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München - Hugo Lloris, Torwart der Tottenham Hotspur, blickt auf den Weg ins Champions-League-Finale zurück. Dabei gibt er intime Kabinen-Einblicke.

Vor dem Champions-League-Finale (Champions League: Tottenham Hotspur - FC Liverpool, ab 21 Uhr im LIVETICKER) hat der Schlussmann von Tottenham Hotspur Hugo Lloris bei ESPN den spektakulären Weg ins Endspiel Revue passieren lassen. Dabei gibt der Franzose intime und kuriose Kabinen-Einblicke.

Der Rückblick beginnt am 24. Oktober 2018 kurz vor 22 Uhr in den Katakomben des Eindhovener Philips-Stadions. Soeben ist Lloris nach einer Notbremse vom Platz geflogen, sitzt allein in der Umkleide und weiß ganz genau, was der Lärm zu bedeuten hat, der bis in den Kabinentrakt schallt. Die Hausherren haben kurz vor Spielende den 2:2-Ausgleich erzielt. Die Spurs stehen nach drei Gruppenspielen mit einem Zähler fünf Punkte hinter Inter Mailand auf dem dritten Platz.

"Es war ein schlechtes Gefühl. Wir waren fast ausgeschieden. Dennoch war es wichtig positiv zu bleiben und den Glauben zu bewahren. Auch wenn es sehr hart war", erinnert sich der 32-Jährige zurück.

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Seine Teamkollegen waren mittlerweile in die Kabine gekommen. Die Atmosphäre sei "düster" gewesen. Auch Trainer Mauricio Pochettino schwieg vor der Mannschaft, bevor er vor den Medienvertretern von einem "Wunder" sprach, dass die Spurs nun für einen Achtelfinal-Einzug benötigen würden.

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Der Rückflug nach London sei ebenfalls ein "stiller" gewesen. "Wir brauchten ein paar Tage, um von diesem Match abzuschalten", gab Lloris im Exklusiv-Interview bei ESPN Einblicke in die Psyche der Mannschaft.

Moura schießt die Spurs ins Achtelfinale

Vor dem Rückspiel gegen Eindhoven habe Pochettino vor allem an der mentalen Stärke der Truppe gearbeitet und für die verbleibenden drei Gruppenspiele einen neuen Wettbewerb ausgerufen. Dennoch war klar: Tottenham würde ein Wunder benötigen, um doch noch in die K.o.-Phase einzuziehen.

Es folgten zwei Heimsiege mit Siegtoren in der Schlussphase. Und plötzlich waren die Londoner vor dem letzten Spieltag punktgleich mit Inter auf dem zweiten Platz.

Dennoch sah es beim klar favorisierten FC Barcelona bis zur 85. Spielminute nach einer 0:1-Niederlage aus. Dann traf der eingewechselte Lucas Moura, einer von mittlerweile sechs Angreifern auf dem Feld, und der "erste Schlüsselmoment" dieser Champions-League-Saison war geschehen.

"Ich erinnere mich noch, wie wir mit den Fans gefeiert haben, als das Spiel von Inter Mailand zu ende war", so Lloris gegenüber ESPN. Die Italiener waren zuhause nicht über ein 1:1 über Eindhoven hinausgekommen - Tottenham im Achtelfinale!

Lloris: "Das Ende der Welt für 10 oder 15 Sekunden"

Es war das erste Spurs-Wunder. Nach zwei Siegen (3:0 und 1:0) gegen Borussia Dortmund folgte im Viertelfinale gegen Manchester City das zweite. Und was für eins!

"Es war das Ende der Welt für 10 oder 15 Sekunden. Wir waren alle unten auf dem Boden", erinnert sich der Kapitän an die Nachspielzeit im Rückspiel zurück, als Citys Raheem Sterling das entscheidende 5:3 erzielte. "Dann hat uns der Schiedsrichter gerettet, indem er das Tor aberkannte. Ich konnte es nicht glauben." Etwas lustig sei es schon gewesen, einen nicht gegebenen Treffer des Gegners wie ein selbst erzieltes Tor zu feiern.

Im Halbfinale folgte Wunder Nummer drei, nachdem die Pochettino-Elf das Hinspiel zuhause mit 0:1 gegen Ajax Amsterdam verloren hatte. Der Glaube sei dennoch nicht verloren gewesen, auch wenn alle von dem Auftritt enttäuscht gewesen seien. Lloris selbst sprach nach der Partie auch nicht mit den Medien, was bislang selten vorkam.

Der Glaube, die große Zuversicht, es dennoch schaffen zu können erhielten im Rückspiel bis zur Halbzeit einen brutalen Dämpfer. Die Spurs lagen 0:2 zurück und benötigten drei Treffer für den Finaleinzug.

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Der sonst eher stillere Kapitän Lloris wandte sich an seine Mannschaft, sprach ihr Mut zu und malte das Szenario an die Wand, was passiere, wenn der erste Treffer fallen sollte. "Sie werden Zweifel bekommen."

"Wir haben im richtigen Moment das richtige Gefühl bekommen und wir alle unser Level erhöht", erinnert er sich an das spektakuläre Comeback zurück. Nachdem der Brasilianer Lucas in der Nachspielzeit seinen dritten Treffer erzielte, war der Finaleinzug der Spurs perfekt.

Ob am Samstagabend im Finale gegen den FC Liverpool ein weiteres Wunder nötig sein wird, um im ersten Europapokalfinale der Vereinsgeschichte auch den ersten Titel zu gewinnen, wird sich zeigen. Klar ist aber: Der Glaube an eigene Stärke ist vorhanden, Comeback-Qualitäten ebenfalls und wundervolle Momente in dieser Spielzeit nachweislich sowieso.

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