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München - Borussia Dortmund bekommt die Kurve. Das liegt zu einem großen Teil am Trainer, der bewiesen hat, dass er zur Veränderung fähig ist. Der SPORT1-Kommentar.

Noch vor wenigen Wochen wurde fleißig spekuliert. Wen könnte Borussia Dortmund wohl als Nachfolger von Lucien Favre holen? Es ging – auch bei SPORT1 – weniger darum, ob der Schweizer Trainer des BVB abgelöst wird, sondern nur noch darum, wann und durch wen.

Das kann man zu Recht als voreilig, hysterisch oder unmoralisch kritisieren. In den Tagen nach der Klatsche im Topspiel in München und dem chaotischen Heimspiel gegen Aufsteiger Paderborn war aber kaum ein anderer Weg vorstellbar.

Vor allem, weil kaum jemand dem 62 Jahre alten Favre einen schnellen Kurswechsel zugetraut hat. Deshalb wurde die Rede von BVB-Boss Hans-Joachim Watzke bei der Mitgliederversammlung vielfach auch als Ultimatum gedeutet, Favre fast schon zur "lame duck", einem Amtsträger auf Abruf, abgestempelt.

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Kurz vor Weihnachten hat es Favre allerdings allen Kritikern gezeigt. Es ist eine der größten Überraschungen dieser Saison: Favre kann auch anders!

- Favre kann Emotion

Mit kindlicher Freude stürmte der Coach am Dienstagabend über den Rasen des Dortmunder Stadions, herzte seine Spieler. Mats Hummels, schon in München ein guter Gradmesser dafür wie gut es gerade um die Zukunftsaussichten seines Trainers steht, lobte, Favre sei "emotionaler und energischer geworden. Das überträgt sich auch auf uns." Der Schweizer habe sein Training und die Ansprache an das Team verändert: "Damit hat er uns absolut auf den richtigen Weg gebracht."

- Favre kann Systemwechsel

Im tiefsten Tal der Saison verabschiedete sich Favre vom bisherigen 4-2-3-1 und stellte auf eine Grundordnung um, die man wahlweise als 3-4-3 oder 3-4-2-1 bezeichnen kann. Um solch einen Schritt zu gehen, bedarf es Courage. Schließlich muss auch die Mannschaft sich im neuen System erst einmal zurecht finden. Die defensiven Schwächen sind zwar immer noch akut, mit der Umstellung hat Favre aber einen Impuls gesetzt, der gewirkt hat.

- Favre kann Brandt

Das liegt auch daran, dass der Coach durch den Taktik-Tausch endlich auch die ideale Position für Julian Brandt gefunden hat. Der Sommer-Neuzugang, der zu Saisonbeginn außer Torwart und Innenverteidiger fast jede Position spielen durfte/musste, darf sich jetzt als kreativer Freigeist im Zentrum austoben. Dort ist er irgendwas zwischen Sechser, Achter und Zehner. Dabei sind seine Tor- und Assist-Zahlen noch nicht überragend, er glänzt aber auch als der, der den vorletzten Pass spielt und Reus, Sancho und Hazard so vorne den Raum öffnet.

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Insgesamt wirkt es nach außen so, als habe sich der Klub in den letzten Wochen seit der November-Depression gestrafft. Die Bosse haben Wunderkind Jadon Sancho mit Zuckerbrot und Peitsche wieder auf den richtigen Weg gebracht. Die Mannschaft rauft sich aus sich heraus zusammen und wehrt sich gegen Widerstände wie die Platzverweise in Berlin und gegen Prag.

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So wächst ein Gebilde zusammen, das die offensiv formulierten Titelträume vielleicht doch noch erfüllen kann. Am Mittwoch zeigte die Sport Bild eine Fotomontage von Favre mit der Meisterschale. Der Schweizer nahm das im Interview wohlwollend auf und zeigte sich "sicher", dass er das gute Stück in der Zukunft nach Dortmund holen wird. Was für eine Wandlung. Favre ist mehr Chamäleon statt "lame duck".

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