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Erst Milan, dann Schalke und jetzt Frankfurt: Obwohl es vielversprechende Angebote und Gespräche gab, landete Ralf Rangnick bei keinem neuen Verein. Warum ist das so?

Die Vita von Ralf Rangnick? Sie zeichnet das Bild eines Menschen, der für Erfolg und sehr gute Arbeit steht.

Ob beim SSV Ulm, dem VfB Stuttgart, Hannover 96, Schalke 04, der TSG Hoffenheim oder RB Leipzig: Rangnick entwickelte Profis und Strukturen weiter, brachte Klubs wirtschaftlich und sportlich voran.

Inzwischen ist Rangnick seit seinem endgültigen Red-Bull-Aus im vergangenen Sommer ohne feste Anstellung.

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Obwohl es vielversprechende Angebote und Gespräche gab, landete einer der deutschen Top-Manager bislang bei keinem neuen Verein. Dabei flirtete bereits im November 2019 AC Mailand intensiv mit dem 62-Jährigen, der bereits Italienisch lernte und in Doppelfunktion als Trainer und Sportdirektor fungieren sollte.

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Piolis Erfolg verhinderte Rangnick bei Milan

Doch es kam nicht zur Zusammenarbeit. Rangnick wollte offenbar zu viel Macht - ein Umstand, der ihn immer wieder begleitet. Zunächst lästerten Milan-Legenden öffentlich über ihn, dann folgte urplötzlich die Erfolgsserie von Trainer Stefano Pioli, der im Amt blieb. Es funktionierte nicht, Milan und Rangnick fanden nicht zusammen.

Auch der FC Chelsea hatte ihn als Nachfolger des im Januar entlassenen Frank Lampard auf dem Zettel. Doch Rangnick lehnte ab und begründete in der englischen Times: "Ich habe gesagt: 'Ich würde gerne kommen und mit euch arbeiten, aber ich kann es nicht für vier Monate machen. Ich bin kein Interimstrainer'." Thomas Tuchel fing stattdessen an und steht mit den Blues inzwischen im Halbfinale der Champions League.

2016 scheiterte bereits ein Engagement in England, bei der Suche nach einem neuen Nationaltrainer war auch Rangnick im Gespräch. Der Verband entschied sich für Sam Allardyce, wobei diese Zusammenarbeit nach nur einer Partie beendet war. Allardyce hatte einem Journalisten verraten, wie man Transferregeln umgehe. Das ist aber eine andere Geschichte.

"Der damalige Verbandsfunktionär Dan Ashworth hatte mich angerufen und gesagt: 'Ralf, du wärest mein Kandidat gewesen, aber die anderen wollten einen englischen Coach als Vorbild für die nächste Generation. Am Ende wissen wir, wie das ausgegangen ist...', blickte er zurück. Es passte also in der Vergangenheit oftmals nicht ganz zusammen.

Zuletzt sah es nach seiner zweiten Schalke-Rückkehr nach 2011 aus. Doch auch dieser Plan scheiterte, wie Rangnick im März mitteilte: "Ich hätte mich gerne eingebracht, um Schalke auf dem schwierigen Weg zurück zu alter Stärke zu helfen. Leider sehe ich mich aufgrund der zahlreichen Unwägbarkeiten innerhalb des Vereins derzeit nicht in der Lage, die sportliche Verantwortung bei S04 zu übernehmen." Nach zunächst "konstruktiven Gesprächen" gab es keine Übereinkunft.

Kein Engagement auf Schalke und in Frankfurt

Selbiges passierte bei Champions-League-Aspirant Eintracht Frankfurt. Am vergangenen Mittwoch trafen sich Aufsichtsratschef Philip Holzer und Rangnick zu einem rund zweistündigen Gespräch. Zu einer Einigung kam es nicht, es gab vor allem Differenzen in der geplanten Ausrichtung des Klubs. Ein Streitpunkt nach SPORT1-Informationen war der Umgang mit der 50+1-Regelung.

