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Gelsenkirchen - Vor dem Liga-Start beim FC Bayern spricht Nationalspieler Suat Serdar im SPORT1-Interview über Trainer David Wagner, die EM 2021 und die anstehende Bundesliga-Saison.

Hinter Suat Serdar liegt eine Saison zum Vergessen.

Nach einer schwachen Rückrunde der Schalker beendete der Nationalspieler die Saison mit seinem Klub auf einem enttäuschenden 12. Rang. Dabei kam der Mittelfeldspieler verletzungsbedingt nur auf zwanzig Liga-Einsätze. Bemerkenswert: Trotzdem gelangen ihm sieben Tore, Serdar war Topscorer beim S04.

In der neuen Saison möchte der 23-Jährige, sowohl auf Vereinsebene, als auch in der Nationalmannschaft, wieder angreifen.

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Vor dem Liga-Auftakt am Freitag, bei dem der FC Schalke 04 beim FC Bayern (Bundesliga: FC Bayern München - FC Schalke 04, Fr., ab 20.30 Uhr im LIVETICKER) gastiert, spricht Serdar im SPORT1-Interview über Trainer David Wagner, die EM 2021 und seine persönliche Zukunft. Zudem verrät der Mittelfeldmotor, welches Laster er hatte und wie er es bekämpft.

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SPORT1: Nach der kurzfristigen Absage des DFB-Pokalspiels gegen Schweinfurt – wie schwierig ist es jetzt, quasi kalt in das Bundesliga-Auftaktspiel am Freitag gegen die Bayern zu starten?

Suat Serdar: Wir haben eine intensive Vorbereitung gespielt, ich würde daher nicht von einem Kaltstart sprechen. Zudem hatten wir am Wochenende einen internen Test, der uns Spielpraxis gegeben hat.

SPORT1: Am Freitag eröffnen Sie mit Schalke in München die neue Bundesliga-Saison. Die ganze Welt schaut zu. Sind Sie aufgeregt?

Suat Serdar: Nein. Vielmehr freue ich mich, dass die Saison endlich startet.

Serdar: "Werden uns passende Taktik für Bayern zurechtlegen"

SPORT1: Die Bayern gehen als Triple-Sieger in die Saison. Ist diese Über-Mannschaft überhaupt zu schlagen?

Suat Serdar: Wir haben eine Analyse gemacht und werden uns eine passende Taktik für das Spiel zurechtlegen. Ob diese aufgeht, werden wir dann am Freitag sehen.

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SPORT1: Bei der jüngsten Länderspielreise waren Sie wieder für die deutsche Nationalmannschaft im Einsatz. Wie sind Ihre Eindrücke?

Suat Serdar: Es war schön, mal wieder mit der Nationalmannschaft unterwegs gewesen zu sein. Ich muss allerdings zugeben, dass ich etwas überrascht über die Nominierung war, weil ich zuletzt lange verletzt war. Der Bundestrainer hatte mich aber zuvor angerufen und gesagt: Du bist dabei, weil du in den letzten Länderspielreisen einen guten Eindruck hinterlassen hast. Ich bin froh, dass ich dabei war – trotz letztlich geringer Spielzeit.

SPORT1: Hatten Sie in den letzten Monaten regelmäßigen Kontakt zu Joachim Löw?

Suat Serdar: Nicht regelmäßig, aber wir haben ab und zu telefoniert. Auch Oliver Bierhoff und Marcus Sorg haben während meiner Verletzungspause immer mal wieder bei mir angerufen und gefragt, wie es mir geht. Das ist ein schönes Gefühl. Es ist etwas ganz Besonderes, für die Nationalmannschaft zu spielen. Es ist toll, dass der Kontakt zu den Verantwortlichen beim DFB auch während der Verletzung immer da war.

Kroos und Gündogan starke Konkurrenz in der Nationalmannschaft

SPORT1: Im Nations-League-Spiel gegen Spanien kamen Sie zu Ihrem vierten Länderspieleinsatz. Sie haben 14 Minuten gespielt. Sind Sie als Stammspieler von Schalke 04 damit zufrieden?

