Kovacs historische Warnung: "... dann geht jede Familie auseinander"
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München - Bayern steckt in der Krise und muss nun die Hürden Athen und Borussia Dortmund nehmen. Niko Kovac steht zwar in der Kritik, geht aber vehement in die Offensive.

Auf den Schultern von Niko Kovac lastet viel Druck. Seit Wochen kann der FC Bayern spielerisch nicht überzeugen, viele seiner Spieler sind unzufrieden, zudem gelangen immer wieder Interna aus der Kabine an die Öffentlichkeit.

Kovac jedoch geht vor dem Champions-League-Rückspiel gegen AEK Athen und unmittelbar vor dem Bundesliga-Kracher gegen Tabellenführer Borussia Dortmund in die Offensive.

Der in der Kritik stehende Bayern-Trainer lässt keine Zweifel daran aufkommen, dass er auch zukünftig auf der Bank des Rekordmeisters sitzen wird. (Champions League: FC Bayern - AEK Athen, Mittwoch, 21 Uhr im LIVETICKER, alle Infos auch ab 20.45 Uhr im Fantalk im TV auf SPORT1)

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Kovac verbreitet Optimismus

Auf der Abschluss-PK vor dem Spiel gegen Athen gab sich Kovac am Dienstag alles andere als gerädert, obwohl die Bayern zuvor beim 1:1 gegen Freiburg auf ganzer Linie enttäuschten.

Der Ex-Profi versprühte Optimismus, wirkte positiv und voller Elan. "Ich könnte sagen, das war nicht gut und das nicht, aber dadurch würde das Selbstvertrauen meiner Spieler nicht steigen", begründete Kovac. Er wolle mit seinem "positiven Auftreten" dazu beitragen, dass seine "Jungs da wieder rauskommen".

Der Kroate versuchte zudem, etlichen Berichten entgegenzuwirken, wonach ein Großteil der Mannschaft unzufrieden sei.

"Die Atmosphäre innerhalb der Mannschaft ist gut. Wir sind positiver Dinge, dass es vom Ergebnis her gut wird, trotz der spielerischen Leistung, die wir zuletzt gezeigt haben", erklärte Kovac auf SPORT1-Nachfrage.

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Kimmich stützt den Trainer

Während die Bayern-Verantwortlichen und die Spieler in den vergangenen Tagen verbale Unterstützung für ihren Trainer vermissen ließen, stellte sich Joshua Kimmich am Dienstag vor Kovac.

"Absolut”, antwortete der Defensiv-Allrounder auf die Frage, ob die Mannschaft noch hinter dem Coach stehe. Kimmich betonte, dass das Team dafür Sorge zu tragen habe, Führungen wie gegen Freiburg nicht mehr herzugeben und gegen Viertligist Rödinghausen nicht ins Schwimmen zu kommen.

"Das hat überhaupt nichts mit dem Trainer zu tun. Da sind wir Spieler in der Verantwortung, wir müssen dafür sorgen, dass wir an unser Leistungsmaximum kommen", sagte Kimmich auf SPORT1-Nachfrage. "Es geht darum, wie wir verteidigen und wie wir mit unseren Torchancen umgehen. Dafür müssen wir ein Bewusstsein entwickeln. Am Ende stehen wir auf dem Platz, nicht der Trainer."

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Kovac fordert Zusammenhalt

Immer wieder drangen in den vergangenen Wochen Interna an die Öffentlichkeit. Das sorgte für Unruhe und schwächte Kovac.

"So etwas darf es nicht geben. Ich würde mir wünschen, dass es sowas nicht gibt", kritisierte der Trainer und beschwor den inneren Zusammenhalt: "Das ist wie in der Familie. Wenn die zusammenhält, ist es leicht. Wenn nicht, geht jede Familie auseinander. Deswegen müssen wir hier beim FC Bayern München zusehen, dass wir da keine Luft dranlassen. Da darf nichts dazwischenkommen."

