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Ein öffentlich gemachter Chatverlauf mit rassistischen Äußerungen beschäftigt den FC Bayern. Der Klub hatte sich zuletzt eindeutig zum Kampf gegen Rassismus bekannt.

Der FC Bayern untersucht derzeit Rassismus-Vorwürfe, die gegen einen Mitarbeiter des Nachwuchsleistungszentrums erhoben werden. Das bestätigte der Verein auf SPORT1-Nachfrage.

Wie das Magazin Sport Inside des WDR berichtet, wird der Mitarbeiter im Wesentlichen durch rassistische Inhalte in Chat-Mitteilungen belastet, die unter einem Twitter-Account mit seinem Namen veröffentlicht wurden.

Darin ist unter anderem unter einem Bild eines Lastwagens mit dem Schriftzug "Bimbo" zu lesen "Transport. Hier werden die Neger von A nach B transportiert". Mehrfach werden in den Chats Talente als "Drecks Türke" oder "Kanake" beschimpft.

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Bei Diskussionen um mögliche Verpflichtungen von Nachwuchsspielern mit anzunehmendem Migrationshintergrund reagiert der NLZ-Mitarbeiter des Öfteren mit der Antwort: "Nachname gefällt mir nicht."

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Die Chats sollen nach Angaben von Sport Inside schon zwei Jahre alt sein. Der Klub beurteilt das Twitter-Profil als "Fake Account". 

Die Inhalte, die der WDR den Münchnern zur Kenntnis gebracht habe, "sind Gegenstand einer internen Untersuchung", teilte der Klub zudem mit.

"Wir werden mit unseren zuständigen Stellen Echtheit und Sachverhalt aufklären und anschließend bewerten. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir zum jetzigen Zeitpunkt dazu keine Aussage in der Öffentlichkeit abgeben können", heißt es in der Stellungnahme.

Eltern beklagen angeblich rassistischen Umgangston

Seit September 2018 sind nach WDR-Informationen zudem vier anonyme Schreiben an den FC Bayern geschickt worden, in denen sich namentlich nicht genannte Eltern über den Umgang des erwähnten Mitarbeiters mit ihren Kindern beklagen.

Die  Briefe, an Campus-Leiter Jochen Sauer, Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, den damaligen Vereins-Präsidenten Uli Hoeneß, den damaligen Sportdirektor Hasan Salihamidzic sowie den sportlichen NLZ-Leiter Hermann Gerland adressiert, liegen dem Sender nach eigener Auskunft vor.
Darin wird der Jugendtrainer eines in Teilen schwulenfeindlichen und rassistischen Umgangstons bezichtigt und einer Neigung zu sadistischen Straftrainings.

"Solche Menschen", werden die Verfasser zitiert, "dürfen nicht mit Kindern arbeiten."

Andere Eltern erhärten Anschuldigungen nicht

Der FC Bayern bestätigte SPORT1 die Existenz der Briefe. Daraufhin seien die Eltern der Spieler befragt worden, die von dem Mitarbeiter betreut wurden. Die Anschuldigungen gegen den Trainer hätten die Eltern nicht erhärtet. Auch ein regelmäßiger Fragebogen zu den Leistungen der Trainer habe keine negativen Erkenntnisse zur beschuldigten Person ergeben.

Der FC Bayern hatte sich zuletzt  unter anderem durch die Aktion "Rot gegen Rassismus" eindeutig positioniert und auch zu "Black lives matter" bekannt.

"Der FC Bayern steht mit all seinen Mannschaften, all seinen Spielern und Spielerinnen aus den unterschiedlichsten Nationen, mit all seinen Mitgliedern, Partnern und Freunden für eine Welt, in der Rassismus, Diskriminierung, Hass, Ungerechtigkeit und Gewalt keinen Platz haben", waren die Worte von Präsident Herbert Hainer noch im Juni.

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