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Dortmund - Borussia Dortmund verlängert mit dem Lizenzspieler-Chef bis 2022. Die Vertragslaufzeit legt eine anschließende Beförderung des ehemaligen Nationalspielers nahe.

Die kleine Hürde nahm Sebastian Kehl ohne Probleme. Mit einem eleganten Sprung hopste der noch immer fitte Ex-Profi über die Bande, um dann auf dem Trainingsplatz die Position vor den TV-Mikrofonen einzunehmen.

Der 40-Jährige war am Dienstagnachmittag ein gefragter Mann in Dortmund-Brackel, was auch an seiner vorzeitigen Vertragsverlängerung als Leiter der BVB-Lizenzspielerabteilung liegt. Der Pott-Klub gab am Montag wie erwartet bekannt, dass man Kehls Arbeitspapier bis zum 30. Juni 2022 ausgedehnt hat.

"Es war ja keine Überraschung mehr", sagte Kehl. "Ich freue mich darüber. Wir hatten gute Gespräche. Ich habe auch immer wieder klar gemacht, dass ich gewisse Vorstellungen habe. Die haben wir jetzt nochmal übereinandergelegt. Wir haben um ein Jahr verlängert, sodass die sportlich-strategische Ausrichtung des BVB bis 2022 steht."

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In zwei Jahren kommt es in der Chefetage des achtmaligen Deutschen Meisters dann allerdings zum großen Stühlerücken.

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Denn: Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke (Vertrag bis 31. Dezember 2022) wird womöglich das Amt des Präsidenten von Dr. Reinhard Rauball übernehmen und Michael Zorc nach dann 24 Jahren als Sportchef in Rente gehen.

Kehl soll Zorc, so der interne Plan am Rheinlanddamm, dann beerben. Die große Frage, die sich viele Fans, aber auch Verantwortliche in Dortmund vor diesem Hintergrund stellen, ist: Kann er das?

Zorc hat Borussia Dortmund geprägt

Zorc hat die Borussia schließlich geprägt wie kein Zweiter. Seit 1998 arbeitet der BVB-Rekordspieler (463 Bundesligaspiele) nun schon als Sportdirektor und führte den einstigen Krisen-Klub dank einer klugen Transfer-Politik zusammen mit Watzke (seit 2005 in Amt und Würden) zur zweiten Kraft in Deutschland.

In den vergangenen 22 Jahren summiert sich das Gesamtvolumen aus Einnahmen und Ausgaben für Zorc-Transfers auf knapp 1,7 Milliarden Euro.

Vor allem wartet der heute 58-Jährige, der in der Vergangenheit das eine oder andere Angebote aus der Premier League ausgeschlagen hat, mit einem gigantischen Netzwerk innerhalb der nationalen und internationalen Fußball-Branche auf. Zorc gilt zudem als knallharter Verhandler.

Es gibt also gewiss einfachere Aufgaben, als in Zorcs große Fußstapfen zu treten.

Watzke: "Beziehen Kehl noch enger ein"

"Wir sind sehr zufrieden mit Sebastian und werden ihn ab sofort noch enger in alle sportlichen Entscheidungsprozesse einbeziehen", sagt Watzke deshalb. Und Zorc betont, "dass wir vom ersten Tag an sehr vertrauensvoll miteinander gearbeitet haben".

Kehl, der in Osthessen bei Fulda aufgewachsen ist, trägt die BVB-DNA in sich. Er wurde 2002 und 2011 Meister, holte 2012 das Double und stand 2013 im Champions-League-Finale. Kehl ist smart, eloquent, selbstbewusst und scheut auch interne Konflikte nicht.

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Nach seinem Karriereende im Sommer 2015 bildete sich der 40-Jährige fort, schloss ein Management-Studium bei der UEFA ab und machte die Trainer-Lizenz. Außerdem sammelte er berufliche Kenntnisse beim DFB und bei der DFL und arbeitete zwei Jahre lang als ZDF-Experte. Die TV-Präsenz hilft ihm, nach Spielen wortgewandt Rede und Antwort zu stehen.

Den neu geschaffenen Posten als Lizenzspieler-Chef bei seinem Herzensklub trat Kehl 2018 an. Der langjährige Mannschaftskapitän professionalisierte in dieser Zeit den Profi-Bereich und stellte neues Personal ein.

Kehl schafft neue Strukturen beim BVB

Der BVB hat seither beispielsweise einen festen Ernährungsberater, einen Sportpsychologen, einen Internisten und einen Integrationsbeauftragten. Kehl half auch mit, Ex-Teamkollege Otto Addo als Übergangstrainer für Talente zu engagieren.

Als permanenter Ansprechpartner für die Profis hält der Vize-Weltmeister von 2002 außerdem Zorc den Rücken frei. "Du muss immer vor Ort sein. Das konnte ich durch meine anderen Aufgaben nicht immer leisten", begründete Zorc damals Kehls Neu-Anstellung.

Auch bei Transfer-Entscheidungen hat Kehls Wort Gewicht. Er nimmt an den so genannten Elefantenrunde mit Watzke, Zorc und Berater Matthias Sammer teil und bringt seine fundierte Meinung ein.

Kehl hat die Kritiker überzeugt

Kehl hat allen voran auch durch seinen umsichtigen und souveränen Umgang während der Corona-Krise intern massiv an Profil gewonnen und auch die letzten Kritiker im Verein überzeugt.

Die nächsten Monate werden zu Kehl nun zu einer Art "Anschwitzen". Im Windschatten von Zorc soll er heranwachsen und sich weiterentwickeln.

Kann Kehl also Zorc? Auf die Frage nach einer Beförderung wich der 31-malige Nationalspieler aus: "Lassen wir die nächsten Monate kommen und bis 2022 denken. Es ist eine sehr herausfordernde Zeit für uns alle. Mir macht die Arbeit großen Spaß. Ich werde dann knapp 20 Jahre in diesem Klub sein. Das ist eine sehr, sehr lange Zeit. Ich habe Lust, dann auch weiterhin in diesem Klub zu arbeiten. Alles andere wird man dann sehen. Jetzt will ich mich auf das Hier und Jetzt konzentrieren. Wir haben aktuell genug Themen."

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