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Dortmund - Borussia Dortmund steckt in der Krise. Auch der Trainer Wechsel zu Edin Terzic zeigt noch keine Wirkung. SPORT1-Kolumnist Tobias Holtkamp ist davon nicht überrascht.

Borussia Dortmund steht vor einem der sportlich härtesten Halbjahre überhaupt. Der Druck ist massiv auf den BVB. Trainer Lucien Favre wurde entlassen, weil die Saison den Dortmundern aus den Händen zu gleiten schien. Das "Erreichen unserer Saisonziele" sah Sportdirektor Michael Zorc unter Favre "stark gefährdet".

Zwei Bundesliga-Spieltage weiter hat der BVB zwar in Bremen gewonnen, aber auch bei Union Berlin verloren. Und wirklich nicht gut gespielt. Die spielerischen Möglichkeiten, die der erstklassige Dortmunder Kader bietet, waren auf dem Rasen nicht auffindbar. Ohne dem weiteren Saisonverlauf vorzugreifen lässt sich festhalten: Ein fußballerischer Krampflöser war der Trainerwechsel beim BVB vor Weihnachten nicht. (Spielplan der Bundesliga)

SPORT1 zeigt in der zweiten Runde des DFB-Pokals das Duell zwischen Borussia Dortmund und Eintracht Braunschweig am 22. Dezember ab 18 Uhr LIVE im TV und im STREAM

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Leipzig und Leverkusen sind Dortmund enteilt

Mit mittlerweile acht Punkten Rückstand auf Platz eins gehen die Schwarzgelben in die kurze Pause. Der Gewinn der Meisterschaft scheint dieses Mal schon nach Spieltag 13 außer Reichweite, zumal auch die Mitbewerber ordentlich aufgeholt haben.

Schnellen und vermeintlich modernen Fußball, mit einer starken Balance aus Absicherung und überfallartigem Angriffsspiel, bieten vor allem Leipzig (mit Dortmunds Wunschtrainer von 2018, Julian Nagelsmann) und Leverkusen (mit Dortmunds Ex-Trainer von 2017, Peter Bosz). Auch Wolfsburg spielt konstant auf hohem Niveau und steht vor dem BVB. (Tabelle der Bundesliga)

Wo Borussia Dortmund - im direkten Vergleich mit den anderen Top-Klubs - zum Jahresende vorne liegt, ist der Bereich Unruhe. Wenn ein autoritärer Chef wie Favre mitten im laufenden Betrieb ausgetauscht wird, macht das immer auch etwas mit den Angestellten und ihrem Verhältnis untereinander.

Hierarchien werden neu sortiert, Rangordnungen bilden sich um. Wer kann gut mit wem? Wer hat welchen Draht zu den Mitgliedern des neuen Trainerteams? Und wer war vielleicht Liebling des geschassten Chefs und ist nun erst einmal außen vor?

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BVB-Coach Terzic fehlt die Erfahrung als Cheftrainer

Die Aufgabe für Edin Terzic wird eine maximale Herausforderung. So sehr Fachmann der neue Coach, wahrscheinlich ja eine Übergangslösung, auch ist, so gut er als Co-Trainer gearbeitet und die Spieler auf kommende Aufgaben vorbereitet hat, was ihm wirklich alle Gefragten bescheinigen - so sehr fehlt ihm eine in der bevorstehenden Phase entscheidende qualitative Erfordernis: Erfahrung.

Terzic hat noch nie eine Herrenmannschaft als Cheftrainer geführt. Die erste Reihe, der maximale Fokus auf jede seiner Handlungen und Entscheidungen, die nun allesamt von Fans und Medien diskutiert und bewertet werden, ist neu für ihn.

Er ist 38, voller Energie und innovativer Ansätze, das sagen seine Wegbegleiter. Doch er war noch nie bei einem Profiteam in der Verantwortung. Und nun direkt der BVB? Mitten in einer Krise, mitten im Druck, ohne eine Vorbereitung? Ich halte Terzic für einen der interessanten deutschen jungen Trainer - aber in der aktuellen BVB-Situation nicht für die richtige Wahl.

Sancho, Haaland und Co.: Dortmund ist schwierig zu organisieren

Es geht ja auch um den Glauben der Mannschaft an den Trainer, an sein Können. Ja, sie schätzen und mögen Terzic, sehr sogar. Mats Hummels hat der Terzic-Idee zugestimmt, als ihn die Chefs damit konfrontierten. Sie trauen es ihm alle zu. Doch es geht auch um die Ausstrahlung eines Vorgesetzten. Was er da sagt, hat das einen Hintergrund? Eine Berechtigung? Was hat er denn schon alles erlebt und: Hat er gezeigt, dass er das kann, was er da predigt?

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Der Dortmunder Kader ist eine Herausforderung. Gespickt mit spannenden Typen, die alle herausragend verdienen -  die zunächst aber ihre eigene Situation und Karriere im Blick haben. Diese Auswahl von begehrten Supertalenten und erfahrenen Vollprofis zu organisieren und anzuleiten, ist ein komplexer Teil der schwierigen Dortmunder Gesamt-Aufgabe mit Champions League, Bundesliga und Pokal.

Hoffentlich kommt der junge Edin Terzic in dieser maximal fordernden Situation zurecht. Damit rechnen sollte niemand.

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