Lesedauer: 4 Minuten
teilenE-MailKommentare

München - Hansi Flick stellt sich in der aufkeimenden Debatte um Leroy Sané vor seinen Schützling. Er wirkt entschlossen, ihm die Nestwärme zu bieten, die unter Guardiola ausblieb.

Hansi Flick war dieser Punkt besonders wichtig, das war schon bei den einleitenden Worten zu bemerken.

"Ich möchte eins über ihn sagen", holte der Trainer des FC Bayern München bei der Pressekonferenz vor dem kommenden Bundesliga-Spiel bei Union Berlin – um sich dann in der aufkeimenden Debatte um die Leistungen von Leroy Sané in aller Deutlichkeit zu positionieren.

Mit einem engagierten Appell nahm er den Königstransfer des Rekordmeisters vor dessen Kritikern in Schutz. Verwies auf die Verletzungen, die er zuletzt zu überwinden hatte. Machte klar, dass aus seiner Sicht alles nach Plan mit dem früheren Schalker laufe. Dass schon jetzt eine „enorme Steigerung“ zu beobachten sei.

Anzeige

DAZN gratis testen und die Bundesliga auf Abruf erleben | ANZEIGE 

Es war eine deutliche Ansage diejenigen, die daran zweifeln, dass Sané bei Bayern seinen Weg machen wird. Eine Rückendeckungs-Aktion, die der für seine Menschenkenntnis oft gelobte Flick offensichtlich gerade für geboten hält.

Flick gibt Sané Rückendeckung 

Und die nebenbei auch den Blick darauf lenkt, was er und sein Klub mit Sané anders und besser machen wollen als Pep Guardiola bei Sanés vorherigem Klub Manchester City.

Auch interessant

Guardiola schien von den Qualitäten des Flügelstürmers nicht gleichermaßen überzeugt, seine üblichen öffentlichen Lobesbekundungen wirkten oft pflichtschuldig und kühl. Dass er am Ende der Saison 2018/19 in der heißen Phase der Champions League nicht auf ihn setzte, war ein entscheidender Auslöser für Sanés Wechselwunsch.

Flick wirkt nun entschlossen, Sané mehr Nestwärme zu bieten, gerade auch vor dem Hintergrund kritischer Stimmen, die zuletzt aufgekommen sind.

Im CHECK24 Doppelpass auf SPORT1 nannte Experte Alfred Draxler Sanés bisherigen Saisonverlauf eine "kleine Enttäuschung". Nach dem 3:3 im Topspiel gegen RB Leipzig, bei dem Sané vorzeitig ausgewechselt wurde, bemängelte auch Bayerns Ex-Kapitän Stefan Effenberg bei SPORT1 Defensivverhalten und Körpersprache Sanés.

Es sind Kritikpunkte, die Sané schon länger begleiten, man denke auch zurück an seine Ausbootung durch Joachim Löw vor der WM 2018 oder auch die Skepsis von Bayerns Trainer-Idol Jupp Heynckes ("Wird er weiter hart an sich arbeiten, oder wird er weiterhin nur ein ganz außergewöhnliches Talent sein?")

Hainer: "Sind alle von seinem Potenzial überzeugt"

Nicht nur Flick stellt sich nun vor Sané, im SPORT1-Interview sagt auch Präsident Herbert Hainer: "Wir sind im Verein alle von seinem Potenzial überzeugt. Er hat geniale Dinge an sich."

Flick betont derweil auffällig, dass er bei Sané auch keine Einstellungsmängel sieht, preist ihn als "sehr selbstkritischen Spieler und Menschen, der zuletzt eine gute Entwicklung genommen hat".

Löws ehemaliger DFB-Assistent verwies auch auf die Verletzungsgeschichte Sanés und sein Verständnis dafür, dass Sané ähnlich wie vor ihm Flügelkollege Kingsley Coman noch "Vertrauen in den eigenen Körper" zurückgewinnen müsse.

Bekanntermaßen verzögerte im Sommer 2019 ein Kreuzbandriss den Transfer, nach seiner Ankunft in München wurde Sané von einer Kapselverletzung noch einmal zurückgeworfen.

Coman als Vorbild für Sané

Flick führte Sané wochenlang mit Kurzeinsätzen wieder heran, in den nicht mehr entscheidenden Champions-League-Partien gegen Atlético Madrid und Lokomotive Moskau erhöhte er zuletzt die Schlagzahl.

Drei Tore und drei Vorlagen in acht Ligaspielen für Bayern sind unter diesen Umständen keine schlimme Bilanz, wenngleich auch Hainer einräumt, dass Luft nach oben ist ("Ich glaube, dass Leroy Sané deutlich mehr kann").

Flicks öffentliche Streicheleinheiten sind Teil des Aufbauprogramms – und Bayern kann sich auch berechtigte Hoffnungen machen, dass er der richtige Mann am richtigen Ort ist, um Sanés Potenzial auszuschöpfen.

Der CHECK24 Doppelpass am Sonntag ab 11 Uhr im TV auf SPORT1

Sanés Flügelkollege Kingsley Coman, der ebenfalls schwere Verletzungen und Vertrauensverlust in den eigenen Körper hinter sich hat, hat Flick schon in etwa an den Punkt gebracht, an den er Sané noch bringen will.

Und generell hat Bayern schon in der Vergangenheit gute Erfahrungen gemacht, Vertrauen und Pflege in hoch veranlagte Flügelspieler zu investieren, die anderswo abgeschrieben worden waren. Auch Franck Ribéry und Arjen Robben hatten oft mit Verletzungen und mit dem Ruf als nicht ganz einfache Charaktere zu kämpfen. Das Vermächtnis, das sie Bayern hinterlassen haben, ist bekannt.

Nächste Artikel
previous article imagenext article image