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München - Der Erfolg von Jürgen Klopp weckt Begehrlichkeiten. Franz Beckenbauer würde Klopp gerne bei den Bayern sehen. Doch sein Wunsch lässt sich nur schwer erfüllen.

Nicht erst seit dem Triumph mit dem FC Liverpool fliegen Jürgen Klopp die Herzen zu.

Doch nach dem Titelgewinn in der Champions League kann sich der Erfolgstrainer vor Sympathiebekundungen kaum retten.

Neben Pep Guardiola sei der Deutsche der "begehrteste Trainer im Weltfußball", schrieb der Telegraph.

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Auch Franz Beckenbauer stimmte in die allgemeinen Lobeshymnen ein. "Für mich ist er einer der weltbesten Trainer", sagte Beckenbauer der Bild - und schob seine Hoffnung gleich hinterher: "Ich wünsche mir nichts sehnlicher, als dass er eines Tages zum FC Bayern kommt. Das würde passen."

Aber Klopp und Bayern - würde das wirklich so gut passen, wie der "Kaiser" glaubt?

Klopp selbst fühlte sich jedenfalls geehrt. Er freue sich, wenn "der Franz so etwas sagt. Das ist mir viel lieber, als würde er sagen und denken, der Klopp kann nichts", sagte der 51-Jährige der Bild. "Ich mag den Franz - und er mag mich. Aber ich habe einen langfristigen Vertrag in Liverpool." Außerdem hätten sowohl die Bayern als auch Borussia Dortmund sehr gute Trainer. "Und was in fünf Jahren oder später sein könnte, weiß ich nicht."

Liverpool will Vertrag mit Klopp verlängern

Aktuell stellt sich diese Frage jedenfalls nicht. Klopps Vertrag bei den Reds läuft noch bis 2022 und die Klubbosse rollen ihm gerade den roten Teppich aus. Englische Medien berichten, dass der LFC das Arbeitspapier des 51-Jährigen gerne verlängern und damit sein Jahresgehalt von aktuell rund acht Millionen Euro noch mal aufbessern will.

Andererseits wäre er 2022 sieben Jahre Trainer in Liverpool - zum Vergleich: seine bisherigen Stationen Mainz und Borussia Dortmund verließ der gebürtige Stuttgarter auch jeweils nach sieben Jahren.

Im schnelllebigen Fußballgeschäft lassen sich natürlich nur schwer Vorhersagen treffen. Seine nähere Zukunft sieht Klopp jedenfalls in Liverpool. "Wir werden weiter versuchen, Titel zu gewinnen. Das ist erst der Anfang für dieses Team", sagte Klopp nach dem Triumph in Madrid.

In den vergangenen Jahren hat der Coach die Mannschaft nach seinen Vorstellungen zusammengestellt. Schlüsselspieler wie Virgil van Dijk (27), Mohamed Salah (26), Sadio Mané und Roberto Firmino (beide 27) sind im besten Fußballeralter.

Neuer Anlauf auf den englischen Meistertitel

Klopps großes Ziel ist der Gewinn des Meistertitels, der bei vielen Reds-Fans einen noch höheren Stellenwert genießt als der Henkelpott. Zumal der frühere Rekordmeister von der Merseyside seit fast 30 Jahren auf diesen Titel wartet.

So bitter es war, dass selbst 97 Punkte in diesem Jahr nicht reichten, so sehr ist das auch ein Ansporn für den nächsten Anlauf.

Doch Beckenbauer warnte: "Ich glaube, dass ein Job in England dir die Kräfte raubt. Du hast als sogenannter Manager bei einem Premier-League-Klub noch mehr Verantwortung als ein Trainer in der Bundesliga."

Wäre ein Job beim deutschen Rekordmeister daher der Ausweg? Entspannt zurücklehnen könnte er sich in München jedenfalls genauso wenig. Und besonders im Fokus würde er nach seiner Rückkehr aus England sowieso stehen.

Wann auch immer seine Zeit in Liverpool endet, anschließend werde er "sicher ein Jahr Pause" machen, kündigte Klopp im vergangenen Jahr bei Sky an.

Ein Sabbatical und dann zu den Bayern? So wie einst Guardiola nach seiner intensiven Zeit beim FC Barcelona?

Klopps schwarz-gelbe Vergangenheit lässt den Wunsch von Beckenbauer unwahrscheinlich erscheinen. Die Zeit bei den Borussen war geprägt vom direkten Konkurrenzkampf mit den Bayern. 

Vor allem aber gingen Klopp die Wechsel von Mario Götze und Robert Lewandowski zum direkten Konkurrenten persönlich nahe. Vor allem der Götze-Wechsel im Jahr 2013 hat Klopp tief getroffen.

Der Liverpool-Trainer pflegt auch Jahre nach seinem Umzug nach England ein sehr gutes Verhältnis zu den BVB-Bossen - und den Fans. Er weiß, dass die BVB-Anhänger ihm einen Wechsel zum Rekordmeister niemals verzeihen würden.

Wechsel in Bayerns Führungsriege stehen bevor

Wie sich die Situation in drei oder vier Jahren auch beim FC Bayern darstellt, ist nur schwer vorherzusagen. Der Vertrag des aktuellen Trainers Niko Kovac läuft noch bis 2021.

Was die Führungsetage betrifft, kündigen sich mit dem Einstieg von Oliver Kahn als Nachfolger von Karl-Heinz Rummenigge Veränderungen an. Klopp und Kahn - da war doch was! 2014 lieferte sich der damalige BVB-Trainer einen denkwürdigen verbalen Schlagabtausch mit dem ZDF-Experten.

"Wir hatten noch nie ein Verhältnis, außer dass wir uns hier im Studio mal ab und zu getroffen haben", sagte Klopp damals. Die Angelegenheit ist fünf Jahre her und war auch von der Emotionalität nach dem Spiel geprägt, dennoch gibt es bessere Grundvoraussetzungen für eine erfolgreiche Zusammenarbeit.

Apropos Emotionalität: Kaum ein anderer Trainer lebt so für die Emotionen wie Klopp. Seine bisherigen Trainerstationen - vor allem der BVB und die Reds - sind von einem emotionalen Umfeld geprägt. Gerade diese Emotionalität ist Klopp bei seiner Vereinswahl extrem wichtig. Er braucht sie, um so zu wirken, wie er es gerne möchte. Der Rekordmeister ist da im Vergleich etwas anders gelagert.

Job als Bundestrainer reizvoll?

Bliebe noch ein mögliches Engagement als Bundestrainer als Alternative. "Sollte ich irgendwann einmal gefragt werden, und ich wäre verfügbar, dann würde ich darüber nachdenken", sagte Klopp im vergangenen Sommer. 

Und auf dem Papier wäre der Zeitpunkt für ein mögliches DFB-Engagement passend. Denn zeitgleich mit Klopps aktuellem Vertrag läuft 2022 auch das Arbeitspapier von Löw aus. Selbst mit einem Jahr Pause hätte Klopp dann noch ein Jahr bis zum großen Highlight: Der EM 2024 im eigenen Land. Die ist ein Faktor, der auch Klopp reizen könnte. 

Bis dahin genießt er es aber lieber, dass ihm vornehmlich die Herzen der Liverpooler Fans zufliegen.

"Es ist unglaublich", sagte Klopp über die Begeisterung der Fans während der Titelparade am Sonntag. "Du siehst in ihren Augen, wie viel das bedeutet."

Toppen könnte das wohl nur noch ein Meistertitel mit Liverpool.

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