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München - Der FC Bayern hat auf wilde Transfers verzichtet und bleibt auch bei Vertragsverhandlungen eisern. Die Auswirkungen der Corona-Krise sind spürbar.

Die Corona-Krise hat auch die Finanzlage beim FC Bayern ins Wanken gebracht. Das berühmte Festgeldkonto der Münchner gibt es noch immer, aber Karl-Heinz Rummenigge machte im Interview mit der Bild am Sonntag keinen Hehl daraus, dass die monetären Ressourcen des Triple-Siegers nicht unerschöpflich sind.  

Zuletzt bestätigte Präsident Herbert Hainer, dass coronabedingt bis zu 100 Millionen Euro Einnahmen pro Saison fehlen könnten. Rummenigge fügte hinzu, dass in ganz Europa "jeder Klub zwischen 50 und in der Spitze 200 Millionen Euro in einer Saison” verliere. Pro Heimspiel ohne Zuschauer gehen den Münchnern bis zu vier Millionen Euro durch die Lappen.  

Welche Auswirkungen die Corona-Krise auf die Entwicklung des Fußballs hat, darüber wurde auch beim CHECK24 Doppelpass bei SPORT1 eifrig diskutiert.  

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"Das Finanzielle ist doch nur das Eine. Die Vereine müssen einfach kreativer werden, anders arbeiten", sagte Ex-Profi Daniel Baier, der bis zum Sommer Kapitän des FC Augsburg war.  

Was Baier meint: Vor allem personell stehen die Klubs vor gewaltigen Herausforderungen! 

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Wie coronafest ist der Kader des FC Bayern aufgestellt? SPORT1 gibt einen Überblick. 

Finanziell:

Die Bayern haben in der vergangenen Transferperiode sieben Neuzugänge verpflichtet. Ablösefrei kamen Alexander Nübel, Tanguy Nianzou und Eric Maxim Choupo-Moting. Rückkehrer Douglas Costa wurde ohne Gebühr von Juventus Turin ausgeliehen.  

Tief in die Tasche griffen die Bayern für Leroy Sané, der für rund 45 Millionen von Manchester City verpflichtet wurde. Marc Roca kam für kolportierte neun Millionen Euro von Espanyol Barcelona, Bouna Sarr für acht Millionen Euro von Olympique Marseille.  

Ausgaben von schätzungsweise 62 Millionen Euro (laut transfermarkt.de) steht nur der 22-Millionen-Euro-Verkauf von Thiago zum FC Liverpool gegenüber. Für Sven Ulreich (wechselte zum Hamburger SV) übernimmt der FCB bis zum 30. Juni 2021 über 80 Prozent seines Gehalts, welches bei etwa drei Millionen Euro liegen soll. Michael Cuisance (Marseille) und Adrian Fein (PSV Eindhoven), sowie viele weitere Talente wechselten zunächst auf Leihbasis.  

Eine Transferbilanz von minus 40 Millionen Euro ist im europäischen Spitzenvergleich immer noch gemäßigt. Die des FC Chelsea beträgt minus 171 Millionen Euro.  

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Die Bayern haben mit ihrem Transfergebaren unterstrichen, dass ein Entwicklungsjahr für Campus-Talente nicht vorgesehen ist. Zu groß ist noch immer die Gier nach Titeln. Deshalb wurde der Kader kurz vor Torschluss des Transferfensters derart in der Breite verstärkt, dass jede Position doppelt besetzt ist. Und zwar mit Spielern, die direkt auf höchstem Niveau performen können.

"Für mich hat Bayern sehr viel richtig gemacht, jetzt Backups zu verpflichten", sagte Leverkusens langjährige Manager Reiner Calmund im CHECK24 Doppelpass. "Mir erscheint das sehr sinnvoll", sagt auch SPORT1-Experte Marcel Reif. "Sie haben am Transfermarkt genau das gemacht, was sie machen wollten, um die nächsten Ziele anzugehen. Sie haben sich für den Rest der Konkurrenz punktgenau verstärkt." Mit Nübel, Sané, Nianzou und Roca haben die Münchner in die Zukunft investiert. 