Suat Serdar: In erster Hinsicht bin ich erstmal froh, überhaupt dabei gewesen zu sein. Eine Einladung beim DFB ist nicht selbstverständlich. Natürlich will man als Spieler immer spielen. Wir haben aber eine sehr gute Mannschaft, das darf man nicht vergessen. Auf meiner Position sind Weltklassespieler wie Toni Kroos oder Ilkay Gündogan zuhause. Ich kann von ihnen im Training sehr viel lernen und mir etwas abschauen. Irgendwann kommt vielleicht der Zeitpunkt, an dem ich auch mehr spielen werde.

SPORT1: Spielt es Ihnen in die Karten, dass die EM ins nächste Jahr verschoben wurde?

Suat Serdar: Ja, das würde ich schon sagen. Ich hatte ja Verletzungspech. Bei mir lief es eigentlich lange Zeit sehr gut, dann bin ich wegen eines Zehenbruchs und einer Knieverletzung ausgefallen. Da das Turnier in den nächsten Sommer verlegt wurde, habe ich noch mal die Chance, mich zu beweisen. Ich werde mein Bestes geben in dieser Saison, um am Ende bei der EM dabei zu sein. Das ist mein Ziel! Sollte das nicht klappen, aus welchen Gründen auch immer, gibt es noch die Teilnahme an Olympia. Das wäre für einen Sportler natürlich auch ein Riesen-Ding.

Serdar: Wir konnten in der Vorsaison viel lernen

SPORT1: Mit Schalke 04 haben Sie eine Achterbahn-Saison hinter sich. Nach einer starken Hinrunde gab es in der zweiten Halbserie 16 sieglose Spiele. War das Ihre schwierigste Profi-Saison?

Suat Serdar: Als die schwierigste Saison würde ich es nicht bezeichnen. Das war für mich meine erste Saison auf Schalke, als wir bis zum vorletzten Spieltag gegen den Abstieg gespielt haben. Aus der abgelaufenen Saison können wir viel lernen. Wir haben eine sehr starke Hinrunde gespielt und sind mit einem 2:0-Sieg gegen Gladbach in die Rückrunde gestartet. Dann fing es mit den Verletzungen an. Ich bin gegen Berlin mit einem Zehenbruch ausgefallen. Dann kam das Coronavirus dazu, das die ganze Welt lahmgelegt hat. Wir sind aus dem Re-Start sehr schlecht rausgekommen, das 0:4 gegen Dortmund war hart. Die Negativserie hat sich dann weiter fortgeführt. Wir haben die Rückrunde aber mittlerweile aufgearbeitet und abgehakt. In der Vorbereitung haben wir gut gearbeitet, auch wenn wir in den Testspielen gegen Verl und Uerdingen unsere Leistung nicht abrufen konnten. Im Test gegen Bochum (3:0, Anm. d. Red.), den ich bei der Nationalmannschaft verfolgt habe, hat man aber gesehen, dass wir frisch sind und was wir wirklich können.

SPORT1: Sportchef Jochen Schneider hat vom "Rucksack der Rückrunde" gesprochen, mit dem die Mannschaft in die neue Saison geht. Wie schwer ist dieser Rucksack?

Suat Serdar: Natürlich sind 16 Spiele ohne Sieg alles andere als gut. Man muss aber irgendwann einen Strich darunter ziehen. Es geht wieder bei null los. Ich bin guter Dinge, dass wir in der neuen Saison viele Spiele gewinnen werden.

SPORT1: Wieso?

Suat Serdar: Weil unsere erste Elf top ist. Mit Omar Mascarell und Salif Sané kehren zudem zwei wichtige Spieler zurück. Natürlich haben wir insgesamt eine sehr junge Truppe mit vielen U19- und U23-Spielern, die ihre Zeit brauchen. Ich bin aber guter Dinge, weil wir auch in der Hinrunde gezeigt haben, dass wir gegen große Teams wie Leipzig gewinnen können. Auch gegen Dortmund, als wir 0:0 gespielt haben, hätten wir einen Sieg verdient gehabt. Das macht mich zuversichtlich.

