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Mit dem FC Schalke 04 steigt ein weiterer Traditionsverein aus der Bundesliga ab. Vor allem in der 3. Liga wimmelt es vor Traditionsklubs, die nach dem Abstieg nicht mehr hoch kommen.

Wenn es einen Trost für die Fans des FC Schalke 04 gibt, dann den: ihr Klub ist noch nach jedem Abstieg zurückgekommen in die Bundesliga.

1981 und 1983 glückte der direkte Wiederaufstieg, 1988 dauerte es etwas länger - drei Jahre. Zwischenzeitlich drohte im bisher letzten Fall nach dem Fall sogar die Drittklassigkeit. (Service: Die Tabelle der Bundesliga)

Am 2. April 1989 war S04 nach einem 0:1 in Osnabrück auf den 19. und vorletzten Platz abgestürzt. Trainer Diethelm Ferner flog und mit Manager Helmut Kremers auf der Bank ging es ins Heimspiel gegen Saarbrücken - vor nur noch 9000 Zuschauern. Als die Gäste in Führung gingen, erlitten etliche Fans "aufgrund der Abstiegsangst Weinkrämpfe" (Kicker). Doch Schalke gewann noch 2:1, holte dann Peter Neururer und der schaffte mit sechs Siegen aus den letzten elf Spielen die umjubelte Rettung.

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Wer sich heute die Tabelle der 3. Liga anschaut weiß: es hätte schlimmer kommen können für Schalke, denn da wimmelt es vor Bundesliga-Traditionsklubs, die nach dem Abstieg nicht mehr hochkommen. (Service: Spielplan und Ergebnisse der Bundesliga)

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Beispiel 1860 München (zuletzt 2004 Bundesliga):

Der Meister von 1966 stieg viermal aus der Bundesliga ab, seit nunmehr 17 Jahren warten die Löwen-Fans auf die Rückkehr und dass es mal wieder ein Münchner Derby um Punkte gäbe.

In der Saison 2003/04 verabschiedeten sich die Löwen auf dramatische Weise nach zehn Jahren ununterbrochener Zugehörigkeit aus dem Oberhaus. Nach dem Ende der Ära Werner Lorant (1993-2001) ging es allmählich bergab. Vor der Saison 2003/04 gab der Verein die Altstars Thomas Häßler, Martin Max und Davor Suker ab und wurde zum Abstiegskandidaten erklärt. Doch im November grüßte das Team von Trainer Falko Götz von Platz acht und Präsident Karl-Heinz Wildmoser feixte: "Da haben sich einige Herren kräftig geirrt." Das wiederum war ein Irrtum. (Werner Lorant im SPORT1-Interview: Das hat mich bei 1860 enttäuscht)

In der Rückrunde folgte ein kräftiger Einbruch, begleitet von Unruhe um die Verhaftung von Vater und Sohn Wildmoser wegen der Annahme von Bestechungsgeldern im Zusammenhang mit dem Bau der Allianz Arena. Karl-Heinz Wildmoser saß zwar nur drei Tage ein, trat aber als Präsident zurück. Trainer Falko Götz wurde am 29. Spieltag stillos entlassen, Nachfolger Gerald Vanenburg gewann kein Spiel.

Und doch war am 33. Spieltag noch die große Chance auf Rettung da, als man im Kellerderby auf Hertha BSC traf. Beim Stand von 1:1 gab es in der 89. Minute Elfmeter für 1860 und der selbstbewusste Joker Francis Kioyo, noch keine 300 Sekunden im Spiel, schnappte sich den Ball - um ihn neben das Tor zu jagen. 48.000 stöhnten auf, das war der 90-prozentige Abstieg, den 1860 in Dortmund (1:3) perfekt machte.

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Es folgten Jahre in der 2., 3. und 4. Liga ein Lizenzentzug (2017) und Dauertheater um den Geldgeber aus dem Orient, Hasan Ismaik, der den Verein seit zehn Jahren zurück in die Bundesliga führen will, ihn aber bisher nur gespalten hat. Diese Saison besteht trotzdem noch die Chance, in die 2. Liga zurück zu kehren. Auch dort waren die Löwen, die immer noch im Grünwalder Stadion spielen, schon vier Jahre nicht mehr.

Beispiel MSV Duisburg (zuletzt 2008 Bundesliga):

Auch die Zebras gehörten zu den Gründungsmitgliedern der Liga, anfangs noch unter dem Namen Meidericher SV. Titel holten sie nie, ihr Ruhm war es ebenso wie Ruhrpottnachbar VfL Bochum (zuletzt 2011 erstklassig) als unabsteigbar zu gelten. Bis 1982. Mit dem ersten Abstieg ging Kultkicker Bernard "Enatz" Dietz und man rauschte bis in die Regionalliga (3. Liga), ehe es unter Trainer Willibert Kremer wieder aufwärts ging. Zwei Aufstiege in drei Jahren - und schon waren sie 1991/92 kurz wieder erstklassig.

