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James Milner hat den Ruf als langweiliger Fußball-Profi. Doch er ist das genaue Gegenteil, und für den FC Liverpool zu einem wichtigen Faktor geworden.

James Milner ist der Gegenentwurf eines modernen Fußballers. Er trägt keine schrägen Frisuren, ist nicht eitel, gibt nicht in den sozialen Netzwerken an und steht auch nicht auf die großen Töne und Headlines. Bei vielen Fußball-Fans gilt er als Langweiler.

Was dazu passt, ist, dass er lieber Tore vorlegt, als sie selbst zu erzielen. Außerdem ist er deutlich lieber Teamplayer als auf einem Ego-Trip unterwegs. Der 33-Jährige ist quasi der Inbegriff eines englischen Fußballers der alten Schule. Ein Kämpfer, ohne das außergewöhnliche Talent der Superstars des Fußballs.

Milner kämpft sich in die Premier League

Als Milner in der Jugend von Leeds United kickte, sagte ihm sein Vater: "Es gibt keine Chance, dass du es als Spieler schaffst. Du arbeitest nicht hart genug." So erzählte es die heutige Stütze des FC Liverpool in einem Interview mit der Daily Mail.

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Doch Milner kämpfte sich durch und hat mittlerweile unglaubliche 516 Spiele in der Premier League absolviert. Über Manchester City kam er im Sommer 2015 nach Liverpool. Beim Team von Coach Jürgen Klopp gilt der zentrale Mittelfeldspieler als Leader, als Heißmacher.

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In dieser Rolle wurde er auch im mit 0:3 verlorenen Halbfinal-Hinspiel in der Champions League gebraucht. Als Milner Lionel Messi hart umgrätschte, tat er in gewisser Weise das, was die Reds dringend benötigten.

Milner legt sich mit Messi an

"Bei solchen Spielern muss man sie wissen lassen, dass man da ist, und darf nicht zulassen, dass sie alles auf ihre Weise machen", sagte Milner mit ein wenig Abstand der Daily Mail. "Du willst ihn nicht verletzen, aber es ist ein physisches Spiel."

Messi gefiel das Einsteigen eher weniger. "Er sagte: 'Dieses Foul hast du begangen, weil ich dich getunnelt habe.' Ich beließ es dabei und ging in die Umkleidekabine. Ich habe nur Bewunderung für ihn übrig. Er hat das Recht zu sagen, was er will."

Messi spielte dabei auf eine Szene im Jahr 2015 an. Der Beinschuss des Argentiniers war damals derart spektakulär, dass das Video davon zum Youtube-Hit wurde. Bis heute denken viele Fußball-Fans an diese Situation, wenn sie den Namen Milner hören.

Auf dem Weg in die Kabine nannte Messi Milner außerdem "Burro" (Esel). Auch das verstand der Engländer, weil er spanisch spricht. Eine Fähigkeit, die man ihm nicht unbedingt zutrauen würde.  

Der Exzentriker unterhält seine Familie 

Entschlossenheit prägt auch sein Privatleben, was seine Familie immer wieder erfahren muss. Denn eines Tages setzte er sich in den Kopf, Spanisch zu lernen. Anfangs dachte seine Frau noch, dass ihr Mann diese Idee nach ein paar Tagen wieder verwerfen würde. Aber Milner macht keine halben Sachen.

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Seine Kinder spricht er auf Spanisch an, seitdem diese noch Babys waren. Wenn sie aus dem Bett kommen, begrüßt er sie mit "Buenos Dias" (Guten Morgen). In der Küche fragt der Papa: "Que quieres para desayunar?" (Was möchtest du zum Frühstück?) oder "Elige un cereal" (such' dir  ein Müsli aus).

"Ich wollte immer eine andere Sprache sprechen", sagt Milner rückblickend. "Ich fand es beeindruckend, wenn ich hörte, wie Leute verschiedene Sprachen sprachen und zwischen den Gesprächen hin und her switchten." Und wenn Milner etwas will, dann macht er es auch. 

Milner führt den FC Liverpool zum Comeback

Was er im Rückspiel gegen den FC Barcelona wollte, ist klar. Er wollte Messi – wie zuvor seinen Vater – eines Besseren belehren. Zeigen, dass er eben kein Esel oder Rüpel ist, sondern ein Leader, der sein Team ins Finale führt. Das Comeback der Reds steht sinnbildlich auch für Milner. Zu wohl keinem anderen passt die Aufschrift auf dem Shirt so gut, das Mo Salah an diesem denkwürdigen Tag trug: "Never Give Up".

Er kämpfte und ackerte und spielte. Denn auch das kann Milner: Fußballspielen. Der Mittelfeldspieler ist einer der besten Vorlagengeber der Welt und erzielt außerdem immer wieder wichtige Tore für die Reds.  

Die Fans feiern ihren Leader 

Nach dem vollendeten Comeback gegen Barca brach der Leader auf dem Feld zusammen, und manch ein Beobachter meinte sogar eine Träne zu erkennen. Keine Spur von dem langweiligen Charakter, den ihm viele Fußball-Fans nachsagen.

Solche Emotionen trauten "Boring James Milner" (so heißt eine Twitter-Parody auf ihn mit knapp 650.000 Followern) nicht viele zu. Doch mittlerweile haben zumindest die Reds-Fan verstanden, wer Milner ist und was sie ihm zu verdanken haben.

Nach dem letzten Heimspiel in Liverpool der Saison sang der Kop seinen Namen so laut wie keinen anderer. Für viele ist er zum Symbol des Comebacks, der Emotionen und der Einstellung des Teams geworden.

Ein großes Ziel: Die Champions League gewinnen

"Ich möchte in allem, was ich tue, der Beste sein", sagte Milner vor dem Finale in der Champions League. (UEFA Champions League: Tottenham Hotspur - FC Liverpool, Sa. ab 21 Uhr im LIVETICKER)

"Ich hasse es zu verlieren." Das treibt den – so gar nicht langweiligen – Engländer immer wieder dazu, es seinen zahlreichen Kritikern zu zeigen.

Milner glaubt, dass die Final-Niederlage aus dem letzten Jahr Auftrieb geben wird. Er will die Reds unbedingt zum Gewinn des Henkelpotts führen. Und was passiert, wenn James Milner etwas unbedingt will, hat man in letzter Zeit des Öfteren beobachten können.

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