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Barcelona - Jadon Sancho ist in Barcelona bester BVB-Profi. Das Problem: Lucien Favre bringt ihn erst zur zweiten Hälfte. Die Unruhe rund um den begehrten Shootingstar wird größer.

Von dem Moment an, als Jadon Sancho den Rasen des Camp Nou betrat, war er voll da.

Der Engländer trickste, dribbelte und spielte die Pässe, die einer Verteidigung weh tun. Sancho gelang bei Weitem nicht alles, aber der 19-Jährige strahlte permanent Gefahr aus, sobald er in der gegnerischen Hälfte an den Ball kam.

Das Problem: Als BVB-Trainer Lucien Favre seinen Shootingstar von der Leine ließ, waren schon 45 Minuten gespielt und die Dortmunder lagen gegen den FC Barcelona bereits mit 0:2 zurück.

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Sancho überzeugt gegen Barcelona

Vor allem dank Sancho kam die Borussia aber tatsächlich noch mal in Reichweite einer weiteren spektakulären Aufholjagd: Erst bediente er Brandt, der aus kurzer Distanz an Marc-André ter Stegen scheiterte.

Selbst nachdem Barca das 3:0 gelungen war, machte Sancho mit seinem sehenswerten Treffer zum 1:3 noch einmal Hoffnung - und wer weiß, was passiert wäre, hätte ter Stegen einen weiteren Sancho-Kracher nicht per Glanzparade noch an die Latte befördert?

So aber blieb es bei der verdienten Dortmunder Niederlage - und spätestens nach dem Spiel fragte sich jeder, wie es wohl ausgegangen wäre, hätte Sancho von Anfang an gespielt. Und natürlich auch, warum sich Favre gegen ihn entschieden hatte.

"Barcelona ist ein schwieriges Spiel. Wir brauchen Spieler auf dem Platz, die fokussiert und bereit sind", hatte der BVB-Coach vor dem Anpfiff bei Sky vielsagend erklärt, ohne im Detail auf die Gründe für Sanchos Reservistenrolle einzugehen: "Wir haben ihn uns angeschaut und uns für diese Startelf entschieden."

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Schlagzeilen abseits des Platzes

Nahezu wortgleich wiederholte er dieses Statement auf der Pressekonferenz nach dem Spiel, ohne dabei eine größere Gefühlsregung zu zeigen.

Ein möglicher Grund für Sanchos Nichtberücksichtigung in der Startelf: Nach Informationen der Bild soll Sancho am Tag des Spiels mit deutlicher Verspätung zur Mannschaftssitzung erschienen sein.

Laut Favre habe der Vorfall zwar "nichts mit der Aufstellung zu tun" gehabt. Auffällig aber ist, dass Sancho in den vergangenen Wochen des Öfteren abseits des Platzes für Schlagzeilen gesorgt hat - und das inzwischen weit über die seit Monaten schwelenden Gerüchte rund um einen anstehenden Sommertransfer in die Premier League hinaus.

Alles begann mit der Suspendierung für das Bundesligaspiel gegen Borussia Mönchengladbach Mitte Oktober, weil Sancho Vereinsangaben zufolge mit Verspätung von einer Länderspielreise mit dem englischen Nationalteam zurückgekehrt war.

Sancho als Sündenbock?

Nachdem ihn Favre beim 0:4-Debakel in München noch vor der Halbzeit ausgewechselt hatte, brachte zuletzt außerdem ein englischer Medienbericht neue Unruhe.

Wie The Athletic unter Berufung auf das Umfeld des Spielers berichtete, soll sich Sancho gedemütigt und als Sündenbock für die Dortmunder Krise fühlen, ihm fehle es an Rückendeckung vonseiten des Vereins.

Nach dem Spiel in Barcelona stapfte Sancho als einer der ersten Dortmunder kommentarlos durch die Mixed Zone in Richtung Mannschaftsbus, sprechen wollte er selbst einmal mehr nicht.

Auch seine Kollegen hielten sich weitestgehend zurück.

Hummels lobt Sanchos Leistung

"Das Thema möchte ich jetzt nicht öffentlich kommentieren", meinte Mats Hummels bei Sky, sagte dann aber doch noch ein bisschen was: "Ich finde, er hat in der zweiten Halbzeit eine sehr gute Reaktion gezeigt. Dafür ein großes Lob an ihn."

Sancho habe es "wirklich gut gemacht, mit großem Engagement, Einsatzfreude und einem schönen Tor. So soll es sein."

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Dass das Hickhack um Sancho nicht zu Hummels‘ Lieblingsthemen gehört, war schon da zwischen den Zeilen zu lesen - und wurde wenig später in der Mixed Zone noch deutlicher.

"Ich finde einfach, wie er es in der zweiten Halbzeit gemacht hat, hat er es richtig gut gemacht", lobte der Innenverteidiger noch einmal - und fügte an: "Ansonsten war das heute die Entscheidung - und Punkt. Ganz einfach."

Ob nun wegen Sanchos mangelnder Einstellung in der Vorbereitung auf das Spiel oder wegen Favres Entscheidung, den Engländer zunächst draußen zu lassen: Begeistert davon, dass er und seine Kollegen 45 Minuten lang auf Sanchos außergewöhnliche Fähigkeiten verzichten mussten, war Hummels jedenfalls nicht.

Den Dortmunder Fans dürfte es ähnlich gegangen sein.

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