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München - In der neuen Bundesliga-Saison sollen wieder Fans in die Stadien dürfen. SPORT1-Chefkolumnist Tobias Holtkamp sieht die Vereine bei den Anhängern in der Bringschuld.

Hallo Bundesliga-Freunde,

die Diskussionen, die hinter den Kulissen im Moment geführt werden, werfen doch einige Rätsel auf. Monatelang betonten im Grunde alle in der Bundesliga, wie sehr die Fans in den Stadien fehlen. Ja, die Geisterspiele seien notwendig und auch alternativlos, aber lieber heute als morgen, also sobald möglich, müsse die Fußball-Atmosphäre in die Arenen zurückkehren.

Tatsächlich ist sich die Bundesliga während der Corona-Zeit noch einmal sehr bewusst darüber geworden, so war es zu hören, welchen riesige Bedeutung Fans und Zuschauer für das Gesamterlebnis Profifußball haben. Das reine Rasenschach, ohne die besondere Atmosphäre von den Tribünen, war vielleicht eine gute Sache für Taktiknerds und Analysten - die breite Masse ließ sich vom nackten Ballgeschiebe vor leeren Rängen nicht so sehr begeistern. Und schaute spürbar seltener zu.

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Doch nun zeichnet sich eine Situation ab, die den lauten Schrei nach Liebe und Unterstützung im Grunde ad absurdum führen würde. Die ersten Vereine überlegen, möglicherweise aus Kostengründen auf Fans im Stadion zu verzichten - so lange nur eine geringe Menge Publikum erlaubt ist. Wenn ins Berliner Olympiastadion, berichtet die BILD, "nur" 5000 Zuschauern dürften, wäre das kein gutes Geschäft für Hertha.

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Die entstehenden Kosten wären nicht gedeckt, z.B. auch die erforderlichen Sicherheitsmaßnahmen umzusetzen wäre zu teuer für so eine überschaubare Anzahl an Zuschauern, es würde sich nicht lohnen.

Fans haben es verdient

Sollte es so tatsächlich kommen, wäre die große Corona-Farce perfekt. Denn wenn an den Spieltagen vor der Sommerpause eines deutlich wurde, dann der Wert der Anhänger, die aus einer Geisterveranstaltung ein Fußballspiel machen - und wenn es auch nur 500 sind.

Wenn es jetzt ein paar tausend Euro kostet, Spieltag und Stadion für die Zuschauer vorzubereiten, wäre es die beste Ausgabe, die die Vereine vielleicht seit langem getätigt haben. Es wäre ein Investment in die Fan-Kultur und in den Fußball, der im März ein großes Stück seines Herzens verloren hat.

Jedem Vereine sollte die Unterstützung von den Rängen, ganz egal, wie viele Plätze im Stadion am Ende auch freigegeben werden, etwas wert sein. Es sind außergewöhnliche Zeiten. Die, die für Stimmung und Atmosphäre in den Arenen sorgen, haben bisher immer gezahlt - und machen das auch weiterhin. Es wäre ein Unding, wenn jetzt nicht auch die Vereine bereit wären, etwas dafür auszugeben, dass die Spiele wieder zu Erlebnissen werden, mit Zuschauern auf den Tribünen.

Die, die ihre Vereine immer unterstützt haben, zu ihren Farben halten und wiederkommen, auch, wenn es nicht läuft - sie hätten es sich verdient. Sie sollen, wenn die Sicherheit steht, wieder in ihr Stadion dürfen.

Tobias Holtkamp, der Autor dieses Textes, war in der Chefredaktion von Sport Bild und Chefredakteur von transfermarkt.de. Heute berät er Sportler und Marken in ihrer inhaltlichen und strategischen Ausrichtung. Für SPORT1 schreibt Holtkamp als Chef-Kolumnist die wöchentliche "Bundesliga-Kolumne".

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