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Madrid und München - Alisson Becker war im vergangenen Sommer der Königstransfer des FC Liverpool. Im Finale der Königsklasse zeigt er seinen Wert - auf seine Art.

Unmittelbar nach dem Schlusspfiff hatte Alisson nochmals alle Hände voll zu tun.

Eine Horde jubelnder Teamkollegen stürmte plötzlich auf den Torhüter des FC Liverpool zu - aber der Brasilianer meisterte auch diese Herausforderung, so souverän wie er die gesamten 90 Minuten des Champions-League-Finales bestritten hatte.

Sein Trainer Jürgen Klopp wollte ihn anschließend gar nicht mehr loslassen.

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Klopp: "Habe ihm fast den Rücken gebrochen"

"Ich habe ihm fast den Rücken gebrochen, so sehr habe ich ihn gedrückt", fürchtete Klopp.

Die gute Nachricht: Liverpools Matchwinner hat die Jubelstürme augenscheinlich unbeschadet überstanden.

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Nach dem frühen Elfmetertor von Mohamed Salah waren es vor allem die Paraden des Schlussmannes der Selecao, die die Spurs in der Schlussphase verzweifeln ließen - und Liverpool beim 2:0-Sieg den Titel sicherten.

"Ali war da, um uns zu retten", sagte Abwehrchef Virgil van Dijk. Der Retter selbst rang am Sky-Mikrofon nach Worten: "Unglaublich, ein Kindheitstraum wird wahr. Davon werde ich noch den Kindern meiner Kinder erzählen."

Schwangere Frau gratuliert am Telefon

Bald kann er seinem zweiten Kind davon erzählen. Seine Frau ist hochschwanger und konnte deswegen auch nicht live im Wanda Metropolitano dabei sein. Mit einem Videoanruf war Alisson auf dem Rasen aber ganz nah bei seinen Liebsten.

Alisson feierte den Champions-League-Titel mit seiner Familie via Videoanruf
Alisson feierte den Champions-League-Titel mit seiner Familie via Videoanruf © Getty Images

Seine Heldentaten konnte seine Familie vorher live im Fernsehen verfolgen.

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Klopp huldigt Alisson: "Dinge sehen so leicht aus"

Als erster Torhüter seit seinem Landsmann Júlio César 2010 blieb Alisson in einem Endspiel der Königsklasse ohne Gegentor. Seine acht Paraden gegen Christian Eriksen, Harry Kane und Co. werden ebenfalls von keinem Keeper in einem Champions-League-Finale übertroffen. Edwin van der Sar wehrte 2011 zwar auch acht Torschüsse ab - kassierte allerdings auch drei Gegentore.

"Wir haben nur ein Problem", setzte Klopp zu seiner Lobeshymne auf Alisson an, "die schwierigen Dinge sehen so leicht aus bei ihm, deshalb bekommt er nicht so viel Lob ab."

Die herausragende Leistung des 26-Jährigen wurde vor allem in dessen früherer fußballerischer Heimat Italien gefeiert. "Alisson hat jeden Raum geschlossen und Tottenhams Hoffnungen auf einen Neustart versenkt", schrieb der Corriere della Sera.

Rekordtransfer Alisson beerbt Unglücksrabe Karius

Vor einem Jahr kam Alisson Ramses Becker, so der vollständige Name des Mannes mit deutschen Vorfahren, für über 60 Millionen Euro Ablöse von der AS Rom als damals teuerster Torhüter der Welt zu den Reds. Kurz nachdem Loris Karius noch seinen beiden Patzern gegen Real Madrid auf dem Rasen des Finalstadions in Kiew bitterliche Tränen vergoss.

Auch Alisson sah damals diese Szenen. "Ich war sehr betrübt", sagte er vor dem diesjährigen Finale bei ESPN. "Wir kennen alle das Gefühl, einen Fehler in einem so großen Wettbewerb wie der Champions League zu machen."

Man könne nicht einen Einzelnen dafür verantwortlich machen, ergänzte Alisson: "Es war nicht Karius, der dieses Match verloren hat, Liverpool hat das Spiel verloren."

Alissons großer Anteil am Triumph

Gut ein Jahr später hat Alisson zwar nicht allein das Spiel für Liverpool gewonnen, sein Anteil am Triumph ist aber ein gehöriger.

Schon das Erreichen des Endspiels haben die Reds auch ihrem starken Rückhalt zu verdanken. Beim Wunder von Anfield im Halbfinalrückspiel hielt der Ruhepol zwischen den Pfosten seinen Kasten gegen Lionel Messi und Co. sauber. Unvergessen auch seine spektakuläre Rettungstat gegen Neapels Arkadiusz Milik, die im letzten Gruppenspiel das Erreichen der K.o.-Runde sicherte.

Am Samstag folgte nun die Krönung, als Alisson den Henkelpott in den Nachthimmel Madrids stemmen durfte - die Trophäe natürlich gewohnt sicher in seinen Händen.

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