Fahrstuhl fuhren sie auch weiter gern. Nach der nächsten Rückkehr 1993 unter Ewald Lienen waren es zwei Jahre Oberhaus, unter Friedhelm Funkel blieben sie vier Jahre (1996-2000), zwei Kurzgastspiele (2005/06 und 2007/08) schlossen sich an. Aber auch alternde Stars wie Ailton oder ein Weltmeister auf der Trainerbank (Jürgen Kohler) konnten aus dem MSV keinen etablierten Bundesligisten mehr machen. Es folgten fünf Zweitligajahre, die 2013 mit dem Lizenzentzug für die 2. Liga endeten.

Der MSV Duisburg pendelt seit Jahren zwischen der 2. und 3. Liga
Der MSV Duisburg pendelt seit Jahren zwischen der 2. und 3. Liga © Imago

Seither pendelt der MSV in permanenter Finanznot zwischen 2. und 3. Liga, leistet sich einen der kuriosesten Stadionnamen (Schauinsland-Reisen-Arena), weil man sich mit dem guten, alten "Wedaustadion" keine Profimannschaft leisten kann. Ein Fluss taugt eben nicht als Sponsor.

In dieser Saison steht der MSV im Abstiegskampf der 3. Liga und trennte sich gerade von Kaiserslautern 2:2. So endete übrigens schon das letzte von 52 Bundesligaduellen dieser Klubs - vor 15 Jahren.

Beispiel 1. FC Kaiserslautern (zuletzt 2012 Bundesliga):

Die Pfälzer hatten den Ruf eines Dinosauriers der Liga, in den ersten 33 Jahren waren sie immer dabei. Es folgte der legendäre Abstieg in Leverkusen (1:1), als man Andy Brehme in Rudi Völlers Armen weinen sah. Noch war der Verein intakt, gewann eine Woche später den Pokal, wurde 1997 Zweitligameister und 1998 - sensationell - mit Trainer Otto Rehhagel Deutscher Meister. So ein Kunststück gelang nach dem zweiten Abstieg 2006 nicht mehr, 2008 rettete man sich erst im letzten Spiel vor dem nächsten Abstieg.

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Von 2010 bis 2012 spielten die Roten Teufel, immerhin fünfmal Deutscher Meister, letztmals ganz oben mit. In der Abstiegssaison 2011/12 stellten sie in der Ära von Vorstandschef Stefan Kuntz einen negativen Vereinsrekord von 21 sieglosen Spielen auf und verabschiedeten sich mit kläglichen 23 Punkten. Trotzdem hatten sie noch 42.353 Zuschauer pro Heimspiel (Auslastung 85 %).

Die Treue der Fans wurde seither auf eine harte Belastungsprobe gestellt. Kuntz forderte zwar noch trotzig: "Wir müssen eine Euphorie schaffen", doch vor allem schafften sie sich einen Schuldenberg an und mit jedem Nichtaufstieg (2013 Scheitern in der Relegation) wurde es schwerer, Spieler und Stadionpacht zu bezahlen.

2018 passierte das Undenkbare: erstmals rutschte der stolze FCK in die Drittklassigkeit, um die er in diesem Frühjahr verzweifelt kämpft. Derzeit steht er auch in dieser Liga auf einem Abstiegsplatz und lernt schmerzlich, dass Tradition keine Tore schießt.

Beispiel HSV (zuletzt 2018 Bundesliga):

Der einstige Bundesliga-Dino ist noch nicht ganz so tief gestürzt. Aber für die Fans des einst so großen Klubs ist jeder Tag in der 2. Liga eine Strafe. Die haben sich die teils überbezahlten Spieler zumindest redlich verdient. Der dreimalige Bundesligameister (1979, 1982 und 1983) arbeitete durch Misswirtschaft und allerlei Ränkespiele in den Gremien zielsicher auf den Abstieg hin. 2014 (gegen Fürth) und 2015 (gegen Karlsruhe) entkam er ihm jeweils knapp durch Dramen in der Relegation, 2017 durch ein Tor von Luca Waldschmidt zwei Minuten vor Saisonschluss gegen Wolfsburg (2:1).

Es erwirkte nur einen Aufschub, 2017/18 wurde zur bisher letzten Bundesligasaison der Hamburger, die als einziger Klub an jeder Saison seit 1963 teilgenommen hatten. Am 12. Mai 2018 geschah dann das Unvorstellbare: trotz eines 2:1-Heimsieges gegen Borussia Mönchengladbach musste der HSV in die 2. Liga. Drei Trainer hatten das nicht verhindern können, wer in 34 Spielen nur 29 Tore schießt hat wohl auch nicht mehr verdient. "Wir haben die Qualität des Kaders falsch eingeschätzt", bedauerte der im März ausgeschiedene Vorstand Heribert Bruchhagen. Mit fatalen Folgen.

Es war buchstäblich ein schwarzer Tag, aus dem Fanblock flogen Rauchgeschosse aufs Feld, das Spiel war 15 Minuten unterbrochen und der HSV verschwand unter einer schwarzen Rauchwolke aus der 2. Liga.

Aus der ist er nach zwei mysteriösen Einbrüchen jeweils im Frühjahr noch nicht wieder rausgekommen und derzeit versucht sich mit Daniel Thioune der vierte Trainer seit dem Abstieg an der Rückkehr. Auf Platz 3 einer schiefen Tabelle sieht es wieder nach einem Ende aus, das nichts für schwache Nerven ist. Das immerhin hat Tradition beim HSV.

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