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Thorsten Kinhöfer war bis zum 23. Mai 2015 als Bundesliga-Schiedsrichter aktiv
Thorsten Kinhöfer war bis zum 23. Mai 2015 als Bundesliga-Schiedsrichter aktiv © Imago
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Für den früheren FIFA-Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer hat der Videobeweis einen entscheidenden Nachteil: Die Unparteiischen geben die Verantwortung zu sehr an Köln ab.

Trotz regelmäßiger Kritiken an einzelnen Szenen hat sich der Videobeweis seit seiner Einführung zur Saison 2017/18 in der Bundesliga größtenteils bewährt. 

Für die Schiedsrichter auf dem Platz sind die Kontrollen im Kölner Keller zur wichtigen Rückversicherung geworden. Sie wissen: Ein Fehler in ihrer Wahrnehmung wirkt sich nicht mehr so schwerwiegend aus, wie vor der Einführung des VAR. Im Fall der Fälle schreitet Köln ein und revidiert die Entscheidung des Unparteiischen.

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Für den früheren FIFA-Referee und heutigen BamS-Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer führt dieses Wissen um den VAR allerdings zu einem Abschieben der Verantwortung. (Kinhöfer kritisiert Reus)

"Der Videobeweis ist natürlich eine Erleichterung, wenn er richtig angewandt wird. Man hat dadurch eine Versicherung", sagt Kinhöfer zwar zu SPORT1. "Das Problem ist nur, dass die Schiedsrichter sich zu oft auf den Videobeweis verlassen."

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"Jeder Eingriff des VAR ist ein Fehler des Schiedsrichters"

Konkret spricht der Ex-Schiri den Strafstoß an, den der FC Bayern beim 4:2-Sieg gegen Borussia Dortmund nach einem Foul von Mo Dahoud an Kingsley Coman zugesprochen bekam. Schiedsrichter Marco Fritz hatte zunächst weiterlaufen lassen, aus Köln aber einen Hinweis bekommen, er solle sich die Szene am Monitor anschauen. (Reif: BVB soll sich auf das Wesentliche konzentrieren)

"Die Szene, als die Bayern Elfmeter bekommen haben, hätte man natürlich auch ohne VAR sehen können", moniert Kinhöfer. "Es kann sein, dass Fritz gesagt hat: 'Wenn es ein klares Foul war, dann hilft mit vielleicht der Kollege aus dem Keller.' Das ist aber ein Trugschluss, denn die Schiedsrichter sind alle in die Bundesliga gekommen, weil sie sehr gute Entscheider waren - ohne Videobeweis."

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Der 52-Jährige appelliert an seine Nachfolger, mehr Eigenverantwortung zu übernehmen.

"Manchmal habe ich das Gefühl, dass dieses Können ein bisschen heruntergefahren wird, nach dem Motto: Im Zweifel lass' ich mal lieber laufen. Falls ich daneben gelegen habe, rettet mich ja mein VAR. Also verlasse ich mich auf den Video-Schiri. Nur: Jeder Eingriff des VAR ist ein Fehler des Schiedsrichters."  

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