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Rangnick zeigte sich offen dafür, diese für den sportlichen Erfolg zu kippen. Für die Eintracht und das komplette Umfeld kommt dies aber nicht infrage.

Holzer bestätigte den "informellen" Austausch mit Rangnick und stellte in einer offiziellen Pressemitteilung klar: "Beide Seiten haben in dem Gespräch recht schnell gespürt, dass es unterschiedliche Auffassungen zur Ausrichtung und Entwicklung eines Traditionsklubs wie Eintracht Frankfurt gibt."

Kurze Zeit später tauchten Meldungen über vermeintliche Ausstiegsklauseln auf, auch drangen Zahlen an die Öffentlichkeit.

Eintracht irritiert über Meldungen in den Medien

Die Kritik an dieser Vorgehensweise ist gewaltig. Holzer zeigte sich irritiert über die "im Nachgang gezielt an die Medien kolportierten, falsch widergegebenen Gesprächsinhalte". Der Aufsichtsratschef stellte klar: "Insbesondere entsprechen die aus dem Treffen übermittelten Inhalte zu konkreten Themen wie etwaigen Ausstiegsklauseln und Kaderplanung sowie angebliche Vorbehalte von Personen aus der Eintracht Frankfurt Fußball AG nicht den Tatsachen."

Rangnick und die Eintracht fanden bereits nach dem Abstieg 2004 nicht zusammen, auch damals schon ging es um das Thema Geld.

Auch im CHECK24 Doppelpass  war der Name Ralf Rangnick ein Thema - als möglicher Nachfolger von Hansi Flick, sollte dieser den FC Bayern am Saisonende verlassen.

Rangnick ein Kandidat für Bayern?

"Ich glaube, dass Ralf Rangnick interessant wäre", sagte SPORT1-Experte Alfred Draxler. "Er hat bewiesen, dass er es kann. Er hat bewiesen, dass er analytisch ist. Er hat vor allem bewiesen, dass er mal bereit ist, Strukturen zu verändern." Draxler schränkte allerdings auch ein: "Der Haken könnte sein, dass dann das Verhältnis mit Hasan Salihamidzic und den Bossen noch komplizierter wird."

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Beim Rest der Doppelpass-Runde stieß Draxlers Idee auf wenig Gegenliebe.

"Beim AC Mailand hat es nicht geklappt, beim DFB nicht, bei Schalke nicht, das muss ja alles Gründe haben. Bayern München kann ich mir bei ihm eher nicht vorstellen", warf SPORT1-Experte Stefan Effenberg ein und erhielt dabei Unterstützung vom langjährigen Bundesliga-Trainer Armin Veh: "Der FC Bayern ist schon nochmal eine andere Hausnummer, als wenn ich bei Hoffenheim mit Dietmar Hopp und bei Leipzig mit Mateschitz über Jahre etwas aufbauen kann. Bayern München übernehmen, das sind schon nochmal andere Stiefel, in die ich da reinpassen muss."

Rangnick, der auch auf den Posten des Bundestrainers geschielt hat, muss in diesen Tagen auf seinen Ruf aufpassen.

Verein mit Strahlkraft gesucht

Der als Trainer und Manager hochanerkannte Rangnick drängt mit Gewalt auf die große Bühne zurück. Doch mit Aktionen wie diesen in Frankfurt, die intensiv von der Öffentlichkeit und großem Tamtam begleitet wurden, hat er sich keinen Gefallen getan.

Was will Rangnick eigentlich? Es ist eine Frage, die er zwar im Sportstudio Anfang März beantwortet hat, als er die Aufgabe bei einem Traditionsklub als reizvoll bezeichnete: "Ich kann mir vorstellen, dass man dort Technologie und die Strahlkraft des Klubs zusammenbringt. Das wären Innovationen, die ich gerne bei einem Verein mit Strahlkraft, Zielen und einem großen Stadion umsetzen würde."

Doch dafür gilt es auch, Abstriche zu machen und Entgegenkommen zu zeigen. In Frankfurt jedenfalls ist es ihm diese gesunde Mischung nicht geglückt.

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