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Gelsenkirchen - Nach dem Rücktritt von Clemens Tönnies ist Dr. Jens Buchta Vorsitzender des Schalker Aufsichtsrats. Doch wie viel Tönnies steckt in dem neuen Schalke-Chef?

Er hat sich rar gemacht in den vergangenen Jahren. Die Öffentlichkeit hat Dr. Jens Buchta nie gesucht - und er sucht sie auch jetzt nicht. Alle Interview-Anfragen, auch die von SPORT1, lehnte der 57-Jährige zunächst einmal ab.

Nach dem Rücktritt von Clemens Tönnies ist Buchta der neue Vorsitzende des Aufsichtsrats des kriselnden FC Schalke 04. Und das Amt ist dem Rechtsanwalt nicht fremd, übte er es schließlich im vergangenen Jahr schon für drei Monate aus, nachdem sich Tönnies infolge massiver Kritik aufgrund von rassistischen Aussagen vorübergehend zurückgezogen hatte.

Der bisherige Stellvertreter wird für die nächsten zwei Jahre das elfköpfige Gremium anführen. Er wurde einstimmig gewählt, wie Schalke offiziell bekannt gab.

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"Die Wahl des neuen stellvertretenden Vorsitzenden wird ebenso wie die Besetzung der einzelnen Ausschüsse bei der nächsten Klausurtagung des Aufsichtsrats im Juli beschlossen." Diese Sitzung wird Buchta dann erstmals in seiner neuen Funktion leiten.

Der Tönnies-Vize tritt damit in die großen Fußstapfen des mächtigen Patrons, der seit 2001 Aufsichtsratschef war und seine Ämter aufgrund des großen öffentlichen Drucks niederlegte.

Dr. Jens Buchta ist Nachfolger von Clemens Tönnies als Aufsichtsratsboss von Schalke 04
Dr. Jens Buchta ist Nachfolger von Clemens Tönnies als Aufsichtsratsboss von Schalke 04 © Imago

Buchta als Gegenentwurf zu Tönnies

Aber wie viel Tönnies steckt in Buchta? SPORT1 hörte sich im direkten Schalker Umfeld um - und der Tenor ist eindeutig: Buchta ist der komplette Gegenentwurf zu Tönnies. Kein Lautsprecher und kein impulsiver Taktgeber, der die Marschroute vorgibt.

In der zweiten Reihe fühlt sich der Anzugträger eigentlich wohl. Ein Mann der großen Töne ist Buchta nicht. Er gilt als ruhiger und sachlicher Typ, fast schon fad nennen ihn einige. Ein Geltungsbedürfnis wird ihm nicht nachgesagt. Bei Schalke-Spielen kommt der Jurist kurz vor Anpfiff und geht hinterher auch zeitig. Lange hält er sich nach Spielende nicht in der Loge auf.

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Als Rechtsanwalt steht Buchta für strukturiertes und solides Arbeiten. 2004 gründete der gebürtige Essener mit einigen Partnern eine schicke Kanzlei. Die Sozietät mit Sitz in Düsseldorf hat sich auf Fälle im Wirtschaftsrecht spezialisiert. Buchta bezieht sich insbesondere auf die Bereiche Gesellschaftsrecht und M&A (Mergers & Acquisitions; Unternehmenskäufe, -Fusionen und -Kooperationen). Darüber hinaus, heißt es auf der Kanzlei-Homepage, berät Buchta in bankrechtlichen und bankaufsichtsrechtlichen Fragestellungen.

Von der Erfahrung des Juristen könnte der Schulden-Klub mit seinen 198 Millionen Euro Verbindlichkeiten also durchaus profitieren. Der zweifache Familienvater, der in Kaarst lebt, ist eigenen Angaben zufolge Knappen-Mitglied seit 1980.

In einem Interview mit der NRZ sagte er einmal: "Ich wurde in Essen geboren, das darf man auf Schalke kaum sagen. Ich habe aber die ersten sieben Lebensjahre in der Nähe von Schalke verbracht. Bei uns zu Hause war Schalke immer ein Thema: Großmutter, mein Vater, die ganze Familie. Das hat sich auch bei meinen beiden Kindern fortgesetzt, die sind auch beide schon Mitglied. Wenn man einmal diesen Schalke-Bazillus in sich hat, kommt man davon nicht mehr los."

Buchtas Hoffnung erfüllte sich nicht

Seit 14 Jahren sitzt Buchta nun schon im Aufsichtsrat von S04. Damals wurde der gebürtige Essener über den Sportbeirat kooptiert. Er gilt durchaus als Vertrauter von Tönnies. Vor allem beim Managerwechsel 2016 von Horst Heldt zu Christian Heidel gab es interne Differenzen im Aufsichtsrat. Hinter vorgehaltener Hand hieß es, dass Tönnies neben der Meinung von Peter Lange nur die von Buchta berücksichtige.

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Vor zwölf Jahren - Schalke spielte seinerzeit in der Champions League - sagte Buchta auf die Frage, ob Schalke sich den Meistertitel aufgrund der Bayern-Dominanz für die nächsten 20 Jahre abschminken könne: "Ganz so pessimistisch bin ich nicht. Die Kluft ist zwar groß, man sieht, dass Geld doch Tore schießt. Schalke wird sicher zur neuen Saison in neue Spieler investieren. Dann muss man hoffen, dass man eine Mannschaft zusammenstellt, die solche Spiele gewinnt, die am Ende der vergangenen Saison in Bochum und Dortmund nicht gewonnen wurden, und die dann Meister wird. Diese Hoffnung habe ich auch und glaube, dass es innerhalb der nächsten vier, fünf Jahre passen wird. Bayern wird es nicht jedes Jahr machen. Ich weigere mich auch, dies zu glauben."

Davon ist man heute verdammt weit weg. Buchta soll nun dabei helfen, dass der Klub irgendwann mal wieder zu altem Glanz zurückfindet.

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