SPORT1: Auf was müssen sich die Fans zur neuen Saison einstellen: Abstiegskampf?

Suat Serdar: Es ist schwer, eine Prognose abzugeben. Mein Gefühl sagt mir, dass wir nichts mit dem Abstieg zu tun haben werden. Wir haben eine gute Mannschaft, und wir werden Gas geben.

Serdar "will in der Champions League spielen"

SPORT1: Dem Klub geht es finanziell schlecht. Die Bosse haben eine Konsolidierungs-Saison ausgerufen, bei der Europa kurzfristig erstmal nicht das Ziel ist. Inwiefern passen die Ambitionen von Schalke 04 denn noch mit Ihren eigenen Ansprüchen zusammen?

Suat Serdar: Ich weiß, worauf sie hinaus wollen. Natürlich will jeder Spieler in der Champions League spielen – das möchte ich in aller Ferne auch. Ich werde in dieser Saison alles geben. Vielleicht reicht es ja sogar mit Schalke für Europa. Im Fußball ist alles möglich. Meine Ambitionen sind auf jeden Fall so, dass ich in den nächsten Jahren in der Champions League oder Europa League spielen will.

SPORT1: Ihr Vertrag auf Schalke läuft noch bis 2022. Im Winter kam es nicht zu einer Verlängerung. Jochen Schneider sagte damals: "Wenn ein Spieler sich schneller entwickelt als der Verein, dann ist es völlig legitim, dass er sich eine neue Herausforderung sucht und irgendwann mal den Verein wechselt."

Suat Serdar: Mit dem Satz hat er sicher nicht ganz unrecht. Ich bin der Meinung: Wenn man sehr gute Leistungen zeigt, wird man auch automatisch dafür belohnt. Man wird in die Nationalmannschaft berufen und andere Mannschaften werden auf dich aufmerksam. Fakt ist: Ich habe noch zwei Jahre Vertrag hier auf Schalke und werde in dieser Saison hier spielen. Am Ende wird man sehen, wie es weitergeht: Ob ich hier noch ein Jahr bleibe, den Vertrag verlängere oder etwas anderes mache. 

"David Wagner gibt uns sehr viel Input"

SPORT1: Ist David Wagner noch der richtige Trainer für Schalke?

Suat Serdar: Er ist der richtige, ja! David Wagner gibt uns sehr viel Input. Wir haben bereits mehrfach gezeigt, dass wir mit ihm Erfolg haben können. Für das Verletzungspech in der vergangenen Saison konnte der Trainer ja nichts. Er ist nach wie vor der richtige Trainer für Schalke. Er kann uns voranbringen. Mit Werner (Leuthard, Leiter Perfomance Lizenzspieler, Anm.d.Red.) haben wir jetzt auch jemanden dazubekommen, der auf uns aufpasst, damit wir uns keine Verletzungen zuziehen. Er arbeitet sehr intensiv mit uns.

SPORT1: In welchen Punkten müssen Sie sich persönlich noch verbessern?

Suat Serdar: Auf jeden Fall in Sachen Assists.

SPORT1: Nur ein Tor haben Sie in 71 Bundesliga-Spielen für Mainz und Schalke direkt vorbereitet.

Suat Serdar: Ich bin einer, der eher den zweiten Pass vor dem Tor spielt. Ich will in Zukunft auf jeden Fall mehr Vorlagen geben. Für mich ist aber ebenfalls wichtig, dass ich auf meinen Körper aufpasse und verletzungsfrei bleibe. Ich möchte vor allem das in den Griff bekommen.

SPORT1: Wie wollen Sie das schaffen?

Suat Serdar: Ich habe meine Ernährung umgestellt. In meiner Berateragentur und auch bei Schalke haben wir gute Ernährungsberater, die einem helfen. Ich habe viel genascht und habe jetzt damit aufgehört. Ich ernähre mich seit einigen Monaten sehr gesund.

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