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Borussia Dortmund setzt beim Scouting vermehrt auf das Attribut Schnelligkeit. In Verbindung mit Favres System kann sich das bezahlt machen. SPORT1-Kolumne.

Hallo Bundesliga-Freunde,

wer sich etwas intensiver mit dem Fußball und gerade der Zukunft beschäftigt, der kommt an einer Erkenntnis nicht vorbei: Ein Faktor, der, bei allen taktischen Details und Weiterentwicklungen, zukünftig noch stark an Bedeutung gewinnen und regelmäßig über Sieg oder Niederlage entscheiden wird, ist die Schnelligkeit.

Sowohl im Kopf, was das Erkennen von Spielmöglichkeiten oder ganz einfach das Umschalten betrifft - aber eben auch die tatsächliche Geschwindigkeit jedes einzelnen Spielers. Und damit der Mannschaft. Wie schnell kommt sie nach vorne, in die Abschluss-Zone? Wie viel ist sie schneller als ihr Gegner?

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Borussia Dortmund zählt zu den Bundesliga-Vereinen, die die besondere Kraft der Geschwindigkeit im eigenen Spiel früh erkannt haben. Pierre-Emerick Aubameyang hat die BVB-Offensive über vier Jahre zum Beispiel wahnsinnig beschleunigt - bevor ihn der FC Arsenal für fast 64 Millionen Euro kaufte. Mario Götze dagegen fehlte in den vergangenen Jahren das entscheidende Tempo, um Verteidiger auch mal zu überlaufen.

Favre setzt auf hohes Tempo

Mittlerweile ist es so: Um ein Spieler auf internationalem Top-Level zu sein, reicht ein hervorragendes Passspiel oder "Auge" nicht mehr aus. Die Scouts der großen Klubs bewerten zu gleichem Maße die Sprinterqualitäten - ohne Ball, aber längst und erst recht auch mit. Eine außergewöhnliche Laufgeschwindigkeit ist Voraussetzung, um es in die Karacho-Kader der Großvereine zu schaffen.

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Zurück zum BVB: Für Trainer Lucien Favre spielt der Faktor Tempo eine entscheidende Rolle, sein System basiert auf Rasanz. Die Scouting-Abteilung unter ihrem Chef Markus Pilawa schlägt der sportlichen Leitung keine Spieler vor, die nicht über eine hohe Grundgeschwindigkeit verfügen. 

Zwei junge Männer im Kader der Schwarz-Gelben, beide erst 17, sollen in der neuen Saison den Durchbruch in der Bundesliga schaffen, regelmäßig auf dem Platz stehen - und gerade auch durch ihre Handlungs- und Laufschnelligkeit die BVB-Offensive in wichtigen Momenten entscheidend verstärken.

Giovanni Reyna kam schon in der vergangenen Rückrunde zu seinen ersten 15 Bundesliga-Einsätzen, die BVB-Führung hält extrem große Stücke auf ihn. Ebenso Jude Bellingham, neu gekommen für 23 Millionen Euro von Birmingham City.

Und so gut wie sicher ist auch der Leih-Transfer des Brasilianers Reinier, 18, von Real Madrid, erst im Januar für 30 Millionen Euro von Flamengo aus Rio de Janeiro nach Spanien gewechselt.

Schlechte Nachrichten von Reus 

Die Vorfreude auf ihre neue Vollgas-Boygroup überwiegt im Moment die Enttäuschung über die regelmäßigen schlechten Nachrichten, die der BVB über seinen Kapitän Marco Reus verkünden muss. Die Vereinslegende, seit über acht Jahren in Dortmund, fehlt aktuell wieder "auf unbestimmte Zeit" wegen einer Entzündung im Adduktorenbereich.

Sie planen in nächster Zeit nicht mit ihm, geben dem Rechtsfuß jede Zeit, seinen Körper wieder auf Hochleistungsniveau zu bringen. Die Gefahr, dass Reus der Weg an die Spitze dauerhaft nicht mehr gelingt, ist gegeben. In den letzten fünf Saisons verpasste er im Schnitt 14 Bundesliga-Partien. Er ist mittlerweile 31 Jahre alt.

Ob und wie sehr sie Marco Reus vermissen werden, wenn die Bundesliga-Saison ab September wieder läuft - es liegt auch an der neuen, jungen Turbo-Fraktion. Ihr Potenzial ist riesig. Genau wie ihr Speed.

Tobias Holtkamp, der Autor dieses Textes, war in der Chefredaktion von Sport Bild und Chefredakteur von transfermarkt.de. Heute berät er Sportler und Marken in ihrer inhaltlichen und strategischen Ausrichtung. Für SPORT1 schreibt Holtkamp als Chef-Kolumnist die wöchentliche "Bundesliga-Kolumne".

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