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Mats Hummels ist die prägende Figur beim BVB. Die Jagd nach Titeln gestaltet sich in seiner Wohlfühloase aber schwierig, meint SPORT1-Kolumnist Tobias Holtkamp.

Die Vergleiche von Mats Hummels mit ganz Schalke 04 haben schon Schmunzel-Potenzial.

Während der Abwehrchef des BVB an den vergangen beiden Bundesliga-Spieltagen drei Tore erzielte, kommt der "geliebte" Reviernachbar in der laufenden Saison ebenfalls auf diese Anzahl an Treffern - als gesamte Mannschaft.

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Es läuft für Mats Hummels in Dortmund. Klingt abgedroschen, ist aber ja so: Er organisiert hinten und trifft vorne. Er ist der unumstrittene Anführer, jeder auf dem Platz akzeptiert ihn als Instanz, als Wortführer unter der Woche genauso. Hummels ist auch mit seinen Chefs auf Augenhöhe, mit Sebastian Kehl, dem Chef des Lizenzbereichs, spielte er viele Jahre zusammen, sie sind befreundet.

Auch zu Sportdirektor Michael Zorc und Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke pflegt er einen ebenso engen wie direkten Draht. Das Verhältnis zu Chef-Berater Matthias Sammer ist von Respekt geprägt, Sammer setzte sich 2019 für eine Rückkehr ein, nennt ihn "Leader" und "den besten deutschen Innenverteidiger".

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Titelfresser? Hummels wählt anderen Weg

Und doch hat Hummels mit dem Schritt zurück ins vertraute schwarzgelbe Lieblingsland eine Entscheidung getroffen, die von Titelfressern, wie sie in der obersten Etage des Berufsfußballs zahlreich vertreten sind, auch kritisch gesehen wird: Für große Erfolge, so kann man es sehen, hätte Hummels bei den Bayern bleiben müssen.

Die Verantwortlichen des deutschen XXL-Klubs wollten ihn im Sommer 2019 nicht verkaufen - sie wollten und konnten Hummels nur keinen, so weit man im Spitzenbereich denn überhaupt davon sprechen kann, Stammplatz garantieren.

Als er sie dann um Gespräche mit Borussia Dortmund bat, dem Verein, der Hummels die gewünschte Position und Rolle bieten konnte, gingen die Münchner darauf ein - natürlich auch, weil sie für den damals schon über 30-Jährigen eine Ablösezahlung von zumindest 30,5 Millionen Euro erhielten. Hummels wurde zum teuersten Ü30-Transfer der Bundesliga.

Hummels verpasst Krönung in der Königsklasse

Im Jahr eins nach Hummels gewann Bayern nicht nur das Triple, sondern vor allem die Champions League - eine Trophäe, die er schon häufiger als eines seiner großen Ziele genannt hatte.

Der FC Bayern scheint schlagkräftiger aufgestellt denn je, zählt auch in dieser Saison wieder zum Kreis der absoluten Top-Favoriten auf Europas Fußballkrone. Im Sommer holten sie noch den europäischen Supercup, es gibt international, so macht es den Eindruck, kein Team, das die Bayern überragt. Die Bundesliga-Meisterschale gilt in München fast schon als gebucht.

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Natürlich ist es müßig zu diskutieren, ob Hummels bei den Bayern etwas mehr Ausdauer, Geduld oder auch Durchsetzungsvermögen gut zu Gesicht gestanden hätte. Trainer Niko Kovac, mit dem er so seine Problemchen hatte, ging nur drei Monate nach ihm. Mit Hansi Flick und Hummels, meinen viele bei den Bayern, die beide kennen, hätte es gut funktionieren können. 

Titel mit dem BVB sind sicher wertvoller, weil nicht so leicht zu gewinnen. Und Hummels hat auf sein Herz gehört, sein Vertrag in Dortmund ist zudem auch herausragend. Alles Punkte, die für ihn sprechen.

Die Not zum Wechsel bestand dennoch nicht. Und der Weg zum absoluten Leader auch beim FC Bayern - inklusive einiger Trophäen - war nicht so steinig, wie es sich Hummels im Sommer letzten Jahres vielleicht noch ausgemalt hat.

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