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München - Thomas Tuchel zeigt sich nach dem Champions-League-Aus von Paris Saint-Germain geschockt. Sein Job scheint sicher, Präsident Al-Khelaifi sorgt dennoch für Spekulationen.

Am Ende konnte er nur den Kopf schütteln.

Als Thomas Tuchel gefragt wurde, welche Bedeutung dieser historische Abend für den restlichen Saisonverlauf von Paris Saint-Germain haben wird, hatte der Trainer der Franzosen keine Antwort. "Weiß ich noch gar nicht. Es ist schon ein Schock“, sagte er sichtlich konsterniert am Sky-Mikro.

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Sein Kopfschütteln war mehr als die bloße Beantwortung der Frage. Es war ein Sinnbild des gesamten Abends. Tuchel, der sonst auf alles eine Antwort hat, war sprachlos. Sprachlos, ob der Geschehnisse an dem Abend, an dem PSG wieder einmal eine so glänzende Ausgangsposition in der Champions League verspielte.

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Thomas Tuchel: "Keinen Weg, das zu analysieren"

"Wenn du so ein Match verlierst, in dem du überhaupt keine Torchance zulässt und komplett dominierst und am Ende drei Tore kriegst, die die auch kriegen musst, um überhaupt auszuscheiden...also keine Ahnung, ich habe keinen Weg, das jetzt zu analysieren. Ich weiß auch nicht, ob es dafür einen gibt", erklärte Tuchel.

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Ob die Saison damit jetzt ruiniert sei, wisse er nicht. Doch im Prinzip ist sie das. Letztendlich erging es Tuchel in seiner Premieren-Saison in der französischen Hauptstadt nicht anders als seinen Vorgängern. In der Liga sind die Pariser das Maß aller Dinge – PSG thront trotz eines Spiels weniger mit 17 Punkten Vorsprung auf den OSC Lille an der Spitze der französischen Ligue 1 – doch in der Königsklasse müssen sie jedes Jahr viel zu früh die Segel streichen. Die bittere 1:3-Niederlage gegen Manchester United besiegelte das dritte Achtelfinalaus hintereinander.

Überhaupt ist PSG, seitdem 2011 die katarische Investorengruppe Qatar Sports Investments den Klub übernahm, bisher nie über das Viertelfinale der Königsklasse hinausgekommen. Das Ziel Champions-League-Titel wurde in jeder Saison krachend verfehlt. Egal ob Carlo Ancelotti, Laurent Blanc oder Unai Emery. Sie alle dominierten zu Großteilen die französische Liga – seit 2011 verfehlte PSG zur zweimal den Titel – und sie alle scheiterten dennoch an den Ansprüchen von Präsident Nasser Al-Khelaifi.

PSG-Dreigestirn vor Achtelfinale gesprengt

Für den Präsidenten zählt nur der Königsklassen-Titel. Und dafür scheute er bisher weder Kosten noch Mühen. Über eine Milliarde gab PSG seit 2012 für Transfers aus, holte Superstars wie Kylian Mbappe und Neymar an die Seine. Zusammen mit Edinson Cavani bilden die beiden das Dreigestirn im Sturm, das in dieser Saison bisher wettbewerbsübergreifend 54 Tore erzielt hat.

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Doch gerade dieses Dreigestirn wurde vor dem Achtelfinale gesprengt. Die Verletzung von Neymar ließ schon Ungutes erahnen, im Hinspiel fehlte dann auch noch Cavani. Doch PSG zeigte sich unbeeindruckt und siegte im Old Trafford.

Im Rückspiel war Cavani dann auch wieder einsatzbereit. Doch Tuchel ließ ihn zunächst draußen, brachte ihn erst in der Nachspielzeit, als es schon zu spät war. Ein Fehler, wie sich im Nachhinein herausstellte. "Ich hatte nie das Gefühl, dass Manchester United gewinnen würde", verteidigte sich Tuchel nach dem Spiel. Das gleiche Gefühl hatte er allerdings auch im Ligapokal, als PSG gegen EA Guingamp ausschied.

Khelaifi lässt Raum für Spekulationen

Doch wie geht es jetzt mit Paris und Tuchel weiter? Trotz des krachenden Scheiterns in der Königsklasse scheint der Ex-BVB-Trainer noch Kredit bei Khelaifi zu haben. "Ich vertraue dem Trainer. Wir werden sehen, ob seine Entscheidung lautet, etwas zu verändern oder es so zu belassen", sagte der Präsident nach dem Spiel. Man müsse nichts nur aufgrund eines verlorenen Spiels ändern.

"Unsere Entscheidungen sollten wir mit kühlem Kopf treffen. Dies ist nicht der Moment. Wir müssen uns jetzt beruhigen und sehen, was der Trainer will", erklärte Al-Khelaifi. Die Aussagen sind zwar als Vertrauensbeweis zu werten, lassen aber dennoch Raum für Spekulationen. Will Tuchel womöglich gar nicht mehr weitermachen?

Tuchels Entscheidung, ob und wie es für ihn bei Paris weitergeht, wird auch davon abhängen, ob der akribische Analyst einen Weg findet, die Geschehnisse im Prinzenpark zu analysieren und die richtigen Schlüsse aus ihnen zu ziehen. Dann würde auch sein Kopfschütteln so langsam verschwinden.

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