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München - Der alte Mann soll es richten: Nach der Gala bei Real Madrid ruhen vor dem Champions-League-Viertelfinale die Hoffnungen bei Ajax Amsterdam auf Dusan Tadic.

Gut möglich, dass Dusan Tadic das bestgehütete Geheimnis im internationalen Fußball war.

Seit jenen magischen Momenten am 5. März dieses Jahres ist er es jedenfalls nicht mehr, und es stellt sich die Frage: Wo hat sich dieser Kerl nur so lange versteckt? Unvergessen, wie Tadic an diesem Abend im Estadio Bernabeu einen gewissen Casemiro austanzte, eine Offenbarung, wie er Ajax Amsterdam zum 4:1 bei Real Madrid führte.

Seit diesem Spiel, das Ajax ein Viertelfinale gegen Juventus Turin und Cristiano Ronaldo bescherte, gehört Tadic einem erlauchten Kreis an: Die französische Sportzeitung L'Équipe adelte den 30 Jahre alten Serben für seine Leistung mit zwei Vorlagen und einem Treffer mit einer "10"; nur acht Spieler hatten die Bestnote seit der Gründung des Blattes 1946 erhalten. Darunter Lionel Messi, Neymar, Robert Lewandowski oder Lars Windfeld.

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Tadic gegen Real Madrid mit dem besten Spiel seiner Karriere

"Das war das wahrscheinlich beste Spiel meiner Karriere", sagte Tadic an jenem 5. März - wobei "wahrscheinlich" wohl überflüssig ist. Seit er 2006 für Vojvodina Novi Sad seine Karriere als Profi begonnen hatte, ist er nie so auffällig gewesen. Nicht in Novi Sad, wo 2009 kurz Dragoslav Stepanovic sein Trainer war, nicht beim FC Groningen (ab 2010) und bei Twente Enschede (ab 2012) in den Niederlanden, auch nicht beim FC Southampton (ab 2014) in der Premier League. 

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Der offensiv vielseitig verwendbare Tadic war in all den Jahren nie ein großer Torjäger, auch nicht in mittlerweile 61 Spielen für die serbische Nationalmannschaft (14 Tore). Seine große Stärke ist es, Chancen zu kreieren oder Treffer seiner Mitspieler vorzubereiten. Tadic ist sicher am Ball, kann ihn gut abschirmen. Stets jedoch schien es, als schöpfe er sein Potenzial nicht so richtig aus. Obwohl Tadic als äußerst trainingsfleißig gilt.

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Bei Ajax jedoch sahen sie in Tadic so viel, dass sie 11,4 Millionen Euro plus mögliche Nachzahlungen investierten, um ihn, den damals schon 29-Jährigen, aus Southampton zu holen.

Ein Hoffnungsträger für Ajax Amsterdam

Tadic war froh, die Premier League verlassen zu können. Dort würden Angreifer nicht geschützt, kritisierte er. Als er nach einem Spiel mal wieder einen Eisbeutel auf seinem Bein liegen hatte, sagte er sich: "Nach meinem Karriereende will ich kein Eis mehr sehen, nicht einmal in meinem Drink."

Ajax, sagte Tadic, sei sein "Traumverein". Was zunächst wie ein Rückschritt in seiner Karriere aussah, entwickelte sich auf seine alten Tage zu einem ungeahnten Aufstieg. Erstmals seit 2003 steht Ajax im Viertelfinale der Champions League - vor allem auch wegen Tadic, der mit bereits sechs Toren und vier Vorlagen bester Scorer der Königsklasse ist und auch erst mal bleibt: Lewandowski und Kylian Mbappe (je neun Scorerpunkte) sind schon draußen.

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Der große Erfolg von Tadic und Ajax wird das Viertelfinale vielleicht nicht überdauern, und spätestens am Saisonende droht die Mannschaft zu zerfallen. Der Wechsel von Frenkie de Jong (21) zum FC Barcelona für 75 Millionen Euro Ablöse etwa steht bereits fest, Matthijs de Ligt (19) könnte folgen. Tadic will Schlimmeres verhindern. 

"Ich werde versuchen", sagte er, "die übrigen Jungs vom Bleiben zu überzeugen." Er jedenfalls, beteuerte er, "spiele nächste Saison sicher hier - zu 100 Prozent."

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