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München - Im Sommer 2019 verlor Salzburg nicht nur Trainer Marco Rose an Gladbach, sondern auch die halbe Stammelf. Trotzdem mischen die Österreicher nun Europa auf.

Am Dienstagabend trat Red Bull Salzburg nach elf vergeblichen Anläufen erstmals in der Champions League an - und wie!

Der österreichische Meister musste diesmal nicht in die Qualifikation für die Königsklasse, wo er in den Jahren zuvor immer scheiterte, sondern war in dieser Saison gesetzt. Zu Recht, wie es scheint.

Die Salzburger fegten den KRC Genk mit 6:2 aus dem Stadion und grüßen vorerst von Platz eins der Gruppe E - vor Neapel (3), Titelverteidiger FC Liverpool (0) und Genk (0).

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Marsch: "Ein bisschen wie ein Traum"

"Es ist ein bisschen wie ein Traum. Ich bin glücklich für den Verein, die Stadt, die Leute, unsere Unterstützer. Es ist ein großartiges Gefühl", sagte Salzburgs neuer Trainer Jesse Marsch freudestrahlend.

Der amerikanische Coach kam im Sommer 2019 von RB Leipzig, wo er Ralf Rangnicks Co-Trainer war, um die Nachfolge von Erfolgstrainer Marco Rose anzutreten, der zu Borussia Mönchengladbach weiterzog.

Ein schweres Erbe, denn Rose führte 2017 die U19 der Salzburger zum Gewinn der UEFA Youth League, wurde dann zum Chefcoach befördert, gewann zweimal die österreichische Meisterschaft und einmal den Pokal.

In der Champions-League-Qualifikation scheiterte der jetzige Gladbach-Trainer zwar in beiden Jahren, sorgte dafür aber insbesondere mit dem Halbfinaleinzug 2018 in der Europa League für Furore - und zeigte selbst dem großen Bruder RB Leipzig in zwei Spielen die Grenzen auf.

Salzburger weiterhin ungeschlagen

Doch Marsch ließ sich von den großen Fußstapfen nicht beeindrucken: Die ersten neun Pflichtspiele der Saison hat sein Team allesamt gewonnen!

In der österreichischen Bundesliga stehen die Salzburger mit sieben Siegen, 21 Punkten und 34:6 Toren auf Platz eins. Im ÖFB-Cup wurde Pandorf mit 7:1 aus dem Stadion geschossen - und im ersten Champions-League-Spiel der Klubgeschichte erging es dem belgischen Meister nicht besser.

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Dabei verloren die Österreicher im Sommer 2019 fünf Stammspieler und absolute Leistungsträger: Stefan Lainer (für 12,5 Millionen Euro zu Gladbach), Diadie Samassékou (für 12 Mio. zu Hoffenheim), Xaver Schlager (für 15 Mio. zu Wolfsburg), Hannes Wolf (für 12 Mio. zu Leipzig) und Munas Dabbur (für 17 Mio. zum FC Sevilla).

Nach Dabbur und Co. kräht aber kein Hahn mehr, obgleich der israelische Stürmer in 76 Liga-Spielen für Salzburg 44 Tore erzielte. Ein norwegisches Wunderkind ließ Dabbur schnell vergessen: Erling Braut Haland. Der 19-Jährige erzielte bei seinem Königsklassen-Debüt gegen Genk bereits in der ersten Halbzeit einen Hattrick.

Die "unaufhaltsame Bestie" Erling Braut Haland

"Ich kann es nicht glauben, ich habe einen Hattrick gemacht und wir haben gewonnen. Es ist das beste Gefühl, das ich je hatte. Ich bin sehr glücklich", freute sich Haland und fügte an: "Wir haben in der Liga 7:2 gegen Hartberg gewonnen, und die Leute haben gesagt, dass es in der Liga einfach ist, das zu schaffen. Jetzt haben wir es aber auch in der Champions League gezeigt."

Als "unaufhaltsame Bestie" bezeichnete die Marca jüngst die personifizierte Tormaschine. Kein Wunder, stehen in der Liga nach sieben Spielen doch bereits elf Tore und fünf Vorlagen auf Halands Konto. Im Pokal und in der Königsklasse traf er im ersten Spiel jeweils dreifach.

Dass er weiß, wo das Tor steht, belegt ein Rekord für die Ewigkeit: Bei der U20-WM in Polen schoss Haland beim 12:0-Sieg gegen Honduras neun (!) Tore. Das gab es noch nie und wird es so schnell wohl auch nicht wieder geben.

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HSV-Flop Hwang blüht wieder auf

Der Norweger ist aber nicht das einzige Juwel in Reihen des österreichischen Meisters: Halands Sturmpartner Hee-Chan Hwang bringt es in acht Einsätzen ebenfalls auf beachtliche 14 Scorerpunkte. Als Leihspieler beim Hamburger SV kam der 23-Jährige in der Vorsaison kaum zum Zug - jetzt aber spielt der Südkoreaner groß auf, und zeigt, welches Potenzial in ihm steckt.

"Mit welcher Wucht, Power und Spielfreude die Mannschaft auf dem Platz steht. Das war überragend. Es macht Riesenspaß, der Mannschaft zuzusehen", lobte Sportchef Christoph Freund die junge Salzburger Mannschaft, die eigentlich noch in der Findungsphase steckt.

Nach den Abgängen von Schlager und Wolf musste Coach Marsch sein Mittelfeld neu aufstellen: Während der Ex-Bremer Zlatko Junuzovic (31) und Antoine Bernede (20) Kilometer um Kilometer fressen und alles abräumen, führen Takumi Minamino (24) und Dominik Szoboszlai (18) Regie bei den Salzburger Festspielen.

Der japanische Offensivkünstler kommt schon auf zehn Scorerpunkte, der filigrane Ungar auf zwei Tore und vier Vorlagen - und gerade Szoboszlai ist neben Haland in aller Munde. Der 18-Jährige soll Gerüchten zufolge bei den Bundesliga-Spitzenteams FC Bayern, BVB und Leipzig ebenso auf dem Zettel stehen wie auch bei einigen anderen europäischen Top-Klubs.

Salzburg-Coach: "Wir können noch besser spielen"

Wie lange die Salzburger Festspiele andauern werden? Abwarten. Doch solange Szoboszlai, Haland und Co. weiter so stark aufspielen, sollten sich auch Europas Top-Teams in Acht nehmen.

"Wir haben schon vor einem Monat gesagt, dass in dieser Gruppe etwas möglich ist - und jetzt haben wir einen super Start hingelegt. Im Moment ist jeder Spieler immer bereit für eine Top-Leistung, die Mentalität der Spieler ist überragend", frohlockte Marsch und schickte eine Warnung an die kommenden Gegner aus Liverpool und Neapel: "Es war kein perfektes Spiel, wir können noch besser spielen."

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