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Bastian Schweinsteiger 2003 mit der damaligen Internatschefin Christa Schweinberger (l.), die 2006 starb
Bastian Schweinsteiger 2003 mit der damaligen Internatschefin Christa Schweinberger (l.), die 2006 starb © Imago
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München - Werner Kern arbeitete 14 Jahre als Nachwuchsleiter beim FC Bayern. In der Zeit wurden Kroos und Schweinsteiger entdeckt - und ein späterer Nationalheld.

Werner Kern entdeckte und entwickelte über viele Jahre Talente beim FC Bayern.

Zu den Spielern, die während Kerns Zeit als Nachwuchsleiter zwischen 1998 und 2012 in der Bayern-Jugend gespielt haben, gehörten unter anderem Bastian Schweinsteiger, Philipp Lahm - und Toni Kroos.

"2005 im Halbfinale der Deutschen B-Jugend-Meisterschaft war Toni für Hansa Rostock der alle überragende Spieler. Am liebsten wäre ich vor Freude von der Tribüne gesprungen, weil der Wechsel zu uns da schon feststand", erinnert sich Kern im Bayern-Magazin 51.

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Hier tröstet Werner Kern den damaligen U17-Spieler David Alaba
Hier tröstet Werner Kern den damaligen U17-Spieler David Alaba © Imago

Wie Kern Kroos zu Bayern verführte

Ein paar Monate zuvor hatte Kern Kroos und dessen Familie zur Champions-League-Partie gegen den FC Arsenal nach München eingeladen.

"Ich hatte sie im gleichen Hotel wie Arsenal einquartiert, er begegnete Arsène Wenger, Thierry Henry und den ganzen Hochkarätern", berichtete Kern: "Wir sind auch zur Baustelle der Allianz Arena gefahren, da habe ich ihm gesagt: 'Hier kannst du in ein paar Jahren spielen.'"

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Kern weiter: "Als ich abends vorsichtig gefragt habe, ob er sich einen Wechsel vorstellen könne, sagte er: 'Nur zum FC Bayern!'"

Schweinsteigers fehlende Schnelligkeit "hat mich stutzig gemacht"

Talente wie Kroos und Schweinsteiger hätten sich vor allem durch Talent von anderen abgehoben.

"Dazu aber auch Ehrgeiz, Demut, Respekt. Du musst verstehen, dass du mehr arbeiten musst als jeder andere", sagte der heute 75-Jährige: "Es ist eine Charaktersache – und der Charakter wird vom Elternhaus geprägt."

Schweinsteiger sei "beeindruckend" gewesen. "Mich hat nur immer stutzig gemacht, dass er nicht schnell war. Basti hat das aber kompensiert, weil er sehr viel antizipiert hat", erzählte Kern.

Guerrero? "Ein Wunder, dass wir den gefunden haben"

Großes Glück habe der FC Bayern einst bei Paolo Guerrero, der zwischen 2002 und 2006 für Bayern auflief, gehabt. "Das war ein Wunder, dass wir den gefunden haben", sagte Kern.

Er sei damals gemeinsam mit Wolfgang Dremmler, der 17 Jahre Chefscout bei Bayern war, in Peru bei Claudio Pizarros Vater gewesen.

Paolo Guerrero 2003 unter Trainer Ottmar Hitzfeld (l.)
Paolo Guerrero 2003 unter Trainer Ottmar Hitzfeld (l.) © Imago

"Der wollte eine Fußballschule eröffnen, und wir haben ihn beraten. Am Sonntag sind wir aus Langeweile zu einem Jugendspiel von Alianza Lima gegangen", meinte Kern: "Alianza gewann 3:0, Guerrero hat alle drei Tore geschossen. Wir waren total beeindruckt. Heute ist er ein Nationalheld in Peru."

Müller über Kern: "Du mit deiner blöden Lauferei"

Entgegen seiner eigentlichen Pläne – Kern wollte eine Reise durch Amerika machen – war der damalige Realschullehrer zuvor mit 27 1973 Co-Trainer von Udo Lattek geworden.

"Die Reise habe ich abgesagt, meinen Vollbart rasiert und bin zum Training. Meine erste Aufgabe war Torwarttraining mit Sepp Maier", berichtete Kern: "Nach der zweiten Einheit hat Udo Lattek Sepp zur Seite genommen. 'Und?' Sepp sagte: 'Super! Den müssen wir verpflichten.'"

Werner Kern triezte die Bayern-Stars
Werner Kern triezte die Bayern-Stars © Imago

Trotz seines jungen Alters habe er ein gutes Standing in der Mannschaft gehabt, "obwohl ich sie im Training immer marschieren ließ. Da war ich unerbittlich."

Gerd Müller habe "immer nur abgewunken, wenn er mich gesehen hat. 'Du mit deiner blöden Lauferei', hat er gesagt. Aber alle haben gemerkt, dass sie von der Arbeit profitierten. Und das haben sie auch anerkannt."

Kern kehrt zu Bayern zurück

Später wurde Kern Chefcoach in der Bundesliga und in der Zweiten Liga, ehe er 15 Jahre für adidas arbeitete. 1998 folgte die Rückkehr zum FC Bayern, wo er sich einen Namen als Talenteentwickler machte.

Hermann Gerland (l.) und Werner Kern (r.) im Jahr 2012
Hermann Gerland (l.) und Werner Kern (r.) im Jahr 2012 © Imago

"Ich konnte überzeugen mit Persönlichkeit, Kompetenz und der Art und Weise, wie ich gearbeitet habe. Sie müssen wissen: Ich bin ein Typ, der kein besonderes Talent hat. Ich habe mir alles erarbeiten müssen. Alles", erklärte Kern.

Er habe "immer wahnsinnig viel gearbeitet. Und das Tolle ist: Obwohl ich eigentlich kein Talent habe, habe ich trotzdem was erreicht."

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