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Madrid und München - Vor der geplanten Aufholjagd im Rückspiel in Madrid verpassen die Münchner dem polnischen Torjäger verbale Streicheleinheiten. Sandro Wagner empfiehlt Jupp Heynckes seine Erfolgstaktik.

Stürmerseelen sind bekanntlich sensibel. Und da sie beim FC Bayern wissen, dass sie am Dienstag in Madrid einen runderneuerten Robert Lewandowski brauchen werden, schlug die Stunde der Abteilung Gegenattacke.

Schließlich war der verhinderte Torjäger nach seinem schwachen Auftritt beim 1:2 im Halbfinal-Hinspiel der Champions League massiv kritisiert worden.

Nicht nur von Fans und Medien, sondern auch von Experten wie den früheren Bayern-Stars Oliver Kahn und Dietmar Hamann.

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"Wo war Lewandowski, als es gegen Real Madrid wirklich drauf ankam?", fragte Sky-Experte Hamann und lieferte die Antwort gleich mit: "Nicht da!"

Lewandowski seit vier Spielen ohne Tor

Tatsächlich hat der 29-Jährige in den letzten drei Jahren ab dem Viertelfinale der Königsklasse nur noch zwei Elfmetertore erzielt, aktuell ist er erstmals in seiner Karriere vier Champions-League-Spiele in Folge ohne Treffer.

Doch Jupp Heynckes stellte sich auf der Pressekonferenz am Montagabend in Madrid erneut vor den Stürmer. "Ein Experte hat eine Lawine losgetreten und dann springen alle auf den Zug auf", meinte der Chefcoach:

"Lewy hat meine komplette Unterstützung. Durststrecken haben wir alle gehabt. In dieser Saison hat er wahnsinnig viele Tore erzielt. Und wer weiß, was morgen alles passiert."

Rummenigge nennt Diskussion "lächerlich"

Und Karl-Heinz Rummenigge ging bereits am Morgen noch einen Schritt weiter. "Ich finde diese Diskussion lächerlich, wie wir sie eigentlich alle bei FC Bayern München lächerlich finden", sagte der Vorstandsboss vor dem Abflug nach Spanien. 

"Wir sind froh, dass er bei uns ist und dass er auch im nächsten Jahr bei uns spielen wird. Das ist eine Tormaschine", ergänzte der ehemalige Weltklassestürmer: "Gerd Müller hat auch mal acht, zehn Spiele gehabt, in denen es mal nicht so lief. Aber dann gibt es wieder Spiele, da trifft man zwei, drei Mal. Ich wünsche ihm, dass er morgen so einen Tag hat."

Elber verteidigt Lewandowski

Auch Giovane Elber, der die Bayern exakt vor 17 Jahren - am 1. Mai 2001 - zum 1:0-Halbfinalsieg bei Real schoss, verteidigte seinen Nachfolger. "Die Kritik an Lewandowski ist viel zu viel", erklärte der Brasilianer im Münchner Merkur. "Die Leute sehen nicht, wie er arbeitet, wie er Sergio Ramos aus dem Strafraum zieht, um Platz für Müller, James und Thiago zu schaffen."

Genauso argumentiert Lewandowski selbst - und die Bayern schließen sich dem an. So widersprach Heynckes schon am Samstag auf SPORT1-Nachfrage vehement einer Meldung, wonach der Pole zuletzt lustlos trainiert habe und gab seinem Profi eine Einsatzgarantie.

"Sie glauben doch bitte schön nicht, dass ich ihn weglassen würde! Für mich ist Robert ein Weltklasse-Spieler. Er hat bisher 39 Pflichttore erzielt, davon träumen die meisten Stürmer in Europa."

Und sogar Sandro Wagner warb nach dem 4:1 gegen Frankfurt für seinen direkten Konkurrenten. "Lewy macht jedes Jahr seine 50 Tore. Der ist auch nur ein Mensch, der hat auch Tage dabei, wo es nicht so hinhaut", meinte der Nationalspieler. "Der wird jetzt am Dienstag die Reaktion zeigen und die Tore machen. Davon bin ich felsenfest überzeugt."

Wagner empfiehlt Doppelspitze

Damit es klappt, hat Wagner seinem Trainer einen interessanten Vorschlag gemacht: Mit einer Doppelspitze das 1:2 wettzumachen.

Seine Begründung ist nicht von der Hand zu weisen:  "Real war hinten bei jeder Flanke, bei jedem langen Ball am Schwimmen. Wir hatten nach Ecken und Flanken jede Menge Chancen."

Mit zwei Stürmern würde die Real-Defensive deutlich mehr zu tun bekommen, Wagner könnte in die von Lewandowski gerissenen Lücken stoßen und umgekehrt. Und wenn es den Münchnern gelingt, Madrids Schwächen auf den Flügeln auszunutzen, wäre die Präsenz im Strafraum bei hohen Bällen verdoppelt.

Gerade angesichts der Madrider Konterstärke wird Heynckes das Risiko einer zu offensiven Aufstellung allerdings nicht eingehen, zumal der FCB noch kein Saisonspiel mit einer Doppelspitze bestritten hat.

"Sandro kann eine Waffe sein"

"Ich würde in so einem Spiel nicht von meinen Überlegungen abgehen. Das mache ich grundsätzlich nicht", erklärte der 72-Jährige.

"Dass Sandro sich nach dem Spiel am Samstag, wo er sehr gut gespielt und ein Tor gemacht hat, da überschwänglich äußert, ist nicht schlimm. Er kann aber eine Waffe sein, wenn wir morgen mehr riskieren müssen und ich ihn dann vielleicht neben Lewandowski stelle."

Heynckes' Plan steht also: Erst auf Lewandowskis Comeback als Torjäger setzen, dann falls nötig mit Wagner nochmal alles nach vorne werfen.

"Wir haben uns geschworen, dass wir im Rückspiel alles reinwerfen werden", sagte Wagner. "Wir wissen, wo wir den Hebel ansetzen müssen."

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