Der 47-Jährige betonte, dass er die Unterstützung der Bayern-Führung spüre, sich auch regelmäßig mit Karl-Heinz Rummenigge, Uli Hoeneß und Hasan Salihamidzic austausche.

Ende der Gute-Laune-Rotation

In Richtung seiner Stars, die zuletzt nicht die gewünschte Leistung geboten hatten, wurde Kovac deutlich: "Wir müssen performen. Und wenn wir nicht performen, kommt ein anderer. Darauf sollten wir uns konzentrieren und nicht darauf, wer ist sauer oder unzufrieden."

Der Trainer muss diesen Weg nun aber konsequent umsetzen. Wohlwissend, dass Routiniers wie Arjen Robben oder Franck Ribery oder Stars wie James Rodriguez auch zukünftig nicht erfreut sein werden, wenn sie aus- oder nur eingewechselt werden.

Setzt Kovac vermehrt und knallhart auf das Leistungsprinzip anstelle einer Rotation, um jedem Spieler Einsatzzeiten zu ermöglichen, könnte ihn das stärken.

Um die Dominanz und Selbstbewusstsein des Saisonbeginns zurückzugewinnen, forderte Kovac von jedem seiner Spieler, dass er "einfach nur fünf Prozent mehr" bringen solle. Erstmals nahm Kovac in der Krise also auch seine Spieler in die Pflicht.

Mangel an Alternativen

Sollte Kovac aufgrund der nicht vorhandenen, spielerischen Entwicklung und bei einer möglichen Pleite in Dortmund allerdings tatsächlich zur Disposition stehen, stellte sich die Frage nach der Alternative.

Jupp Heynckes hat mehrfach klargestellt, nicht mehr zur Verfügung zu stehen. Arsene Wenger dementierte Medienberichte, nach denen er vor einem Engagement beim AC Milan steht. Nach SPORT1-Informationen war die Trainer-Legende (zuletzt FC Arsenal) innerhalb der Mannschaft bereits ein Thema. Jedoch gibt es Zweifel daran, ob Wenger den Bayern im Falle einer Kovac-Entlassung tatsächlich weiterhelfen kann.

Ralph Hasenhüttl (zuletzt RB Leipzig) plauderte bereits vor Wochen aus, mit den Bayern in Kontakt gestanden zu haben, nachdem klar war, dass Heynckes nicht weitermacht. Jedoch ist der Österreicher noch kein Trainer der Marke Extraklasse.

Zinedine Zidane, dessen Name rund um die Säbener Straße auch immer mal wieder auftaucht, ist zwar auf dem Markt. Dass der Ex-Trainer von Real Madrid die Bayern jedoch im Laufe der Saison übernimmt, ist unwahrscheinlich. Zudem spricht der Franzose weder Deutsch noch fließend Englisch.

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Bosse wären gescheitert

Zu Saisonbeginn hatten die Bayern-Bosse demonstrativ klargestellt, dass Kovac nach dem feststehenden Aus von Heynckes keinesfalls die 1d-Lösung war, auch wenn sie sich unter anderem mit Thomas Tuchel (jetzt Paris St.-Germain) beschäftigt hatten.

Im Laufe der Vorbereitung schwärmten Rummenigge, Hoeneß und Salihamidzic regelmäßig von Kovac, betonten sogar, dass sie dem Ex-Frankfurter zutrauen, sehr lange bei den Bayern erfolgreich zu arbeiten.

Würden sie Kovac nun nach nur vier Monaten entlassen, wäre das zugleich ein Eingeständnis ihres Scheiterns. Auch deshalb scheint Kovac bei den Bayern noch Kredit zu haben. Zudem ist die Klubführung nach SPORT1-Informationen weiterhin zufrieden damit, wie akribisch und intensiv Kovac arbeitet.

Dennoch: Ein klares, öffentliches Bekenntnis pro Kovac, auch im Falle einer Niederlage in Dortmund, war bislang nicht zu hören. Lediglich Salihamidzic tat Fragen nach einer Trainer-Diskussion als "blödsinnig" ab. Seine beiden Chefs schweigen seit ihrer legendären Krawall-PK.

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