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München - Lucien Favre könnte nach dem BVB-Gastspiel in Barcelona seinen Job los sein. Die Partie beim Star-Ensemble könnte aber auch zum Wendepunkt für den Trainer werden.

Eine desaströse Leistung gegen den Tabellenletzten SC Paderborn, ein verunsichertes Team und frustrierte Fans. Borussia Dortmund steckt in einem tiefen Leistungsloch - und nun geht es ausgerechnet zum FC Barcelona, Tabellenführer der spanischen Liga und einer der Topfavoriten auf den Gewinn der Champions League.

Die Partie am Mittwoch im legendären Camp Nou (Champions League: FC Barcelona - Borussia Dortmund ab 21 Uhr im LIVETICKER) dürfte zum Schicksalsspiel für Trainer Lucien Favre werden - und außerdem eine ganz wichtige Rolle im Kampf um den Einzug ins Achtelfinale spielen. Auf die gegen Paderborn so wacklige Defensive wartet mit Lionel Messi, Luis Suárez, Antoine Griezmann und dem Ex-Dortmunder Ousmane Dembélé die wohl am prominentesten besetzte Offensivreihe der Welt.

Eine Mission Impossible für den BVB? Von wegen!

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Tatsächlich sprechen jede Menge Gründe für eine Überraschung, wenn die Leistungssteigerung nach der Pause gegen Paderborn aufrecht erhalten wird. (Spielplan und Ergebnisse)

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Tristesse in der Barca-Kabine

Auch Barcelona befindet sich nämlich trotz Tabellenführung in einer Formkrise. Beim 2:1 am Samstag beim Tabellenletzten CD Leganés enttäuschte Barca einmal mehr und kam lediglich durch zwei Standardtore von Suárez und Arturo Vidal zum Sieg. Zur Halbzeit hatten die Katalanen nach einer ganz schwachen Leistung - eine Parallele zum BVB - noch zurückgelegen, anschließend soll es in der Kabine zu bemerkenswerten Szenen gekommen sein.

Wie die spanische as berichtet, habe die Mehrzahl der Spieler mit hängenden Köpfen und schweigend in der Umkleide gesessen. Griezmann, Dembélé und Verteidiger Samuel Umtiti sollen sich unterdessen eine hitzige Diskussion über die enttäuschende Leistung und das mangelhafte Zusammenspiel geliefert haben.

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Trainer Ernesto Valverde soll mit seinem Co-Trainer anschließend versucht haben, wenigstens ein bisschen Aufbruchstimmung zu erzeugen und das Team zu erinnern, dass mit einem Tor alles viel leichter werden würde. Bevor das Team den Platz wieder betrat, sollen Gerard Piqué und Suárez versucht haben, die frustrierten Mitspieler verbal wachzurütteln.

Griezmann und Dembélé schwächeln

Auch bei dem katalanischen Star-Ensemble scheint es also nicht rund zu laufen. Valverde hat es auch in seinem dritten Jahr als Barca-Coach nicht geschafft, die exzellent besetzten Mannschaftsteile zu einem funktionierenden Puzzle zusammenzufügen.

Unter diesem Eindruck wirkt auch das markige Statement "Wir sind die beste Mannschaft der Welt" von Suárez im kicker mehr wie eine hohle Phrase als wie gelebtes Selbstbewusstsein.

Vor allem die hochgelobte Offensive liefert nicht: Abgesehen von Messi (8 Tore) und Suárez (7) zeigt kein Spieler übermäßige Torgefahr. Star-Neuzugang Griezmann fremdelt in neuer Umgebung und hat seit September nur ein Mal getroffen. Dembélé steht sogar überhaupt erst bei einem Saisontor und zeigt in keinem Moment, warum Barca 2017 für den Franzosen 125 Millionen Euro an den BVB überwiesen hatte. Gegen seinen Ex-Klub dürfte er auf der Bank sitzen.

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Barca plagen große Verletzungsprobleme

Außerdem plagen die Katalanen große Verletzungsprobleme. Laut Mundo Deportivo fallen die Außenverteidiger Nelson Semedo und Jordi Alba gegen Dortmund aus, innen muss Piqué eine Gelbsperre absitzen und der Einsatz von Clément Lenglet ist wegen einer Beinverletzung fraglich.

Da Umtiti nach langer Verletzungspause langsam aufgebaut werden soll, gibt wohl der erst 20-jährige Uruguayer Ronald Araújo in der Innenverteidigung sein Debüt in der Königsklasse.

Für die Borussia wird es am Mittwoch darauf ankommen, das Zusammenspiel der Katalanen mit effektivem Pressing und konzentriertem Verteidigen zu verhindern. Dies gelang schon im Hinspiel sehr gut, am 17. September überzeugte der BVB beim 0:0 und verpasste den Sieg nur, weil Barca-Keeper Marc-André ter Stegen einen Elfmeter von Marco Reus parierte. (Tabellen der Champions League)

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BVB kann Achtelfinal-Ticket lösen

"Der BVB ist ein starker Gegner, da sind wir mit der ganzen Palette gefordert. In Dortmund ist uns das schwergefallen", erinnert sich Griezmann.

Obwohl Barca auch in der Champions League die Gruppe anführt, wirkt das teuer zusammengekaufte Gebilde fragil. Zu zwei knappen 2:1-Siegen gegen Inter Mailand und bei Slavia Prag gesellen sich zwei 0:0 - in Dortmund und beim letzten Heimspiel gegen Prag.

Auch der Blickwinkel wird für die Borussia entscheidend für den Erfolg am Mittwochabend sein. Haben die Spieler im Kopf, dass sich ein Debakel wie gegen Paderborn oder zuvor beim FC Bayern (0:4) wiederholen kann? Oder gehen Reus und Co. mit der Gewissheit ins Spiel, bei einem Sieg sicher für das Achtelfinale qualifiziert zu sein?

Es wird an Favre liegen, seinem Team dieses Bewusstsein einzutrichtern.

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