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München - In seiner SPORT1-Kolumne äußert Marcel Reif Unverständnis über die Torhüterdiskussion beim BVB. Auch zum Auftritt von Schalke 04 beim Revierderby hat er eine klare Meinung.

Hallo Fußball-Freunde,

in Sachen Königsblau bin ich ehrlich gesagt etwas ratlos. Klar hat Schalke im Revierderby gegen den BVB über weite Strecken gut verteidigt, aber wo war der Offensivgeist? Sie waren gestern viermal im gegnerischen Strafraum.

Das Team von Trainer Manuel Baum hatte dazu ja auch kaum den Ball. Und wenn tatsächlich vorne mal einer reinfliegen soll, musst du auch in den Strafraum kommen.

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Man müsste sich den Mut von irgendwoher holen. Wenn man in die Gesichter nach einem Gegentor guckt… Das sind keine Typen, die Abstiegskampf gelernt haben. Und die sollen mitziehen? Man sah Nabil Bentaleb und Amine Harit an, dass da eine völlige Ratlosigkeit ist, nach dem Motto: 'Was soll ich machen'? Die sind verängstigt. Und 90 Minuten sind lang, wenn man sich gegen Dortmund hintenrein stellst. Mir fällt nichts mehr ein.

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Den Einsatz kann man den Schalker allerdings kaum absprechen. Alle sind guten Willens, Trainer Manuel Baum wird ihnen dazu eine gute Struktur geben. Aber den Willen hatten sie auch gestern.

Bürki-Diskussion kann ich nicht nachvollziehen

Gänzlich andere Probleme herrschen beim Revierrivalen BVB. Und die sind zu einem gewissen Teil hausgemacht, wie die Diskussion um Stammtorwart Roman Bürki. Ein Thema, das mich überrascht hat. Das einzige, dass ich aus den Gesprächen nach dem Spiel mitnehme: Michael Zorc sagt: 'Bürki ist unsere klare Nummer eins'. Fünf Minuten später sagt Lucien Favre: 'Jeder hat Konkurrenz. Mir gefällt die Frage nicht'. Da wird ein Thema aufgemacht, dass ich nicht nachvollziehen kann.

Ich weiß nicht, was Favre da reitet, es kann gute Gründe geben. Das Thema kommt aus dem Nichts. Ob Favre sich damit einen Gefallen tut nach Spielen wie bei Lazio, weiß ich nicht.

Außerdem kann man trotz des erfolgreichen Derbys nicht einfach über die Niederlage in der Champions League bei Lazio Rom hinwegsehen. Sie wurden nicht von einer Super-Mannschaft auseinandergenommen. Die erste Halbzeit war unsäglich, so kann man Champions League nicht spielen – nicht mit den Qualitäten, die diese Mannschaft hat.

Lewandowski ist ein Irrer

Das Konfliktpotenzial, das sich Favre mit der Bürki-Baustelle schafft, ist groß. Favre ist ein wunderbarer Ausbilder, ein toller Typ, ich schätze ihn über die Maßen. Doch bei der Gemengelage in Dortmund macht er sich ein Torhüter-Thema auf, wo der Sportdirektor öffentlich das eine und der Trainer das andere sagt. Das halte ich für gefährlich.

Tief beeindruckt bin ich von der Leistung von Robert Lewandowski beim FC Bayern München. Der ist ein Irrer wie Cristiano Ronaldo. Den kannst du nicht unter normalen Maßstäben betrachten. Flick war außer sich vor Vergnügen, als er erzählte, Lewandowski wolle ausgewechselt werden. Der will spielen, will diese Rekorde, der braucht das.

Allerdings sehe ich auch einen Wandel beim Polen. Vor zwei, drei Jahren hatte der teilweise eine Körpersprache, wenn der Ball nicht zu ihm kam, hat er das sehr deutlich gemacht. Heute sagt er, ihm mache es auch Spaß, Bälle aufzulegen.

Bis demnächst,
Euer Marcel Reif

Marcel Reif ist nach rund 1.500 kommentierten Spielen eine Reporter-Legende. Für seine Arbeit erhielt Reif unter anderem den "Grimme Preis", den "Deutschen Fernsehpreis" und den "Bayerischen Fernsehpreis". Seit Sommer 2016 begleitet Marcel Reif als Experte den CHECK24 Doppelpass auf SPORT1.

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