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Freiburg - Nils Petersen und der SC Freiburg reiten auf der Erfolgswelle. Vor dem Duell beim FC Bayern spricht er im Interview über die Siegesserie und seine Jokerrolle.

Der SC Freiburg ist die Mannschaft der Stunde in der Bundesliga. Fünf Siege in Serie haben das Team aus dem Tabellenkeller auf Rang acht katapultiert. 

Nun wartet das Duell beim FC Bayern auf die Breisgauer. (Bundesliga: FC Bayern - SC Freiburg am Sonntag ab 15.30 Uhr im LIVETICKER)

Vor dem Gastspiel beim Rekordmeister spricht Stürmer Nils Petersen bei SPORT1 über den Freiburger Höhenflug, Belohnungen für Erfolge und seine Rolle als Joker.

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Denn: Im Angriff hat Ermedin Demirovic dem Ex-Nationalspieler trotz dessen fünf Treffern den Rang abgelaufen. 

Für Petersen ist das aber kein Problem. Der 32-Jährige berichtet von unbekannten Glücksgefühlen.

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SPORT1: Herr Petersen, Trainer Christian Streich hat gesagt, die Siegesserie bedeute ihm nichts. Wie ist es bei Ihnen? 

Nils Petersen: Mir bedeutet das schon etwas, weil ich das auch noch nicht erlebt habe. Ich bin jetzt auch schon ein paar Jahre hier in Freiburg und auch in der Bundesliga. Fünf Siege am Stück sind mir persönlich noch nicht gelungen. Deshalb nehme ich das schon wahr und genieße auch den Moment. 

SPORT1: Was bedeutet es Ihnen genau? 

Petersen: Es gibt einem ein gutes Gefühl. Ich kann nicht sagen, dass ich gerade unglücklich zuhause sitze. Bei Fußballern ist die Stimmung unter der Woche oft vom Ergebnis abhängig. Das tut auch in diesen schweren Zeiten dem Kopf gut. 

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Petersen: "Man bestellt sich nach Siegen mal eine Pizza oder trinkt Bier"

SPORT1: Wie sehen Siegbelohnungen im Hause Petersen denn so aus? 

Petersen: Man versucht, an die frische Luft zu gehen, mal nicht an Fußball zu denken. Das ist schwer genug, aber mal ausschlafen, später frühstücken, Dinge unternehmen, die sonst im Alltag ein bisschen untergehen. Aufgrund der hohen Trainingsintensität kommt eine große Wanderung nicht in Frage. Eher wenn dann mal ein paar Tage frei sind. 

SPORT1: Aber so eine richtige Belohnung nach Siegen gibt's bei Ihnen nicht? 

Petersen: Man bestellt sich schon mal eine Pizza, trinkt ein Bier oder ein Glas Wein. Das ist nach einem Sieg einfacher als vor einem Spiel. 

SPORT1: Welche Erklärung haben Sie für den Freiburger Höhenflug? 

Petersen: Wir hatten einen schwierigen Start mit acht, neun sieglosen Spielen. Dann hatten wir ein ganz wichtiges Spiel gegen Bielefeld und haben es gewonnen. Vorher hatten wir gegen Augsburg und Gladbach zweimal gut gespielt, aber nicht gewonnen. So konnten wir entspannter nach Schalke fahren, die ein paar Tage zuvor in letzter Sekunde den Ausgleich bekommen hatten. Unsere Dreierkette gibt uns aktuell sehr viel Sicherheit. Es ist schwer, gegen uns ein Tor zu erzielen. Vorne sind wir unfassbar effektiv, ich glaube die effektivste Mannschaft der Liga. Das spiegelt sich in den Ergebnissen wider. (Tabelle der Bundesliga)

Petersen: Gulde, Schlotterbeck und Lienhart in Topform

SPORT1: Wie viel macht die Systemumstellung von Viererkette auf Dreierkette aus? 

Petersen: Wir haben das schon ein paar Mal versucht, aber so stabil wie es aktuell läuft, hatten wir es noch nicht. Wir haben Spieler dabei, die eine Topform haben. Manuel Gulde, Keven Schlotterbeck, Philipp Lienhart. Sie alle bringen eine gute Form auf den Platz. Vorne sind wir mit Ermedin Demirovic und Vincenzo Grifo so effektiv, dass es auch schwer ist, überhaupt gegen uns zu punkten. Wir haben uns erarbeitet, dass der Gegner schon im Spielertunnel merkt, gegen diese Freiburger Mannschaft wird es heute schwer. Dass es sich so schnell entwickelt, habe ich auch nicht kommen sehen, aber das macht mir Freude, weil ich auch sehe, wie hoch die Trainingsqualität ist. Da hatte man schon das Gefühl, dass wir wirklich besser geworden sind. 

SPORT1: Für Sie reicht es aktuell nur zur Jokerrolle. Was ist diese offensive Mischung, die Freiburg derzeit ausmacht? 

Petersen: Das ist wahnsinnig spannend, weil wir schon sehr viel rotieren können vorne. Demirovic und Grifo haben sich über die Zeit wahnsinniges Selbstvertrauen erarbeitet, viele Erfolgserlebnisse eingefahren, dann kommt eine Selbstverständlichkeit ins Spiel. Dann hat man nochmal mehr Zutrauen zu seinem Spiel, der Mitspieler hat nochmal mehr Vertrauen zu dir. Und das geht eben nur über Erfolgserlebnisse. Chang-Hoon Kwon macht ein super Spiel in Hoffenheim, verletzt sich, dann kommt der nächste rein, macht ein gutes Spiel. Da kann man, egal wie man uns aufstellt, vor der Offensive nur den Hut ziehen. 

