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Mit großen Erwartungen ging Real Madrid in die neue Saison. Bereits nach wenigen Wochen zeigt sich ein anderes Bild und Trainer Zinédine Zidane wackelt mehr denn je.

Am Wochenende wähnten sich die Fans von Real Madrid am Tiefpunkt einer bislang enttäuschenden Saison. 0:1 verloren die "Königlichen" bei Aufsteiger Real Mallorca.

Wenn das Star-Ensemble am Dienstagabend nicht auf der Hut ist, könnte es sogar noch ein Stück weiter nach unten gehen. Bei Galatasaray Istanbul droht dem 13-maligen Henkelpott-Gewinner der maximale Fehlstart in der Königsklasse (Champions League: Galatasaray - Real Madrid, ab 21 Uhr im LIVETICKER).

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0:3 bei Paris St. Germain, ein peinliches 2:2 daheim gegen den FC Brügge - kein Wunder das selbst der Magier Zinédine Zidane als Trainer nicht mehr unantastbar ist.

Etwa 300 Millionen Euro investierte Real in diesem Sommer in die Mannschaft und wollte so erneut den Angriff auf europäische Spitze starten. Bei einer Niederlage in Istanbul würde sogar das undenkbare drohen: ein Vorrunden-Aus.

Und damit auch das Ende von Zidanes zweiter Amtszeit?

"Wir folgen Zidane bis in den Tod"

"Ich weiß nicht, ob es um meinen Job geht. Ich weiß, wo wir stehen, Druck wird immer herrschen. Was gegen Galatasaray passiert, wird aber nichts verändern, denn danach gibt es noch einige Spiele", sagte der 47-Jährige vor der Partie scheinbar entspannt.

Das Vertrauen scheint zumindest bei den Spielern noch nicht gelitten zu haben, wie Kapitän Sergio Ramos gewohnt martialisch klar machte: "Wir folgen Zidane bis in den Tod und was auch immer passiert, wir werden ihm weiter vertrauen."

Obwohl die Königlichen in der Liga nur einen Punkt hinter dem Erzrivalen FC Barcelona Platz zwei belegen, ist die Aufbruchsstimmung des Sommers beim Rekordmeister längst dahin.

Neben den ausbleibenden Ergebnissen wird Zidane zum Vorwurf gemacht, dass er seit seiner Rückkehr noch immer keinen Einheit aus dem Starensemble formte und eine spielerische Weiterentwicklung kaum bis gar nicht zu erkennen ist. Zudem ist es dem Franzosen bislang nicht gelungen, die teuren Neuzugänge wie Eden Hazard oder Luka Jovic in die Mannschaft zu integrieren.

Superstar Hazard zündet nicht

Für 130 Millionen Euro wechselte Hazard nach Madrid und erfüllte sich seinen Kindheitstraum. Bislang spielt der 28-Jährige weit unter seinen Möglichkeiten und strahlt kaum Gefahr aus.

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Dementsprechend ungeduldig geht auch die spanische Presse mit dem Belgier um. "Es ist ein Finale, Hazard", titelte die spanische Marca, und weiter: "Madrid hat ihn unter Vertrag genommen, um diese Spiele zu gewinnen."

Schon bei seiner Ankunft in der spanischen Hauptstadt hatte Hazard die volle Schärfe der Berichterstattung zu spüren bekommen. Vor allem sein vermeintliches Übergewicht war ein ständiges Thema.

Hazard selber weiß, dass er noch kein Galáctico ist, glaubt aber weiterhin an einen Durchbruch. "Ich muss erst noch beweisen, dass ich einer sein kann. Jeder weiß, wer hier alles die Nummer 7 getragen hat. Jetzt muss ich beweisen, dass ich der beste Spieler der Welt sein kann. Ich zweifle nicht an meinen Fähigkeiten."

Jović spielt keine Rolle

Sturmhoffnung Jović hat seinen Torriecher aus Frankfurter Zeiten verloren und wirkt im Spiel der Königlichen verloren. Deswegen muss der Serbe meistens auf der Bank Platz nehmen. Die weiteren Neuzugänge Rodrygo und Éder Militao sind in ihrer Entwicklung noch nicht so weit, um an den Platzhirschen auf ihren Positionen vorbeizukommen. 

Linksverteidiger Ferland Mendy hatte bisher mit Verletzungen zu kämpfen und konnte so kaum Spielpraxis sammeln.

Dramatische Defensivprobleme und Torwartdiskussion

Doch das sind nicht Zidanes einzige Probleme. Die hochdekorierte Abwehr um die Weltmeister Ramos und Raphael Varane kassierte bereits 14 Gegentore in dieser Saison.

Zudem nehmen die Diskussionen um Stammtorwart Thibaut Courtois weiter Fahrt auf. Der Belgier wackelt immer wieder und kämpft inzwischen mit Neuzugang Alphonse Areola um den Status der Nummer Eins.

Doch auch Areola wirkte bei seinen bisherigen Einsätzen nicht immer sicher und patzte beim 4:2 gegen Granada, als er unter anderem einen Elfmeter verschuldete.

Baustellen über Baustellen also. Hinzu kommen auch noch immer wieder Verletzungssorgen. Und das auffallend oft im muskulären Bereich. Ein Fakt, der in schlechten Zeiten gerne dem Trainer negativ ausgelegt wird. 

Glorreiche Mittelfeld kommt nicht in Tritt

Vom einstigen Prunkstück der Mannschaft, die drei Mal in Folge unter Zidane die Champions League gewann, dem Mittelfeld, kommt in dieser Phase auch zu wenig.

Toni Kroos wurde durch eine Verletzung zurückgeworfen. Luka Modric, vor einem Jahr immerhin noch Weltfußballer, steckt im Formtief.

Und so kulminiert die zweite Amtszeit von Zidane womöglich an diesem Dienstagabend in Istanbul. Es sei denn, der Magier kann mal wieder ein Kaninchen aus dem Hut zaubern.

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