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München - In der Vorsaison verpasst Ajax Amsterdam knapp den Sprung ins Finale, jetzt ist in der Champions League in der Vorrunde Schluss. Das Aus kommt zur Unzeit.

Erik ten Hag blickte noch eine ganze Weile wie versteinert auf den Rasen.

Einige seiner Spieler sanken enttäuscht zu Boden, andere brüllten ihren Frust in den Amsterdamer Nachthimmel.

Wut, Ärger, Unverständnis - das ebenso bittere wie überraschende Vorrunden-Aus in der Champions League hat rund um Ajax Amsterdam ein Gefühlschaos ausgelöst.

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"Wir haben unser persönliches Ziel erreicht, indem wir europäisch überwintern", flüchtete sich Trainer ten Hag nach der 0:1-Niederlage gegen den FC Valencia in Sarkasmus. "Wir wollten das aber in der Champions League."

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Im Frühjahr hatte sein Team mit erfrischendem Offensivfußball die Herzen der Fußballfans europaweit erobert - nur Sekunden fehlten im dramatischen Halbfinalrückspiel gegen Tottenham Hotspur zum Einzug ins Finale.

Ajax-Erfolgself verliert "nur" de Jong und de Ligt

Der angesichts des Erfolgs von vielen prognostizierte Ausverkauf der Amsterdamer Erfolgself blieb im Sommer aber weitestgehend aus. Mit den Youngstern Frenkie de Jong und Matthijs de Ligt verließen "nur" zwei Hauptdarsteller der Erfolgsstory den niederländischen Rekordmeister.

Die heiß umworbenen Donny van de Beek, Hakim Ziyech oder David Neres blieben und weckten zusammen mit vielversprechenden Verstärkungen wie Quincy Promes und Edson Álvarez die Hoffnung, dass der Halbfinal-Einzug in der vergangenen Saison kein One-Hit-Wonder war.

In der Eredivisie übernahm Ajax am 3. Spieltag die Tabellenführung und gab sie seither nicht mehr ab - trotz der ersten Saisonniederlage am vergangenen Freitag gegen Willem II.

4:4-Spektakel beim FC Chelsea als Knackpunkt

Und in der Champions League bot ten Hags Team weiter Spektakel pur - doch ausgerechnet das größte war der Knackpunkt mit weitreichenden Folgen.

4:1 führte Ajax am 4. Spieltag an der Stamford Bridge, zwei Platzverweise, dazu die Verletzungen von Neres und Promes verhalfen dem FC Chelsea zu einem verrückten Comeback. 4:4 hieß es am Ende.

"Gerade als der Trainer an der Stamford Bridge seine ideale Formation mit den idealen Elf fand, ging es schief", analysierte De Telegraaf. Vor allem die verletzungsbedingten Ausfälle seien nicht zu kompensieren gewesen.

Im "Endspiel" gegen Valencia wurde Ajax im Bemühen um den dringend benötigten Ausgleich zunehmend ungeduldiger, die Angriffe verzweifelter. 18 Mal schossen die Gastgeber in Richtung Tor - nur zwei der Abschlüsse flogen auch wirklich auf den Kasten.

Bayern-Gerüchte um Trainer ten Hag

"Im Fußball bekommt man nicht immer das, was man verdient", haderte ten Hag.

Dass der Erfolgscoach nach dem Aus von Niko Kovac zuletzt verstärkt als dessen Nachfolger beim FC Bayern gehandelt wurde, hat zusätzlich für Unruhe gesorgt. Droht Ajax nun mit ein paar Monaten Verzögerung doch noch auseinanderzufallen?

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"Es war ein sehr harter Abend in der Cruyff Arena", twitterte Geschäftsführer Edwin van der Sar am Tag danach. "Unsere Reise in der Champions League endet nach zehn Punkten in der Gruppenphase. Das schmerzt."

Ajax muss auf Millionen-Einnahmen verzichten

Zwar geht es für Ajax in der Europa League weiter, doch die durchaus eingeplanten Einnahmen einer erneuten Teilnahme an der K.o.-Runde der Champions League könnten selbst im Falle eines Finaleinzugs in der Europa League nicht kompensiert werden.

77 Millionen Euro spülte die Erfolgssaison in der Königsklasse im Vorjahr laut Voetbal International in die Ajax-Kassen, die soeben beendete Vorrunde brachte 44 Millionen Euro ein. Das Defizit von über 30 Millionen Euro lässt sich mit den viel geringeren Prämien in der Europa League nicht annähernd ausgleichen.

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"Trotz des Rückschlags muss Ajax an der aktuellen Gehalts- und Transferpolitik festhalten", forderte De Telegraaf, "sonst verschwindet die europäische Elite aus den Augen und wird Ajax nicht mehr sehen, wenn 2024 ein neues Champions-League-Format in Kraft tritt".

Van der Sar versuchte jedenfalls, den Blick schnell wieder nach vorne zu richten. "Der volle Fokus liegt auf Sonntag, denn da steht ein weiteres großes Spiel bevor", betonte der ehemalige Weltklasse-Torhüter.

Mit AZ Alkmaar wartet der Tabellenzweite auf die enttäuschten Überflieger aus Amsterdam. Den dritten Dämpfer nacheinander will Ajax möglichst vermeiden.

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