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Borussia Dortmund zeigt zum Saisonstart zwei Gesichter. Das lässt befürchten, dass der BVB auch in dieser Saison in zwei Gefühlswelten leben wird.

Schon nach drei Spieltagen sind die beiden Gefühlswelten allgegenwärtig, die Borussia Dortmund nun schon eine ganze Weile begleiten. 

Zum Auftakt fegte der BVB im Borussen-Duell die ambitionierten Gladbacher mit 3:0 vom Rasen des Signal Iduna Park. In den darauffolgenden Tagen wurden von einigen Fußball-Fans und -Experten bereits wieder Lobeshymnen auf die Schwarz-Gelben gesungen und ein spannendes Meisterschaftsrennen prognostiziert. Doch dann zeigte sich wieder das zweite Gesicht der Mannschaft. 

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Beim FC Augsburg unterlagen die Dortmunder mit 0:2 - nur um dann zu Hause den SC Freiburg mit einem 4:0-Sieg zurück in den Breisgau zu schicken. Das große Problem der Borussia, dass sie seit einigen Jahren begleitet, es verfolgt sie weiterhin.

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Die eklatanter Auswärtsschwäche des BVB

Denn dass der BVB in den vergangenen Spielzeiten niemals die Meisterschaft holen konnte, hat einen relativ leicht auszumachenden Grund: die eklatante Auswärtsschwäche. 

Seit Sommer 2015, also in den letzten fünf Jahren, holte Dortmund in der Fremde unglaubliche 55 Punkte weniger als der große Rivale FC Bayern. Im Schnitt sind das elf Punkte pro Saison - eine Hypothek im Kampf um die Schale, die bei der Konstanz der Münchner kaum auszugleichen ist. 

Bei den Heimspielen holten die Dortmunder in diesem Zeitraum lediglich 17 Punkte weniger. In drei der fünf Spielzeiten waren sie den Bayern sogar ebenbürtig.  

Auch in der Hinrunde der letzten Saison - als der FCB schwächelte - ließ der BVB auswärts entscheidende Punkte liegen und konnte die Schwächephase des späteren Triplesiegers nicht nutzen.

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Das Team von Lucien Favre schwächelte bei Union Berlin (1:3), dem SC Freiburg (2:2), Schalke (0:0) und der TSG Hoffenheim (1:2). Alles Auswärtsspiele, die der FC Bayern in der vergangenen Spielzeit gewinnen konnte. 

Zorc: Ähnliche Probleme wie in vergangenen Jahren

Auffällig ist, dass die Borussia auch in den Jahren davor oftmals bei Teams aus den unteren Tabellenregionen patzte. 

"Es ist das Spiel eingetreten, vor dem wir gewarnt und das wir in den vergangenen Jahren das eine oder andere Mal in ähnlicher Form gesehen hatten", räumte BVB-Sportdirektor Michael Zorc nach der Niederlage in Augsburg in der WAZ ein. "Wir haben Probleme, wenn wir auf solche extrem tiefstehenden Gegner treffen, die dann auch noch körperlich extrem robust sind und das gut machen. Wir hatten 80 Prozent Ballbesitz, haben aber nicht die richtigen Mittel angewendet."

Die Borussia hätte "mehr Spieltempo benötigt", bemängelte Zorc. "Wenn der Gegner so massiv verteidigt, musst du sehr schnell verlagern, direkt spielen, das Tempo hochhalten, bis sich eine Lücke auftut."

Spielstatistiken bestätigen die zwei Gesichter

Die Pleite in Augsburg dürfte alle Fans der Schwarz-Gelben auf besondere Weise beunruhigen. Denn die Dortmunder konnten sich trotz 72 Prozent Ballbesitz keine einzige Großchance herausspielen. Die 16 Torschüsse blieben allesamt harmlos. 

Zum Vergleich: In den beiden Heimspielen brauchten Shootingstar Erling Haaland und die restliche Offensive des BVB weniger als vier Torschüsse für einen Treffer. 25 Torschüsse führten zu sieben Torerfolgen. Favres Mannschaft erspielte sich fünf Torchancen, von denen vier genutzt wurden. Die übrigen Treffer entstanden aus Standards. 

Zu Hause gewann der BVB zudem 55 Prozent der Zweikämpfe. In Augsburg nur 51 Prozent. Auch bei den gelaufenen Kilometern der Akteure klafft eine große Lücke. Gegen Gladbach liefen die Schwarz-Gelben zusammen 114,7 Kilometer, gegen Freiburg sogar 117,7. In Augsburg waren es hingegen nur 112,2 und satte 11,4 Kilometer weniger als die Fuggerstädter zurücklegten (Quelle: Deltatre). 

Die kalten Fakten sprechen eine klare Sprache. Sie lassen zu Saisonbeginn befürchten, dass Borussia Dortmund auch in dieser Spielzeit in zwei Gefühlswelten lebt. Falls der BVB das Auswärts-Gesicht nicht abstreifen kann, dann wird es wohl auch in dieser Saison nicht für die Meisterschaft reichen. 

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