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Julian Nagelsmann setzt bei RB Leipzig im Fall Angelino ein Statement. Das dürfte auch bei seinem künftigen Arbeitgeber in München Gehör finden. Müssen Bayern-Stars zittern?

Es war ein deutliches Signal, das Julian Nagelsmann einen Tag vor dem Pokalfinale sendete: Angelino steht nicht Kader, mit dem RB Leipzig den DFB-Pokal nach Sachsen holen will. (BERICHT: Nagelsmann rasiert Leipzig-Star)

Im Endspiel gegen Borussia Dortmund wird der Spanier fehlen, obwohl er 36 Pflichtspiele in dieser Saison absolvierte und dabei auf acht Tore und elf Vorlagen kommt. Keine schlechte Bilanz für einen Spieler, der als linker Verteidiger und linker Mittelfeldspieler eingesetzt wird. (DFB-Pokal-Finale: RB Leipzig gegen Borussia Dortmund, Donnerstag ab 20.45 Uhr im LIVETICKER)

Dass Angelino nun ausgerechnet beim wichtigsten Saisonspiel nicht einmal im Leipziger Aufgebot steht, ist eine überdeutliche Ansage von Nagelsmann, die bis nach München zu hören ist. 

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Nagelsmann als Inbegriff von leistungsorientiert?

"Auf die genauen Gründe muss ich jetzt nicht eingehen, auf jeden Fall ist er nicht dabei, steht nicht im Kader", sagte Nagelsmann. Die Nichtnominierung des 24-Jährigen hat nach SPORT1-Informationen rein leistungstechnische Gründe. Angelino läuft nun schon seit einigen Wochen seiner zwischenzeitlich überragenden Form hinterher. Dann bremste ihn auch noch eine Muskelverletzung aus. (BERICHT: Bayern drücken Nagelsmann die Pokal-Daumen)

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Von dieser hat er sich zwar wieder erholt, in den vier Spielen nach der kurzen Zwangspause kam er aber nicht wirklich in Tritt. Beim Bundesliga-Kracher in Dortmund am vergangenen Wochenende wechselte Nagelsmann Angelino nach 75 Spielminuten aus. Er war alles andere als begeistert von der Leistung seines Spielers. 

Unter der Woche hat Angelino im Training offenbar die notwendige Reaktion vermissen lassen. Ihn nun gar nicht in den Kader zu berufen ist hart, passt aber zu Nagelsmanns Linie.

Der 33-Jährige hat sowohl bei der TSG Hoffenheim als auch in Leipzig stets nach Leistung aufgestellt. Das macht ihn für die Spieler berechenbar und fair, allerdings kann diese Marschrichtung von so manchem Star auch als fehlende Wertschätzung aufgefasst werden. 

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Schwierigkeiten rund um Forsberg 

So geschehen bei Emil Forsberg.

Der Schwede ist so etwas wie der "Mr. RB Leipzig". Seit 2015 ist er beim Klub und seitdem auch Leistungsträger. Unter Nagelsmann hatte der 29-Jährige aber zwischendurch eine schwierige Phase, war plötzlich nicht mehr unumstritten.

Im Februar 2020 kam es deswegen auch zu einer klaren Ansage. Zwar nicht von Forsberg, dafür aber von dessen Ehefrau.

"Es gibt auf diesem Planeten keinen Menschen, der einen wie Scheiße behandeln darf. Vergiss das nicht!", hatte Shanga Forsberg nach einem 0:0 gegen den FC Bayern auf Instagram geschrieben. Den Namen Nagelsmann nahm sie zwar nicht in den Mund, der Adressat ihrer derben Kritik war aber unschwer zu erkennen.

Der RB-Trainer hatte ihren Ehemann im Top-Spiel 90 Spielminuten lang auf der Bank schmoren lassen.

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Tappt Nagelsmann in die Kovac-Falle?

Stellt sich die Frage, welches Konfliktpotenzial Nagelsmann mit nach München bringt.

Müssen nun auch Bayern-Stars vor Nagelsmann zittern? Etwa ein Leroy Sané, der wegen seiner teils mangelhaften Defensivarbeit phasenweise auch unter Flick Probleme hatte?

Auf der anderen Seite: Muss Nagelsmann aufpassen, künftig Bayern Stars nicht zu verprellen?

Einer, der ein Lied davon singen kann, ist Niko Kovac. Flicks Vorgänger hatte den ein oder anderen Führungsspieler - allen voran Thomas Müller - aus Leistungsgründen draußen gelassen.

Am Ende hatte Kovac den Rückhalt der Mannschaft verloren.

Keine Sonderbehandlung für alte Bekannte

Könnte Nagelsmann ähnliche Probleme bekommen? Nicht ausgeschlossen.

Nagelsmann ist allerdings eher bekannt dafür, dass er das Beste aus den Spielern herausholt. Das hat er bereits bei zwei Akteuren bewiesen, die inzwischen in München spielen. 

Die Rede ist von Niklas Süle und Serge Gnabry, die Nagelsmann beide in Hoffenheim entwickelte, wodurch sie schließlich für den Rekordmeister interessant wurden.

Nagelsmann ging mit beiden Jungstars nicht immer zimperlich um. "Manchmal braucht er einen Tritt in den Hintern", sagte Nagelsmann zu Gnabry. Zu Süle erklärte der Coach einmal: "Er brauchte was zwischen die Hörner."

Egal ob Süle, Gnabry oder Dayot Upamecano, der wie Nagelsmann nach München geht: Eine Sonderbehandlung braucht keiner von Nagelsmanns Bekannten erwarten. Gleiches gilt für etablierte Stars. (Zum Bericht: Startvorteil für die Nagelsmänner?)

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