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München - Uli Hoeneß und der Doppelpass - das war seit jeher ein hochexplosives Gemisch. Die Auftritte des heutigen Bayern-Ehrenrpäsidenten haben längt Legendenstatus.

Eine Institution feiert Jubiläum!

Am Sonntag wird der CHECK24 Doppelpass 25 Jahre alt und begrüßt in seiner Sendung ab 11 Uhr (25 Jahre CHECK24 Doppelpass Sonntag ab 11 Uhr LIVE im TV und auf SPORT1) unter anderem den langjährigen Bayern-Manager Uli Hoeneß.

Zum Erfolgsformat von SPORT1 gibt es jede Menge zu erzählen. Daher ist zum Jubiläum auch das passende Buch "Doppelpass: Geschichten rund um die Kultsendung" im Werkstatt-Verlag erschienen (ISBN-13: 978-3730705162, Kaufpreis 19.90 Euro).

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In der Geschichte des Doppelpass haben die Auftritte von Hoeneß längst Legendenstatus, wie ein Kapitel des Buches ausführlich beschreibt.  

Dass der heutige Ehrenpräsident des FC Bayern stets für hohen Unterhaltungswert sorgte, liegt vornehmlich an "seinem" Verein. "Wenn er seinen FC Bayern attackiert fühlt, dann ist er wie eine Löwenmutter, die ihre Jungen verteidigt", sagte Udo Lattek mal und traf den Nagel auf den Kopf. 

"Was haben Sie gegen den FC Bayern?"

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Hoeneß und der Doppelpass - das sind über zwanzig Auftritte, diverse Telefonanrufe, großartige Rededuelle, ein Feuerwerk an Sprüchen und ein Beginn, den der damalige Moderator Rudi Brückner als "Quantensprung an Glaubwürdigkeit" für den Sender bezeichnete. Das war im April 1996 und der Doppelpass noch in seiner Anfangsphase.

Ständig hatte Brückner das Verhalten der Bayern kritisiert, bis Hoeneß der Kragen platzte, er zum Telefonhörer griff und Brückner anrief: "Was haben Sie gegen den FC Bayern?", lautete die Frage und Brückners Antwort: "Wenn Sie nicht mit uns reden, reden wir über Sie." Hoeneß hatte verstanden und saß am nächsten Sonntag in der Talkrunde.

Aber es gibt auch den anderen Hoeneß. Den spontanen, den explosiven. Spektakulär war der Anruf mitten in der Kokain-Affäre um Christoph Daum. Hoeneß selbst hatte die Diskussion mit einem Interview ins Rollen gebracht ("Wenn das stimmt, was da kolportiert wird, das mit dem verschnupften Daum …") und erlebte anschließend einen Spießrutenlauf, der bis zu Morddrohungen reichte und einem abgesperrten Münchner Flughafen, als eine Autobombe am Auto von Hoeneß angekündigt war.

Die Runde diskutierte also heftigst über das höchste deutsche Traineramt, das Daum im Sommer 2001 antreten sollte. Uli Hoeneß verfolgte die Runde zu Hause vor dem Bildschirm, bis ihm der Kragen platzte, er zum Telefonhörer griff und sich in die Live-Sendung durchstellen ließ.

Hoeneß tritt die Daum-Affäre los

Es folgten emotionale Worte im Stakkato, die für Aufsehen sorgten: "Es kann nicht sein, dass die Diskussion zu der Quintessenz kommt, dass es kein Problem ist, wenn ein Bundestrainer drogenabhängig ist. Wenn diese Meinung in diesem Land vorherrscht, will ich damit nichts mehr zu tun haben. Auf Wiederschaun."

Worte, die in der Runde Betroffenheit auslösten. Keiner fühlte sich angesprochen, aber keiner konnte Hoeneß widersprechen. Wie wir wissen, hat sich Daum später selbst mit einer Haarprobe des Drogenkonsums überführt, flüchtete Hals über Kopf aus Leverkusen und trat das Amt des Bundestrainers niemals an.

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Die Affäre Daum, die später auch noch die Gerichte beschäftigte, war der vielleicht größte Aufreger in der 25-jährigen Doppelpass-Geschichte und lieferte den meisten Gesprächsstoff - mit Uli Hoeneß mittendrin. Es gab aber auch launige Auftritte des Uli H. im Doppelpass.

Unvergessen ist sein Rededuell mit Udo Lattek, als Oliver Kahn wegen einer Partie Golf und eines späten Disco-Besuchs in die (negativen) Schlagzeilen rückte und der Manager seinen Torwart-Titan wortreich zu verteidigen versuchte. Da wurde es persönlich, obwohl der Trainer Lattek einst den Jugend-Nationalspieler Hoeneß zum FC Bayern geholt hatte und die beiden ein inniges Trainer-Spieler-Verhältnis pflegten.

Matthäus "nicht mal Greenkeeper"

"Auch du, Udo, hast in deinen Kolumnen Gift versprüht, das war nicht alles okay. Du teilst aus, bist aber nicht bereit einzustecken." Was ein Lattek natürlich nicht auf sich sitzen ließ. "Ich erwarte nicht viel von dir, aber bitte Respekt. Ich bin unabhängig, habe meine freie Meinung und lasse mir nicht den Mund verbieten, auch nicht von dir."

Die öffentlichen Giftpfeile wurden bereits in der nachfolgenden Werbepause begraben. Nein, dem Uli konnte man nicht böse sein, ein Lattek schon gar nicht. "Wenn ich schwer krank wäre und würde Uli anrufen, er würde helfen."

Die Branche kennt Hoeneß, die Spieler kennen ihn, sie wissen um sein großes Herz und um seine Impulsivität, die manchmal unterhaltsam, oft aber auch emotional treffend Situationen beschreibt, die ihm gegen den Strich gehen.

Lothar Matthäus, bis ins Jahr 2000 selbst in Diensten des FC Bayern und mit sieben Meistertiteln dekoriert, dazu mit 150 Länderspielen Deutschlands Rekordnationalspieler, musste sich im November 2002 diesen Spruch gefallen lassen. "Solange ich und der Kalle Rummenigge etwas zu sagen haben, wird der nicht mal Greenkeeper im neuen Stadion."

Die beiden Alphatiere haben sich längst ausgesprochen, aber einen Bayern-Job hat Matthäus trotzdem bis heute nicht erhalten.

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