SPORT1-Fazit: Der FC Bayern hat wirtschaftlich vernünftig gehandelt. Kai Havertz hätte man gerne verpflichtet, 80 Millionen Euro zu investieren stand für die Münchner aber nicht zur Debatte. Bei Sergiño Dest (jetzt FC Barcelona) hatten die Münchner das Nachsehen, weil sie sich ein Preislimit gesetzt hatten. Die Katalanen sollen für etwa 21 Millionen Euro Ablöse den Zuschlag erhalten haben. 

Bei Sané investierte der Rekordmeister, weil es der absolute Wunschtransfer war. Bleiben Zuschauereinnahmen in den kommenden Monaten aus, werden die Bayern mit großer Wahrscheinlichkeit auch zukünftig keine Unsummen auf dem Transfermarkt ausgeben.  

Vertraglich:

2021 laufen sechs Verträge aus. Die von Jérôme Boateng und Javi Martínez wurden bislang nicht verlängert. Die beiden Routiniers werden wohl spätestens kommenden Sommer ablösefrei gehen. Die Zukunft von Choupo-Moting und Ersatz-Keeper Ron-Thorben Hoffmann ist völlig offen. Costas Engagement ist, Stand jetzt, nur für diese Saison geplant.  

Spannend wird sein, ob David Alaba seinen im kommenden Jahr auslaufenden Vertag langfristig verlängert oder nicht. Sein zäher Vertrags-Poker ist die derzeit größte Baustelle im Bayern-Kader. "Mit Alaba und seinem Berater kann das problematisch werden, nämlich den zu überzeugen, dass er bleibt", sagt auch Calmund.

Noch viel spannender ist der Blick auf die auslaufenden Papiere im darauffolgenden Jahr.  

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2022 enden die Verträge von Leon Goretzka, Niklas Süle, Corentin Tolisso und Jamal Musiala. In nicht mal einem Jahr wird ihre Zukunft ein heißes Thema werden.  

Goretzka hat eine super Entwicklung genommen und kann sich einen Wechsel ins Ausland in seinem weiteren Karriereverlauf nach SPORT1-Informationen vorstellen. Süle, der sich erst vor kurzem der Agentur Sports Total angeschlossen hat, wird genau hinschauen, zu welchen Bezügen sein Innenverteidiger-Kollege Alaba verlängert, wenn er es denn überhaupt tut (So ist der Stand beim Alaba-Poker). Sein Jahressalär soll aktuell zwischen sechs und acht Millionen Euro pro Jahr betragen.  

Die Routinier-Achse um Manuel Neuer, Thomas Müller und Robert Lewandowski ist noch bis 2023 an den Verein gebunden. Ebenso die Stammspieler Serge Gnabry, Joshua Kimmich und Kingsley Coman, sowie Cheftrainer Hansi Flick.  

Die Franzosen Lucas Hernández, Benjamin Pavard und Nianzou haben Verträge bis 2024. Sané, Nübel, Roca und Alphonso Davies bis 2025.  

SPORT1-Fazit: Viele Leistungsträger haben noch langfristige Verträge. Die Verhandlungen mit den deutschen Nationalspielern werden eine Herausforderung. Daher wollen die Bayern in den Verhandlungen mit Alaba eisern bleiben, um für weitere Vertragsverhandlungen mit Süle und Co. ein Exempel zu statuieren.

Getreu dem Motto: "Das ist unser Angebot. Darüber gehen wir nicht hinaus." Die Obergrenze bilden die Gehälter von Neuer und Lewandowski, die beide um die 20 Millionen Euro pro Jahr verdienen sollen. Alaba fordert weit mehr als elf Millionen Euro Grundgehalt. Die Arbeit für Sportvorstand Hasan Salihamidzic wird nicht weniger.   

„Wenn wir heute sehen, Bayern hat ein Transfer-Minus nun gemacht von 50 Millionen, dann lass und da doch mal auf Chelsea schauen – da sind es 250 Millionen.  Mit Alaba und seinem Berater kann das allerdings problematisch werden, nämlich den zu überzeugen, dass er bleibt." 

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