vergrößernverkleinern
© Getty Images
Lesedauer: 3 Minuten
teilenE-MailKommentare

Madrid - Eine knappe Stunde lang droht den jungen Wilden des BVB bei Real eine Lehrstunde. Dann aber drehen die Dortmunder auf - und hinterlassen nicht nur bei Zidane Eindruck.

Thomas Tuchel fuchtelte wild mit den Händen durch die Luft, ging vor Wut tief in die Hocke, um zu einem Schrei aus voller Leibeskraft auszuholen. Mehrmals.

Dem Dortmunder Trainer war am Mittwochabend zwischen 20.45 und 21.30 Uhr unschwer anzumerken, dass die erste Halbzeit seiner Borussia gegen Real Madrid bis auf wenige Abstriche nicht im Entferntesten seinem Gusto entsprach.

Eingeschüchtert vom druckvollen Beginn der Hausherren und vielleicht sogar auch ein bisschen beeindruckt von der Atmosphäre im königlichen Palast Santiago Bernabeu, drohte der jungen Mannschaft von Tuchel nach Wochen der Achterbahnfahrt eine weitere Lehrstunde.

Anzeige

Weidenfeller verhindert Lehrstunde

Dass es zur Pause nur mit 0:1 in die Kabine ging, hatten die Gäste ihrem zur jungen Krake avancierten Oldie Roman Weidenfeller zu verdanken.

Der 36-Jährige machte all den Grünschnäbeln in Schwarz-Gelb vor, wie sehr man manchmal leiden muss, um auf dem allerhöchsten Niveau zu bestehen. Auch angesteckt von der Leistung des Torhüters kehrte ein anderer BVB auf den Platz zurück. Ein BVB aus echten Männern statt zaghaften Buben, den auch der vermeintliche Todesstoß zum 0:2 in Minute 53 in keiner Weise vom richtigen Weg abbrachte.

"Spricht für uns als Mannschaft"

Mit Mut und Entschlossenheit gelang - ähnlich wie dem Nachwuchs in der UEFA Youth League am frühen Abend - die Wende. Wenn auch spät. Dank der Tore von Batman und Robin, dank Pierre-Emerick Aubameyang und Marco Reus.

"Dass wir hier bei Real einen Zwei-Tore-Rückstand aufholen, ist sicherlich nicht normal. Das spricht auch für uns als Mannschaft, für unsere Qualität", sagte Kapitän Marcel Schmelzer nach Spielende. Der von seiner Fußverletzung zurückgekehrte Toni Kroos konnte sich indes an kein Heimspiel in seinen zweieinhalb Jahren als Madrilene erinnern, das trotz einer derartigen Führung sieglos endete.

Reus' umjubelter Ausgleich bei SPORT1.fm:

"Aber es ist eh wurscht, weil sehr gute Mannschaften Erster und sehr gute Mannschaften Zweiter geworden sind", relativierte der Nationalspieler das Ergebnis. (Alle Stimmen zur UEFA Champions League)

Statement an Europa

Die bemerkenswerte Aufholjagd der Dortmunder bedeutete jedoch mehr als nur den Sieg in Gruppe F. Den Titelverteidiger zu ärgern und auch in schwierigen Momenten "Cojones" zu zeigen, das war ein Statement an Europas Königsklasse. Da kam auch der Fußball-Liebhaber schlechthin nicht um einen verbalen Ritterschlag umher.

"Sie haben sich diesen ersten Platz einfach verdient und in diesem Stadion bewiesen, warum sie so stark sind", lobte Real-Coach Zinedine Zidane den BVB.

Auf Vorwürfe an die eigene Mannschaft, wie etwa wegen der Nachlässigkeiten in der Rückwärtsbewegung oder der fehlenden Spritzigkeit in der Schlussphase, verzichtete der Franzose. Man müsse eben auch einfach mal anerkennen, es mit einem Gegner auf Augenhöhe zu tun bekommen zu haben, versuchte Zidane den bekanntlich schnell nach Kritik suchenden Journalisten aus Spanien beizubringen.

"Real-Spieler auch nur Menschen"

"Es fühlt sich wie ein Sieg an. Wir haben bis zum Schluss gekämpft und wurden dafür belohnt", freute sich Dortmunds Rechtsverteidiger Lukasz Piszczek im Gespräch mit SPORT1 und fügte schmunzelnd hinzu: "Auch Ronaldo und die anderen Spieler von Real sind nur Menschen."

Wenn du hier klickst, siehst du Twitter-Inhalte und willigst ein, dass deine Daten zu den in der Datenschutzerklärung von Twitter dargestellten Zwecken verarbeitet werden. SPORT1 hat keinen Einfluss auf diese Datenverarbeitung. Du hast auch die Möglichkeit, alle Social Widgets zu aktivieren. Hinweise zum Widerruf findest du hier.
Alle Akzeptieren
Einmal Akzeptieren

Ginge es nach Piszczek, bekommt die Borussia am Montag in Nyon (ab 11.45 Uhr im LIVETICKER) ein portugiesisches Team für das Achtelfinale zugelost. Porto oder Benfica also. Aber der Name des nächsten Rivalen spielt eigentlich keine Rolle.

Nicht, wenn Tuchels Jungs ähnlich auftreten wie bei ihrer bestandenen Meisterprüfung im Bernabeu.

Nächste Artikel
previous article imagenext article image