex-Gladbacher Andreas Christensen (24) auf, mit wechselhaftem Erfolg. Über jeden Zweifel erhaben ist keiner von beiden.

Chelsea rüstet auf für die Champions League. Trainer Frank Lampard könnte den erfahrenen Deutschen dafür gut gebrauchen.

Bei 54 Gegentoren alleine in der Premier League herrscht an der Stamford Bridge auf jeden Fall akuter Bedarf.

FC LIVERPOOL

Beim Meister steht Umbruch an, auch in der Defensive. Innenverteidiger Dejan Lovren ist bereits weg, er wechselte zu Zenit St. Petersburg.

Virgil van Dijk, der beste Abwehrspieler der Welt, ist gesetzt. Neben dem ebenso gewaltigen wie schnellen Niederländer stritten sich zuletzt der Ex-Schalker Joel Matip (28) und Youngster Joe Gomez (23) um den zweiten Innenverteidiger-Platz.

Der englische Nationalspieler Gomez hat hier mittlerweile die Nase vorn, Matip spielte nach seiner Knieverletzung im Winter praktisch keine Rolle mehr.

Boateng könnte auch mit seiner Erfahrung gegenüber Gomez noch einmal ein Upgrade sowie eine wertvolle Alternative sein, zumal aktuell nur drei Innenverteidiger im Kader stehen.

Die Frage ist: Würde ein Duo mit dem Deutschen und van Dijk funktionieren? Während der Niederländer mittlerweile auftretende Schnelligkeitsdefizite bei Boateng ausgleichen könnte, sind sich beide in der Spieleröffnung mit vielen Diagonalbällen recht ähnlich.

TOTTENHAM HOTSPUR

2018 wollte José Mourinho Boateng schon einmal holen. Damals war "The Special One" noch Trainer bei ManUnited. "Ich fühle mich beim FC Bayern pudelwohl, es ist einer der größten Klubs der Welt", erklärte der Verteidiger der Bild damals noch: "Ich habe José Mourinho angerufen und ihm gesagt, dass sein Interesse eine Ehre für mich ist und mich bedankt, dass er sich bei Manchester United so für mich ins Zeug gelegt hat.“

Der damals neue Trainer Niko Kovac habe ihm "von Anfang an seine Wertschätzung und das Vertrauen ausgesprochen" - das änderte sich bekanntlich später, selbst Bayern-Boss Uli Hoeneß legte ihm im Vorjahr nahe, den Klub zu verlassen. "Ich habe mich in den vergangenen Jahren immer durchgekämpft, auch wenn der Rückhalt durch den vorherigen Trainer (Niko Kovac; Anm. d. Red.) oder andere Personen nicht da war", revanchierte sich Boateng im Mai in der Welt am Sonntag mit einem Seitenhieb.

Geht es jetzt also doch zu Mourinho? Innenverteidiger Jan Vertonghen (Vertrag lief aus) ist weg, übrig sind auf höchstem Niveau damit nur noch Toby Alderweireld (wie Boateng 31) und der 24 Jahre junge Davinson Sanchez. Platz für Boateng wäre also allemal. Nachteil: Tottenham spielt kommende Saison nur in der Europa League.

FC ARSENAL

Fast schon traditionell Bedarf für Verstärkung in der Defensive besteht bei den Gunners. Satte 48 Tore und 38 Partien kassierte Arsenal in der abgelaufenen Premier-League-Saison - das bedeutet Platz 8, und genau diesen belegte das Team von Trainer Mikel Arteta am Ende der Saison auch. Das reicht nicht einmal für die Europa League, die der Klub aber immerhin noch durch einen Sieg im FA-Cup (Finale gegen Chelsea) theoretisch erreichen könnte.

Brauchen könnte Arsenal Boateng allemal. Der einstige Nationalmannschaftskollege und Weltmeister Shkodran Mustafi ist nicht unumstritten und wird nach einer Oberschenkel-OP den Saisonstart verpassen und mindestens bis Oktober ausfallen.

David Luiz ist zwar durchgehend gesetzt, aber mittlerweile für seine Fehleranfälligkeit berüchtigt.

Der Ex-Dortmunder Sokratis ist mittlerweile 32, hat noch Vertrag bis 2021, soll aber weg und wurde seit dem Restart überhaupt nicht mehr eingesetzt. Die Stammplatzchancen für Boateng wären bei Arsenal also gegeben.

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