Petersen: Demirovic "ein sehr unangenehmer Gegenspieler"

SPORT1: Was zeichnet Demirovic aus? 

Petersen: Er ist ein sehr unangenehmer Gegenspieler, gibt nie auf. Er hat so eine Art, auch dem Gegner zu zeigen, ich höre hier nicht auf, ich mache weiter. Er ist ein guter Teamplayer, der auch am Anfang der Saison, als er noch nicht so viel gespielt hat, sich vernünftig verhalten hat. Das sind Grundtugenden, die tun ihm und der Mannschaft gut. Wenn er dann die Chance bekommt, wünscht man es ihm noch mehr, dass er sie nutzt. Er hat sich gut eingegliedert und ist ein spannender Spieler, weil er das mit den anderen beiden vorne sehr, sehr gut macht, denn wir spielen nur zu dritt vorne. Dann gefährlich zu werden, ist schon nicht leicht. 

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SPORT1: Man dachte, die Qualität hat im Sommer abgenommen. Durch die gezielten Ergänzungen hat man jetzt den Eindruck, dass die Qualität gleich ist oder sogar besser geworden ist. Wie ordnen Sie das ein? 

Petersen: Am Ende sind es die Ergebnisse, wie man darüber denkt. Zu Beginn der Saison haben wir in zwei Spielen vier Punkte geholt, hätten sechs holen können. Da dachte man schon auch, wir kommen gut aus den Startlöchern. Doch auf einmal kommst du in ein negatives Fahrwasser. Dann heißt es, wir haben uns nicht gut verstärkt, die Abgänge können nicht ersetzt werden. Wenn ich an Santamaria denke: Mit jedem Bundesliga-Spiel kommt mehr Sicherheit. Wir sind sehr eingespielt, es ist schwierig für den Gegner, sich darauf einzustellen, weil wir gerade auch ein wahnsinniges Selbstvertrauen auf den Platz bringen. Ich glaube, jeder Spieler hat in dieser Zeit nochmal einen Schritt gemacht. 

Nils Petersen war von 2011 bis 2013 Spieler des FC Bayern
Nils Petersen war von 2011 bis 2013 Spieler des FC Bayern © Imago

SPORT1: Jetzt kommen die Bayern. Da hat Freiburg noch nie gewonnen. Zeit für den nächsten Rekord, oder? 

Petersen: Das wäre ein Traum für mich und auch für Christian Streich, in München nochmal zu punkten - am liebsten dreifach. Aber wenn man nach München fährt, darf man einfach keine große Klappe haben. Dafür sind sie zu groß, zu stark. Ich als Fußball-Fan schaue unheimlich gerne Bayern-Spiele an. Klar, aktuell haben sie jetzt nicht die beste Form. Ich wünsche mir, dass wir für eine Überraschung sorgen können, würde aber nie den Mund zu voll nehmen. 

Petersen: "Bayern wird uns mit Respekt begegnen"

SPORT1: Haben Sie auch den Eindruck, dass die Chance noch nie so groß war, weil die Bayern auch eine enorme Belastung haben? 

Petersen: Wir hatten in der Vergangenheit schon gute Auftritte dort. Einmal durch Lucas Höler hat es in der letzten Sekunde zu einem Punkt gereicht. Das gibt einem auch Auftrieb. Ich glaube auch, dass die Bayern uns mit Respekt begegnen werden. Der Druck ist auf Münchner Seite. Für uns ist es eigentlich ein entspanntes Aufspielen, aber wir wollen nicht einfach so die Serie herschenken. Daher wäre es gut, wenn wir auch dort gleich wieder gut ins Spiel kommen und am liebsten auch wieder so erfolgreich wie zuletzt. 

SPORT1: Sie können auch befreit aufspielen, weil der Vorsprung nach hinten schon groß ist. 

Petersen: Ich schaue immer mit einem Auge nach hinten. Dafür ging es jetzt auch zu schnell. Ich traue auch anderen Mannschaften eine Serie zu. Die Gefahr ist immer da. Nach zehn Spielen hatten wir acht Punkte. Da haben uns alle im Abstiegsstrudel gesehen und jetzt haben wir uns herauskatapultiert und da wollen wir auch bleiben. Wir hatten das in den letzten Jahren auch schon. Wenn man sich da oben bewegt, punktet man in Spielen, wo man es nicht kommen sieht. Dazu gehört jetzt auch das Spiel in München. (Ergebnisse und Spielplan der Bundesliga)

SPORT1: Der Trainer gab drei Tage frei. Das ist für Freiburger Verhältnisse selten, oder? 

Petersen: Das war einmalig. Als es hieß, drei Tage frei, waren die Münder schon groß. Selbst nach dem Aufstieg hatten wir nicht drei Tage frei. Deshalb war das etwas ganz Neues für uns. Es war schön und Motivation zugleich, in der Trainingswoche gut zu performen und am Sonntag in München das vielleicht noch einmal wiederholen zu können. 

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