So wurde Klopp zu Guardiolas Albtraum
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Lange schwärmte ganz Europa von Pep Guardiolas Fußball. Nun droht dem City-Coach das nächste Fiasko in der Champions League. Das Bayern-Muster kehrt zurück.

Wenn die Verantwortlichen des FC Bayern derzeit nach Manchester blicken, dann fühlen sie sich an die drei Jahre unter Pep Guardiola erinnert.

Zwischen 2013 und 2016 lief es stets einen Großteil der Saison wie am Schnürchen. So sehr, dass die Triple-Träume an der Säbener Straße reiften und Guardiola fast schon Heldenstatus erlangte. Und dann? Dann kam das Halbfinale in der Champions League - und damit das Ende aller Triple-Träume, samt Guardiolas Entzauberung.

Was der katalanische Startrainer dieser Tage mit Manchester City erlebt, hatte er also in ähnlicher Form schon an der Isar durchgemacht.

Unerklärlicher Einbruch im Derby

Der Unterschied zur jetzigen Lage in Manchester: Wie es scheint, erwischt es den 47-Jährigen dieses Mal schon im Viertelfinale der Königsklasse.

Nach dem 0:3 in Liverpool sind Citys Chancen im Rückspiel am Dienstag (ab 20.45 Uhr im LIVETICKER) auf den Einzug in die Vorschlussrunde jedenfalls deutlich gesunken. (So verzockte sich Guardiola gegen Liverpool)

Guardiola rätselt über die Gründe für das Debakel

Zu allem Überfluss kam am Samstagabend auch noch eine völlig überflüssige 2:3-Niederlage im Derby gegen United dazu. Dabei hatten die Gastgeber 2:0 zur Pause geführt und alles schien für die vorzeitige Meisterfeier angerichtet, ehe der unerklärliche Einbruch kam.

Heimpleite nagt am Selbstbewusstsein

Der Titel ist den Citizens zwar auch so nicht mehr zu nehmen, dennoch nagt die Heimpleite weiter am ohnehin angekratzten Selbstvertrauen der Guardiola-Truppe.

"Dass wir nicht gewonnen haben, ist für unsere Gemütslage schwierig", räumte Guardiola ein: "Hoffentlich hinterlässt das nicht zu viel Schaden für Dienstag."

Wie sich dessen Elf in der zweiten Hälfte entzaubern ließ, verblüffte zwar einerseits - andererseits spiegelten die 90 Minuten aber auch das unvollendete Schaffenswerk des Star-Trainers wider.

Starker Beginn, schöner Fußball, tolle Kritiken - doch wenn es darauf ankommt, dann ist Sense. "In ein, zwei Monaten oder ein, zwei Jahren werden wir uns fragen, wie wir dieses Spiel verlieren konnten. Aber wir haben es verloren", sinnierte Guardiola anschließend.

Immer wieder die Champions League

In München begann das Dilemma mit der krachenden 0:4-Heimpleite gegen Real Madrid, nachdem man in der Bundesliga zuvor alles in Grund und Boden gespielt hatte. Ein Jahr später kam der FC Barcelona, dann Atletico Madrid.

Dabei war Guardiola zu Beginn seiner Trainerkarriere auch in der Königsklasse extrem erfolgreich und holte mit dem FC Barcelona zwei Mal die Champions League (2009, 2011).

Außerhalb Spaniens implementierte er zwar ebenfalls seine Spielidee - doch den Beweis, seine Arbeit auch in der Champions League zu vollenden, erbrachte er in knapp fünf Jahren immer noch nicht.

Guardiola und die Gegentorflut

Woran es liegt? Möglicherweise fehlende Spannung der Spieler wegen der Dominanz in der nationalen Liga ist ein Ansatz, der besonders in seiner Münchner Zeit diskutiert wurde. Doch den City-Coach selbst beschäftigt ein anderes wiederkehrendes Muster: die Gegentorflut binnen kurzer Zeit. 16 Minuten benötigte United für seine drei Tore, Liverpool brauchte nur drei Minuten länger.

"Bastard" vs. "Feigling": Pep und Klopp im Sprücheduell

"Ich habe schon viele Champions-League-Spiele innerhalb von zehn oder 15 Minuten abgegeben. In Barcelona stand es zum Beispiel mit dem FC Bayern 2015 nach 77 Minuten 0:0, nach 90 Minuten 0:3. Das ist viele Male passiert - vielleicht ist es mein Fehler. Ich muss darüber nachdenken."

Dass seine Idee vom Fußball funktioniert, hat Guardiola hinlänglich bewiesen. Nun muss er schleunigst Antworten auf seine Fragen finden - sonst wird er die Bayern-Geister vielleicht nie mehr los.

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